"Er starrte in das tiefe, dunkle Wasser des Sees im Wald, an dessen Ufer er wie jeden freien Nachmittag saß und auf dem vereinzelt Blätter trieben - Vorboten des nahenden Herbstes. Er zwängte sich tiefer in die Kuhle zwischen der kalten Erde und dem Stamm eines Baumes, sodass er besser vor dem Wind geschützt war. Natürlich, wie immer hatte er seine Jacke vergessen, als er blindlings aus der Wohnung seines Vaters gerannt war. Die ständigen Streits, die Vorwürfe, der Druck, unter den ihn sein Vater setzte; es war ihm alles zu viel geworden. Er war geflüchtet. Geflüchtet in den Schutz seines Waldes und dem Schweigen, das in ihm herrschte. Die Bäume hatten keine Erwartungen, es war ihnen egal, ob der Junge weinte oder ob er gut in der Schule war. Das alles interessierte doch eh nur seinen Vater. Und schon begannen sanfte Tränen langsam seine Wange hinabzulaufen, sie tropften auf sein Stoffhemd und energisch wischte er alle weg. Wieder starrte er auf das Wasser und allmählich beruhigte er sich. Tief atmete er ein und aus, der Wind strich durch seine Haare und er lächelte kurz. Vorsichtig stand er auf und tappte ein paar Schritte auf den See zu, kniete sich nieder und berührte mit den Fingerspitzen das kühle Wasser. Ein Schauder lief über seinen Rücken und zögernd zeichnete er ein paar Kreise auf seine Handinnenfläche. Dann änderte sich sein Blick, er atmete tief ein und sah hinauf in den Himmel. Schnell zog er sein Handy aus der Hosentasche, tippte eine Nachricht ein und schickte diese ab. "Ich liebe dich", stand darin und adressiert war sie an seine kleine Schwester. Er lächelte bei dem Gedanken an das junge Mädchen, das sein ganzes Leben noch vor sich hatte und für das es nun einfacher werden würde. Schließlich legte er das Handy auf den Boden, drehte sich um und schloss seine Augen. Er ließ sich fallen, sah hoch in das blasse Blau des Himmels und seufzte ein letztes Mal, bevor die Wasseroberfläche wieder eben wurde und sein Körper tiefer sank. Es war kalt, unendlich kalt, doch seine Sinne erkannten dies nicht mehr und so fühlte er nur die Ruhe und die Stille, die ihn umgab, das Dunkle und das Kalte. Vor seinen Augen erschien noch kurz der vorwurfsvolle Blick seines Vaters, doch er nahm all seine Kraft zusammen, lächelte und brachte damit alles hinter sich. Es war vorbei. Er war frei."
So, das war meine erste Geschichte :3 geschrieben für und mit Ideen gefüttert von: _FluffyPanda_ danke nochmal qwq
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Lichternebel
Short StoryHier werde ich angefangene bzw. beendete, kurze Geschichten veröffentlichen. Die meisten sind relativ dunkel und depressiv geschrieben, aber das ist nun mal meine Art, wem es nicht gefällt, der soll es nicht lesen :) Über Feedback freue ich mich imm...
