Für gewöhnlich bin ich kein Fan von Gruselgeschichten. Auch an paranormalen Aktivitäten oder an all diesen Verschwörungstheorien für unerklärliche Dinge, hatte ich keine Interesse. Doch eines Tages, als ich von einem weiteren, langweiligen Schultag nach Hause kam, lag auf meinem Schreibtisch ein kleines Buch mit der Aufschrift 'My Diary'. Ich dachte mir nichts dabei, denn damals war ich mir sicher, meine Tante hätte es mir dort hinterlassen. Also schmiss ich meine Schultasche auf mein Bett und setzte mich an meinen Schreibtisch, öffnete das Buch und stutzte. Der Einband des Buches sah abgenutzt aus, außerdem fühlte es sich seltsam an. Auch wenn es wie normales Leder aussah. Es war viel zu zart und zu weich, statt dass es von einem Tier stammen konnte. Ein mulmiges Gefühl breitete sich in mir aus und sobald ich das kleine Buch aufgeschlagen hatte, änderte sich die komplette Atmosphäre meines Zimmers. Auf der ersten Seite des Tagebuches, wurde ein Bild eingeklebt, auf dem eine kleine, glücklich aussehende Familie abgebildet war. Eine zierliche, blonde Frau mit einem Kind auf dem Arm, welches gerade mal um die drei Monate alt war. Neben ihr stand ein braunhaariger gut aussehender Mann. Doch sein Blick war alles andere als liebenswert. Seine kühlen Augen starrten mich an, als ob sich sein leerer Blick durch meinen Körper bohren würde. Dabei war es nur ein Bild. Unter diesem befand sich eine Widmung >> For my precious little Baby<< stand dort in dunkelroter Tinte und Schnorkelschrift. Das Papier war schon leicht veraltet und die Schrift war nur sehr schwer zu entziffern, doch mit ein wenig Mühe konnte ich dieses Hinderniss überwinden.
>>Liebes Tagebuch,
Heute sind es genau 10 Jahre, seit ich hier in der Psychiatrie hocke, eingewickelt in einer verdammten Zwangsjacke. Ich kann mich kaum noch an etwas erinnern und bewegen kann ich mich erst recht nicht. Alles was ich tun kann ist es, dem zittrigen und stark verwundeten Psychologen zu beauftragen, was er nun hinein schreiben soll. Da wir keine Tinte zum Schreiben besitzen, zwinge ich ihn dazu, sein eigenes Blut dafür zu verwenden. Schritt für Schritt werde ich über meine Handlungen dokumentieren und sie hier in diesem Tagebuch zusammenfassen. Nachdem mein Psychologe den ersten Eintrag vollbracht hat, werde ich mich von der Zwangsjacke lösen und ihn genauso wie die anderen umbringen. Einen nach den anderen werde ich abschlachten, dafür dass sie mich hier gefangen halten, dafür, dass sie mir all die Jahre mein Kind enthalten haben. Mein Kind... Alles was ich noch habe und besitze. Das Einzige, was vor mir noch sicher ist und noch lebt. Ich werde sie finden. Ich werde sie finden und eigenhändig in den ewigen Schlaf wiegen. Gleich ist es soweit. Sobald die Uhr zwölf schlägt, wird mein Kind 10 Jahre alt sein. Süße 10 Jahre. Süße 10 Jahre ist es her, seit ich sie das letzte Mal in meinen Armen hielt. Nun ist es 0 Uhr. Mein Psychiater darf nun seine letzten Worte sprechen bevor er- <<
Weiter wurde nicht geschrieben. Ich war kreide bleich im Gesicht und konnte es kaum fassen, was ich gerade gelesen hatte. Und dies war nur der Anfang. Was auf der dritten Seite stand, hätte ich nicht einmal im Traum erahnen können.
Zweiter Eintrag, 'My Diary'
>>Liebes Tagebuch,
Heute habe ich jedes Kinderheim abgesucht, bei dem meine Tochter hätte leben können. Die Suchergebnisse waren sehr enttäuschend. Ich hatte keine andere Wahl, der Drang sie zu finden war einfach viel zu groß. Ich beobachtete ein Paar, das gerade zwei Kinder adoptiert hatte und verfolgte sie, bis sie zu Hause ankamen. Ich konnte nichts dagegen unternehmen. Das Charisma, welches von dieser 'Familie' ausging, zog mich praktisch magisch an. Das glückliche Gelächter der Kinder, dass friedliche Zusammenleben. Wieso hatten sie es? Wieso wurde ihnen dieses Geschenk gegeben? Wieso konnte ich es nicht haben? Alles was ich mir je gewünscht hatte. Alles was ich wollte? Alles was ich brauchte. Eine Familie. Eifersucht und Missgunst überkamen mich. Ich konnte es nicht leiden, glückliche Familien zu sehen. Langsam kam ich aus meiner Deckung, in der ich mich begeben hatte, denn die frisch gebackene Familie hatte mich noch nicht bemerkt. Mit meiner Axt im Schlepptau, schleifte ich mich zur Haustürund drückte meinen kalten Finger auf die Klingel. Ein schrilles Geräusch ertönte, welches mich zusammenzucken ließ. "Einen Moment!", rief eine Honig, sanft klingende Stimme. "Wie kann ich ihnen helfen?" fragte mich diese anschließend, als mir die Person die Tür öffnete, zu der die sanfte Stimme gehörte. Ich