Prolog

34 3 2
                                        

Ich kann mich noch erinnern wie es war bevor diese ganzen Dinge geschehen sind, wie es war mit meiner Familie sonntags morgens ein Frühstück zu genießen oder wie es war sich mit meiner Mutter oder meiner Schwester um irgendwelche Nichtigkeiten zu streiten. Ich kann mich auch noch an die Zeit erinnern als ich jeden Samstag und Sonntag bis mindestens 10 Uhr geschlafen hatte und den ganzen Tag trotzdem müde war. Ich weiß auch noch wie es war unter der Woche in die Schule zu gehen und am Wochenende etwas mit Freunden zu machen, wie es war jeden Morgen um 7 Uhr aufzustehen und jeden Abend um etwa zehn schlafen zu gehen.

Ich kann mich an so viele Dinge noch so deutlicher erinnern und doch ist es als ob mit jeder Nacht die vergeht und jeder Tag der anbricht dieses Leben ein Stück weiter von mir weg rückt. Es ist als wäre ich auf einem anderen Planeten geboren worden auf dem alles in Ordnung zu sein schien bis zu einem Tag der mein ganzes Leben und meine ganze Welt auf den Kopf stellte.

Ich rede ungern über mein Leben, wie es gewesen war vor diesem einen Tag, wie ich mit meiner Familie lebte.  Ich rede einfach ungern davon wie es gewesen war bevor alles zerstört wurde. Ich fühle mich als ob mir dieses Leben aus den Händen gerissen wurde als, ob mir ein neues gegeben wurde welches ich auf keinen Fall will, eines  dass ich am liebsten loslassen würde.Ja, ich würde am liebsten jeden Tag sterben doch ich wache jeden Morgen auf und versuche weiter zu kämpfen, immer ein Stückchen weiter und dabei entferne ich mich jeden Tag zwei Schritte von dem Weg auf dem ich gehen möchte.

Aber der Reihe nach; bevor das alles angefangen hatte war ich ein ganz normales Mädchen mit ganz normalen Hobbys und ganz normalen Freunden, ja, ich hatte sogar eine ganz normale Familie. Ich hatte meine Mutter und meinen Vater, meinen kleinen Bruder und meine kleine Schwester. Wir waren eine Familie, auch wenn wir uns oft in den Haaren lagen und uns oft um unwichtige Dinge gerstritten hatten, hielten wir doch immer zusammen.

Der ganz normale Wahnsinn also, bis zu dem einen Tag war mir wirklich nie klar wie viel Glück ich mit meiner Familie hatte und wieviel sie mir fehlen würde wenn sie weg wäre. Ich dachte immer ich wäre unabhängig und könnte alleine zurecht kommen doch letzt endlich ist mir klar geworden wie sehr ich diese Menschen brauche und viel sie mir wirklich bedeuten.
Alles hatte am 1. Januar angefangen, nach dem Silvesterabend, hatte ich  ausgeschlafen und war erst gegen 2 Uhr mittags aufgewacht. Meine Eltern hatten das Haus mit meinen Geschwistern früh verlassen und waren zu Freunden gefahren um diese zu besuchen und ihnen ein frohes neues Jahr zu wünschen.
Sie hat mir versprochen gegen 5 Uhr wieder zu Hause zu sein also mache ich mir keine Sorgen als ich bis 3 Uhr noch nicht wieder kamen.

Ich mache mir etwas zu Essen und schalte den Fernseher an, ich hatte zwar keinen Kater jedoch hatte ich auch nicht besonders gut geschlafen. Also machte ich es mir auf der Couch bequem und muss nach ein paar Minuten wieder eingeschlafen sein, denn als ich das nächste Mal aufwachte war es bereits 4:30 Uhr. Die letzte halbe Stunde in der ich das Haus für mich allein hatte, wollte ich damit verbringen, laut Musik zu hören und durch den Flur zu tanzen. So holte ich meine Box und schaltete mein Lieblingslied auf volle Lautstärke.

Ich hatte kaum bemerkt wie die Zeit vergangen war, doch als ich das nächste Mal auf die Uhr sah zeigte sie sechs Uhr abends, doch das konnte sein. Denn meine Eltern hätten sich längst bei mir gemeldet wenn sie länger bräuchten als sie gesagt hätten, sie hätten mich angerufen oder mir eine SMS geschrieben, eine Nachricht hinterlassen, irgendwas. Es konnte nicht sein, dass sie noch nicht zurück waren ohne sich bei mir zu melden. Langsam fing ich an mir Sorgen zu machen und grübelte was sie an ihrer Rückkehr hindern könnte.

Ich beschloss also sie anzurufen, ich holte mein Handy und wählte die Nummer meiner Mutter, doch mein Handy wollte nicht funktionieren  "kein Netz" wieder und wieder zeigte es das an "kein Netz", "kein Netz". Das waar doch nicht möglich, in meinem Zimmer hatte man  den besten Empfang des Hauses. Auch auf der Terrasse und im Garten hatte ich keinen Empfang. Nirgendwo schien man Empfang zu haben, also griff ich zum Haustelefon doch dieses wollte genauso wenig funktionieren. Es war als wollte nichts funktionieren, denn auch das Internet und das Fernsehen gingen nicht es war als lag alles flach, das einzige was noch zu dem Zeitpunkt funktionierte war das Radio und das lief immer und immer dieselbe Durchsage:

"Bleiben sie in ihren Häusern gehen sie nicht raus! Wenn sie draußen sind begeben Sie sich umgehend nach drinnen halten sie sich nicht auf offener Straße auf, sind Familienangehörige oder Freunde zur Zeit der Welle draußen gewesen so können wir ihn nicht versprechen dass sie zurückkehren. Gehen sie auf gar keinen Fall auf eigene Faust nach draußen und suchen Sie sie. Bleiben sie in ihren Häusern, ich wiederhole, bleiben sie in ihren Häusern!"

Was hatte das zu bedeuten, was war diese Welle und was war geschehen? Waren Menschen verletzt oder gar verschwunden was war den Leuten die während der Zeit draußen gewesen waren zugestoßen?
Waren meine Eltern draußen gewesen, was war mit ihnen passiert und warum konnte ich sie nicht erreichen? Ich brauchte dringend Hilfe und niemand konnte sie mir geben. Ich war auf mich allein gestellt und zum ersten Mal missfiel mir dieser Gedanke mehr als alles andere.

All diese Fragen und Gefühle waren in mir als ich diese Botschaft zum ersten Mal hörte. Mittlerweile erreicht sie mich nicht mehr und es ist nur noch ein Geplänkel im Radio, dass ich schon zehnmal gehört hatte, nein öfter, über 100 Mal  und ich konnte jedes einzelne Wort mit sprechen und es bereitete mir auch keine Gänsehaut mehr diese Worte zu hören. Denn es war Alltag geworden. Aber alles zu seiner Zeit...

LostWhere stories live. Discover now