Der Anfang vom Ende

67 3 1
                                        

Gebrochenes Kind, verlassene Frau, gescheiterte Medizinstudentin, tot müde und zerkratzt ...
So stehe ich hier,vor der schweren, von Kratzern gezeichneten Metalltür einer alten Lagerhalle, dem Zuhause meines Bruders und seiner Freunde.
Ich versuchte noch einmal tief ein zu atmen,doch meine Lungen brannten bis in die tiefsten Verästelungen vom laufen.
Ausgelaugt schlug ich so kräftig, wie möglich gegen die Tür, damit mich überhaupt jemand hörte.
In den Sekunden,in denen ich auf meinen Bruder oder irgendeinen seiner gottverdammten Freunde wartete schaute ich zurück.
Der staubige Feldweg, den ich gekommen war, verlief sich zwischen Bäumen Richtung ehemals Chicago .
Hochgewachsene Maisstauden säumten den im Sonnenuntergang rot glühenden Weg, während die Sonne langsam hinter dem Mais versank aber trotzdem noch die Wärme spendete, mit der sie mich schon den ganzen Tag verbrannt hatte.
Ich war so in den fast nostalgischen Anblick von den weit entfernten Ruinen Chicagos vertieft, sodass ich garnicht bemerkte, wie jemand die starke Metalltür aufgeschoben hatte und mich nun anstarrte.
,,Immernoch genau so wunderschön, wie beim letzten Mal!", sagte eine tiefe, allzu bekannte Stimme und schon verfluchte ich die Umstände, die mich hierher trieben, obwohl ich es hätte wissen müssen, dass er hier sein würde.
Langsam drehte ich meinen schmerzenden Kopf nach rechts und sah im Augenwinkel den altbekannten schwarzen Strubbelkopf, den ich schon so oft gesehen hatte.
Ein leichter Wind wehte mir meine dunkelroten Locken ins Gesicht,als wolle er mich zum umdrehen bewegen.
Also drehte ich mich um und blickte in jene dunkelbraunen, von Eyeliner umrahmten Augen, die ich nie wieder sehen wollte.
Er lächelte mich hoffnungsvoll an, als würde es etwas an seinen Taten ändern.
,,Ist mein Bruder da?", fragte ich möglichst darauf bedacht ihn bei seinem scheinheiligen Lächeln nicht eine rein zu hauen.
Er gab dann etwas gefasster zurück: ,,Patrick ist mit den Jungs drinne."
Ich wollte mich gar nicht lange mit ihm aufhalten und ging durch die Tür, wobei mir auffiel, dass er eine Whiskyflasche in der Hand hatte.
Hoffentlich hatte sein Schicksal genauso an ihm gezehrt wie an mir.
Bevor er die Tür hinter mir schloss sah ich noch wie sein Schatten die Flasche ansetzte und einen großzügigen Schluck wegkippte.
Bevor ich den kalten Betongang passieren konnte joggte er mir nach.
,,Hey, Sunny! Warte mal!", rief er und ich blieb mit verdrehenden Augen stehen.
,,Was?", fragte ich genervt und sah ihn mit dem passenden Blick zu meinem Tonfall an, als er sich vor mich stellte.
,,Wir können da nicht so einfach rein!", antwortete er .
Ich hatte eine leise Ahnung, was er damit meinte.
,,Wieso?", hakte ich mit zusammen gekniffenen Augen und drohendem Unterton nach.
Er drückte mir plötzlich seine Flasche in die Hand und vergrub dann sein Gesicht in seinen Händen.
,,Pete...", grummelte ich warnend.
,,...du hast es Pat gesagt!?"
Er blickte durch seine lackierten Finger hindurch und seine Augen blinkten mir ein schuldiges ,Nein!' entgegen.
Ich atmete tief durch, bevor ich ihm die Flasche wieder gab und wenige Sekunden darauf auf seinem Rücken, er hat sich wahrscheinlich schon mit Bedacht weg gedreht, trommelte und ihn aufs bitterste beschimpfte.
,,PETER LEWIS KINGSTON WENTZ , DU HAST ES VERSPROCHEN! DU MIESER DRECKSKERL, WIE KANNST DU IHM DAS NUR ANTUN! WAS BIST DU FÜR EIN ARSCH VON BESTER FREUND?!?!"