starrte die Frau vor mir nur an. Ich starrte diese wunderschönen smaragd-grünen Augen an. Diese Augen die auch meine Verlobte damals besaß, jene die mich um den Verstand brachten. Mein ganzer Körper zitterte. Nein, das war einfach zu viel, diese Frau hatte es nicht verdient, ihre Augen zu tragen. Mit zittrigen Armen hob ich die Axt an. Ein kurzer schriller und schmerzerfüllter Schrei, bevor alles wieder in komplette Stille getaucht wurde. Ich fing an, krampfhaft zu lachen. Ich genoss den Anblick der nun in zwei geteilten Leiche vor mir. Leises Wimmern brachte mich in die Realität zurück, welches von den Kindern stammte. Meine Gefühle spielten verrückt, etwas in meinem Herzen schnürte sich zusammen. Mitleid war es nicht. Eher Zorn und Hass. "Na, habe ich euch eure Mutter genommen?" fragte ich krächzend und schritt auf die Kinder zu, die mir ängstlich zurückwischen. "Wollt ihr eure Mutter wiedersehen?" Wollt ihr das!?", lachte ich. Ihre Blicke waren goldwert, als auch der Vater endlich auftauchte. "Wer sind sie und was wollen sie hie- Juliette!?" Er warf einen Blick auf den missgestaltenen Körper seiner Frau und viel vor mir auf die Knie. "Wieso...wieso hast du Bastard das getan!?", brachte der Mann bröckelnd hervor, ehe er sich wieder fasste und sich an die Kinder wendete. "Lauft! Lauft nd bleibt erst wieder stehen wenn ihr nicht mehr kö- urghhhh" sein Satz wurde unterbrochen. Aus seinem Mund quoll sein rotes, dickflüssiges Blut heraus und es ertönte ein ekelhaft, knackendes Geräusch, als ich ihm das Genick brach, um ihn endlich zmu Schweigen zu bringen. "Haha...Pfahahahahaa.HAHAHA!" Ich konnte das Lachen kaum zurückhalten und wischte mir die Tränen aus den Augen. Überall im Flur lagen seine Gedärme herum, nachdem ich ihn wie seine Frau in Stücke zerhackt hatte und die Kinder nun auch auf den Boden sackten. Zumindest ihre leblosen Körper. Sirenen ertönten, die Nachbarn hatten wohl die Polizei gerufen. Überall befanden sich Blutlachen und auch meine Klamotten waren damit befleckt. Ich nahm mir den Kopf eines der Kinder und trat ihn aus der Tür, als wäre dieser ein Fußball. "Hier, viel Spaß damit!", brüllte ich, ehe ich mich aus den Staub machte.<<
Mir gefror das Blut in den Adern. Es...es war so...so schmerzerfüllt, so leidend geschrieben. Obwohl es von einem Mörder und Psychopathen verfasst wurde, ich konnte seine Schmerzen spüren. Ich war so vertieft in dieses Buch gewesen und so fasziniert davon, dass ich das Rufen meiner Tante gar nicht bemerkt hatte. "Ich komme gleich!", rief ich, als ich mich plötzlich beobachtet fühlte. Ich schaute aus dem Fenster und tatsächlich. Ich konnte den Schatten einer fremden Person in einer der dunklen Gassen erkennen. Schnell zog ich die Gardinen zu. Das war sicherlich nur Zufall, versuchte ich mir einzureden. Sofort huschte ich nach unten in die Küche. "Na Maus?", begrüßte mich meine Tante und gab mir ein Küsschen auf die Wange. "Es gibt Rindergulasch und Kartoffeln, zum Nachtisch habe ich dir Pudding gekocht" Sie lächelte ihr schönstes und liebevollstes Lächeln und bat mich, mich zu setzen. Natürlich tat ich ihr diesen Gefallen sofort. Hastig aß ich alles auf. "Das hat lecker geschmeckt!", lobte ich sie. "Ach ja und danke für das Buch", fügte ich noch schnell hinzu. Daraufhin blickte sie von der Zeitung auf, welche sie sich gewidmet hatte. "Welches Buch?", fragte sie verwundert. Ich hob misstrauisch eine Augenbraue, "Na dass Buch welches du mir auf meinen Schreibtisch gelegt hast", versuchte ich sie daran zu erinnern, doch sie zuckte nur mit den Schultern. "Soweit ich weiß, habe ich dir keines mitgebracht.", bestand sie darauf und wendete ihre Aufmerksamkeit wieder ihrer Zeitung. Aus allen sieben Wolken gefallen, rannte ich die Treppe zu meinem Zimmer wieder hoch. Mein Fenster, welches
vorhin noch geschlossen war, war weit aufgerissen und die Vorhänge schwanken durch den Luftzug hin und her. "Was zur-" mein Blick fiel auf meinen Schreibtisch. Das Buch war weg, wie vom Erdboden verschluckt. Ich durchsuchte mein ganzes Zimmer, stellte es auf den Kopf. Doch alles was ich fand war ein Zettel, worauf "Schlaf gut mein Schatz" stand. Ich erschauderte. Denn es war die selbe Handschrift wie die des Buches.
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My 'Diary'
Mystery / ThrillerWas würdest du machen, wenn du plötzlich ein kleines mysteriöses Buch auf deinem Schreibtisch finden würdest ? Wärst du nicht neugierig ? Würdest du nicht wissen wollen, was darin nieder geschrieben wurde ? Selbst wenn du ein seltsames Gefühl dabei...
