Kapitel 1 - Der Anruf

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Es ist ein ganz normaler Herbsttag wie jeder andere. Nur ist dieser Tag etwas besonderes. Heute werde ich meine beste Freundin nach langem wieder sehen. Wir haben uns bestimmt 2 Jahre nicht gesehen. Sie war auf einem Auslandaufenthalt in China. Gestern rief sie mir vor dem Flug an. Ich kannte die Nummer nicht und nahm daher erst mal das Telefon nicht ab. Doch als es schon zum 7. Mal geklingelt hatte, dachte ich es müsse was wichtiges sein.
Erst sprach eine Stimme auf chinesisch. Ich dachte die Person hatte sich verwählt und sprach langsam: ,,Entschuldigen Sie, Sie haben sich verwählt!" Da fing die Stimme am anderen Ende des Telefons laut an zu lachen. Ich war verwirrt. ,,Mensch, erkennst du nicht mal mehr meine Stimme, du Holz?" ,,Lisa?!" ,,Jaaaahaaaaa"
Sofort fing ich an zu lächeln. Das war typisch für Lisa. ,,Hey, wie gehts dir? was machst du? Wie ist China? Wann kommst du zurück? Ich vermisse dich!", stammelte ich freudig, ohne Luft zu holen. ,,Nur ruhig, Kleine, hol mal wieder Luft!", sagte sie lachend. ,,Ich bin nicht klein!", schrie ich ins Telefon. Sie lachte. Ihr lachen, wie ich es vermisse!
Ich war gerade draussen und machte einen kleinen Spatziergang. Ich liebe es im herbstlichen Nebel, im bunten Wald und dieser mystischen Stille zu sein. Das beruhigt mich.
,,Ich komme bald zurück.", sagte sie, lachte und fügte hinzu: ,,könntest ja morgen am Flughafen stehen, vielleicht siehst du mich dann". Ich sprang von der Bank hoch, auf der ich gerade noch sass. ,,Waaaaaas? Morgen? Du kommst morgen zurück?", schrieh ich ins Telefon. ,,'Tüüürlisch, sonst würde ich dich doch nicht an den Flughafen bestellen", sagte sie lachend.
Wir redeten noch fast eine ganze Stunde weiter. Sie erzählte mir was sie erlebt hatte, wir machten eine Zeit aus an der sie ankam und wir redeten darüber was wir alles noch nachholen müssen. Dann legte ich auf und rannte nach Hause.
Als ich zu Hause ankam, überrannte ich beinahe meine Mutter, die gerade aus dem Haus wollte. Erschrocken fragte sie: ,,sag mal, hast du etwas verbrochen?" ,,Nein, nein, Lisa kommt morgen zurück!", schrie ich sie an. ,,Deshalb musst du mich nicht gleich anschreien. Ich gehe jetzt einkaufen, soll ich noch etwas besorgen?", fragte sie mich und schmunzelte mich an. ,,Nein, ist schon Ok.. warte! Vielleicht könntest du uns einen Kuchen mitbringen", sagte ich und hüpfte dabei ungeduldig auf und ab.

Als meine Mutter ging, rannte ich in mein Zimmer. Ich schloss die Türe ab und schaute mich um. Das reinste Chaos, so kann ich niemanden empfangen. Auch wenn es meine beste Freundin ist, wollte ich es ihr gemütlich zurecht machen. Ich räumte auf, putzte wie verrückt und suchte mir ein Outfit aus. Ich benahm mich, als ob ich männlichen Besuch bekäme. Was natürlich nie der Fall war.
Aus meiner Klasse interessiert sich kein Junge für mich. Ich bin zu besonders. Meine schwarzen und bunt gefärbten Haare, mein Kleidungsstil und mein Auftreten machen vielen Jungs Angst. "Hexe" nennen sie mich, oder "Aussenseiterin". Ich trage immer Schwarz, habe immer bunte Strähnen in den Haaren und spreche auch nicht besonders viel. Meine beste Freundin hingegen ist das gegenteil. Sie geht an Parties, zieht sich bunt an und die Jungs stehen beinahe Schlange um mit ihr zu reden. Aber ich brauche das nicht. Ich brauche keinen Freund, ich brauche keine Freunde und ich brauche auch kein Mitleid. Was ich brauche sind die Leute die ich bei mir habe. Eben meiner besten Freundin habe ich noch meinen besten Kumpel, den Luke. Er kommt aus Amerika. Luke, Lisa und ich sind unzertrennlich. Seit fast 5 Jahren. Wir haben uns damals im Kino kennen gelernt. Lisa arbeitete beim Ticketverkauf und Luke lud mich damals zu einer Tüte Popcorn ein, weil er meine Tüte ausversehen aus meiner Hand schlug als er sich umdrehte. Kurz bevor der Film losging, verquatschten wir uns mit Lisa. Wir verpassten den Film.
Von Anfang an hatten wir das Gefühl, dass wir uns gegenseitig ergänzen. Seit diesem Tag sind wir beste Freunde.

,,Oh mein Gott, morgen ist sie wieder da!", dachte ich laut. Ich schaute mich noch einmal in meinem Zimmer um. Alles war in Ordnung.
Ich stellte mich in meinem Outfit vor den Spiegel. ,,Passt!", murmelte ich. Eine schwarze Hose, Nietengürtel, meine schwarzen Schuhe und mein lieblings T-Shirt. Schwarz mit einem Pony das blutete. Ich hörte ihre stimme: ,,neein, das ziehst du sofort aus!"
Lisa liebt Ponys. Ich ja eigentlich auch, aber seitdem ich herunter gefallen bin, will ich nicht mehr reiten. Ich streichel sie, ich putze sie und ich miste den Stall aus. Aber ich setze mich da nie wieder rauf!

,,Meine Haare, was mache ich mit meinen Haaren?", dachte ich. Sie sind im Moment Schwarz mit grünen und blauen Strähnen. Da ich meine Haare nie schnitt, sind sie extrem lang. ,,Ich msche einen Zopf, das sollte reichen", sagte ich laut und ging vom Spiegel weg.
Ich legte mein Outfit für den morgigen Tag auf die Seite und machte mich Bettfertig.

Buntes Laub (Pausiert)Stories to obsess over. Discover now