Es hat driftige Gründe gehabt, warum ER es meinem Bruder sagen sollte und dazu brauchte es einen passenden Moment und den hatte Peter Lewis Kingston Wentz versaut.
,,Schschsch", hörte ich ihn, während er versuchte meine Handgelenke zu greifen und sie schließlich festhielt.
,,Wir...also ich lass mir was einfallen! ", versuchte er mich zu beruhigen.
Erst jetzt spürte ich, wie fertig mich der lange Weg von ,Old (New) York' nach ,Old Chicago' gemacht hatte und das ich wahrscheinlich einen Sonnenstich oder ähnliches hatte.
Ich zog meine Handgelenke aus seinem Griff und stützte mich auf meine Knie.
,,Ich bin eigentlich viel zu dehydriert und müde um so etwas zu entscheiden aber...", ich konnte nicht fassen,dass ich den nächsten Satz sagte.
,,...wir müssen ihm etwas vorspielen und glaub mir, es passt mir nicht und ich würde es nicht sagen, wenn es keinen guten Grund gäbe es Patrick zu verheimlichen!", schnaufte ich.
Forschend blickte mich Pete an, bis er wortlos nickte, als würde er mich verstehen.
Just in dem Moment, als ich mich aufrichtete öffnete sich die Tür und Andy steckte den Kopf heraus.
,,Was dauert hier denn so ewig Pete?....Oh!"
Er sah mich und begann zu grinsen.
,,Da wird sich Patrick aber freuen!", schmunzelte er.
Er zog die Tür auf und mit einem letzten unsicheren Blick schaute ich zu Pete.
Ich war dankbar, dass er versuchte mir mit einem hoffnungsvollem Blick Mut zu machen....was nichts an der Tatsache änderte, dass ich ihn hasste und es auch weiter tun würde, sobald das hier vorüber war.
Gemeinsam gingen wir in den Innenraum der Halle.
Die Jungs hatten sich gemütlich eingerichtet.
Aus den Schalt- und Administratorenräumen waren die Türen entfernt und verhältnisäßig schöne, offene Zimmer geworden.
Auch wenn es irritierte aber Privatsphäre war bei den Vieren nicht nötig, wozu auch, sie würden eh überall sein.
Ganz hinten am Ende befand sich eine Art Trainingsteil mit Zielscheiben an der Wand und diversen Waffen, von denen manche äußerst befremdlich aussahen.
An den Seiten befanden sich eine provisorische Küche und einen Teil, der vollkommen der Band gewidmet war.
Gegenüber kam man über ein paar Treppen in den ,,unterirdischen Glastunnel" , wie Pete ihn immer beschrieben hatte,wo sie einige Gefangene ,,Testobjekte" festhielten und wenn man den Gang passierte kam man über einen weiteren Abstieg in das Gestein zu einem unterirdischen See, der somit gleich als Dusche genutzt wurde.
,,Sunny! Du bist zurück! ", staunte mein großer Bruder und legte sein Messer, mit dem er vorher noch Gemüse geschnitten hatte, auf die Arbeitsfläche und kam zu mir um mich fest zu umarmen.
Als er mich loslies strahlten seine Augen und ich konnte mir vorstellen, wie lange er mit Vorfreude auf meine Rückkehr gewartet hatte.
,,Ich hab schon so lange auf dich gewartet und Pete wie du siehst konnte es ohne dich auch nicht mehr aushalten!"
Pat deutete auf Pete, der immernoch seine Whiskyflasche in der Hand hatte, als wäre es das einzige, was ihm Halt gab....war vielleicht auch so.
Leider musste ich meinen Bruder im Glauben lassen, dass mein Mann mich vermisst hätte, wobei ich das mal in Frage stellen darf, doch genannter sah mich nur mit einem leidlichen Blick an.
Vielleicht nehmen sie ihn ja im Theater, falls es so etwas jemals wieder geben wird.
,,Erzähl von draußen!", bat Joe aus der hintersten Ecke eines Zimmers, was anscheinend der Raum für alles war, wie ein Wohnzimmer oder sowas.
Bevor noch weiter Fragen aufkommen konnten begann ich:,,Also draußen ist momentan..."





The Taste of BloodStories to obsess over. Discover now