Der Wind zog sich fade durch die herrlich grünen Baumkronen, verbreitete den angenehmen, sommerlichen Duft, welchen ich so sehr liebte. Ich genoss jeden einzelnen Atemzug den ich nahm, schloss sogar meine Augen, da ich dieses Gefühl so sehr vermisst hatte. Die kalten Zeiten waren vorüber und die dicken Winterjacken wurden weggepackt. Ich hasste den Winter, umso mehr liebte ich den Sommer. Bis jetzt hatte es keinen Sommer gegeben, über den ich mich hätte beschweren können. Es war nie etwas außergewöhnliches passiert. Die warmen Tage hatte ich einfach so dahingelebt. Doch was diesen Sommer anging... das hätte ich nicht ahnen können. Niemand hätte das, nicht einmal der Herr am Himmel - wenn man denn an ihn glaubte.
Wie gewöhnlich schlenderte ich durch die langen Gänge des Schulgebäudes, streckte mich wohlig und genoss einzig und allein diese schöne Wärme. Wenn man es genau nahm, dann gab es für mich drei kalte Jahreszeiten und eine warme. Ich hatte zwar nichts gegen den Frühling, dennoch fror ich selbst noch um diese Zeit herum. Dieses Problem hatte ich im Sommer allerdings nicht. Mit einem ausgeglichenen Lächeln, ließ ich mich auf einem der Plätze nieder, starrte völlig vertieft aus dem Fenster, zu dem herrlich blauen Himmel empor und bemerkte gar nicht, wie sich der Kurs allmählich füllte. Erst als mich etwas an der Schulter berührte fiel ich aus meiner Starre und widmete mich wieder der Realität. Hätte ich es nicht getan...
Mit einem fragenden Blick drehte ich mich herum und blickte dem fremden Jungen geradewegs in sein Gesicht. Ein neuer Schüler? Mit einem knappen Lächeln streckte ich ihm meine Hand entgegen und stellte mich flüchtig vor. Ich wusste nicht weshalb, aber... neue Schüler kamen immer zu mir, vielleicht lag es an meiner Ausstrahlung. Doch Jungs kamen für gewöhnlich nicht einfach so auf mich zu. Vor allem nicht wenn ich ihnen völlig fremd war. Aber das konnte der Braunhaarige schlecht wissen. Wie sich schnell herausstellte, lautete sein Name Ben, er war ein ganzes Stückchen größer als ich, aber mindestens genauso schlaksig und außerdem teilten wir sogar einige gemeinsame Interessen. Ziemlich schnell tauschten wir noch unsere Nummern aus -ich hätte mir schließlich nichts dabei denken können- als der Kurs auch schon begann und keine Möglichkeit mehr verblieb miteinander zu kommunizieren. Was vielleicht auch besser so war. Doch bis dahin konnte ich einfach noch nichts ahnen, wir hatten uns immerhin nur ganz kurz unterhalten.
Es klingelte zur großen Pause und ich war schon im Begriff das Klassenzimmer zu verlassen, als mich jemand an der Schulter zurückhielt. Normalerweise verbrachte ich meine Pausen mit meiner Musik und einem guten Buch, doch dieses Mal konnte ich das wohl vergessen. Mit einem fragenden Lächeln, welches sich auf meine Lippen niedergelegt hatte drehte ich mich um und blickte dem Neuen geradewegs ins Gesicht. Jetzt wo ich direkt vor ihm stand, fiel mir erst auf wie riesig er im Gegensatz zu mir aussehen musste. Ich war nicht wirklich klein, eigentlich recht groß für einen Kerl, doch er... er war wirklich groß.
"Was gibt es? Brauchst du eine Führung?"
Für mich war es schon fast normal, dass ich meine wertvolle, freie Zeit dafür aufopferte die neuen Schüler durch das nicht gerade kleine Gebäude zu führen. Doch er schien etwas anderes im Sinn zu haben, weswegen ich für einen kleinen Moment tatsächlich stutzen musste. Er wollte... die Pause mit mir verbringen? Mir ging einfach nicht aus wieso er seine Pause ausgerechnet mit mir verbringen wollte, doch ich wollte nicht unhöflich sein, weswegen ich bloß ein kurzes Nicken andeutete und dann auch schon losspazierte.
"Ich hab' heute morgen schon eine Führung bekommen... diese Schule ist echt riesig. Hätte nicht gedacht, dass es so große Schulen gibt..."
Seine Worte veranlassten mich dazu amüsiert zu schmunzeln. Unauffällig hob ich meinen Blick etwas an und musterte sein Seitenprofil. Er sah wirklich gut aus, soweit ich das beurteilen konnte. Also im Vergleich zu manch anderen... konnte ich selbst als Junge nicht abstreiten, dass er gut aussah. Auch sein Geruch... er duftete nach Aftershave und Mann, eine Kombination die zu perfekt auf seine äußere Erscheinung zu traf. Fast schon etwas geschockt schüttelte ich meinen Kopf, als ich bemerkte, über was ich da gerade nachdachte und räusperte mich leise, so als hätte er meine Gedanken gehört. Was zum Glück nicht der Fall war, da er mich lediglich fragend ansah, als ich ununterbrochen den Steinboden anstarrte.
"Ist alles okay? Tut mir leid, ich wollte nicht zu aufdringlich sein, ich kann gehen wenn du willst."
Er blieb stehen und ich... ich lief einfach weiter, bis ich bemerkte, dass er gar nicht mehr da war. Ich konnte mir mein Verhalten nicht erklären, seit wann benahm ich mich denn so komisch? Seufzend drehte ich mich um, wollte gerade zu einer Entschuldigung ansetzen, doch er war fort. Das hatte ich ganz toll gemacht... Die restliche Zeit der Pause verbrachte ich damit, mir Vorwürfe zu machen. Wäre ich neu an eine Schule gekommen, hätte ich mir einen schöneren ersten Tag gewünscht. Ich musste mich vergewissern, dass er sich nicht unwohl fühlte, nicht wegen mir... ich hätte es am liebsten sofort geklärt, doch eine Nachricht meiner Mutter hielt mich davon ab.
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(Titel steht noch offen)
Teen FictionEs passiert nicht selten, dass uns unerwartete Dinge widerfahren. Eigentlich widerlegt sich diese Tatsache ziemlich oft. Doch meist sind es nur Kleinigkeiten - Kleinigkeiten die nicht viel bewirken können. So dachte ich mir das zumindest. Aber manch...
