Kapitel 1

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Langsam öffnete ich meine Augen und blickte in einen klaren Sternenhimmel. Es war stockdunkel, nur die Sterne und der Mond erhellten meine Sicht. Stöhnend setzte ich mich auf und blickte an mir herab. Meine ganze Kleidung war durchnässt und zerrissen. Ich sah mich um und merkte erst jetzt, dass ich auf einer Insel gestrandet war. Ich rieb meine Hände aneinander um den Sand weg zu bekommen.

Wie war ich hergekommen? Was war passiert?

In meinen Gedanken versunken erkundete ich die Insel. Plötzlich sah ich eine dunkle Silhouette am Strand sitzen. Etwa zehn Meter von mir entfernt. Vorsichtig ging ich auf die Gestalt zu und versteckte mich hinter einem Baumstumpf. "Boah, scheisse!", schrie diese Person und warf sein Handy in den Sand. Ich zuckte vor Schreck zurück und stieg auf einen morschen Ast. *knack* Der junge drehte sich um und kam langsam in meine Richtung. Ich hielt die Luft an, aus Angst er könnte mich hören. Ich konzentriete mich nur auf seine Schritte, die immer näher kamen.

"Wer bist du? Was machst du da?" , fragte er überrascht und lehnte sich über den Baumstumpf.

Ich blickte zu ihm hinauf. Seine ozeanblauen Augen fesselten mich. Ich brachte kein Wort heraus. Ich erhob mich schnell aus meiner Hocke. Meine Knie schmerzten.

"So alltägliches Zeug halt...", antwortete ich.

"Wie zum Beispiel was?"

"Auf einer Insel aufwachen und nicht wissen wo man ist", grinste ich sarkastisch.

"Bist du nicht...Ellen, die Tochter von diesem reichen Schnösel?"

"Ja, das triffts genau! Bist du nicht Elias aus der Tanzschule und von dem Jugendprojekt? Hab dich auch schon mal beim Tanzen gesehen. Du tanzt echt gut!"

Er nickte. Auf einmal sah ich Wut in seinen funkelnden Augen. Es machte mir ein mulmiges Gefühl.

"Der Typ hat meinen Vater mit meiner Mutter betrogen."

"Es tut mir leid. Ich will eigentlich nicht bei ihm wohnen. Er ist nicht wie meine Mutter. Sie hat mich geliebt und sich um mich gekümmert. Ich würde viel lieber bei ihr leben - wenn sie nicht..."

Meine Sicht wurde verschwommen. Ich war kurz davor, in Tränen auszubrechen und ich konnte nichts dagegen machen. Ich wollte nicht, dass er mich so sieht. Ich ließ meinen Kopf nach unten hängen und schloss meine Augen.

" Es tut mir leid.", sagte er. "Hast du ein Handy? Meins hat 'nen Wasserschaden."

Ich tastete meine feuchte Hose ab.

"Nein...Wo sind wir? Und seit wann?"

Jetzt erinnerte ich mich. Die Schiffs-Fahrt! Ich wusste nicht, dass er auch auf dem Boot war. Wo waren meine Freunde? Trieben sie im offenen Meer herum? Waren sie ertrunken? In Sicherheit? Oder waren sie wie ich und Elias auf einer Insel gestrandet? Vielleicht waren sie ja auf der selben Insel. Er zuckte mit den Schultern und deutete ohne Emotionen ein 'komm mit!' mit seinen Händen. Ich folgte ihm hinterher bis ich neben ihm ging. Er sah auf den Boden und schien sich eigentlich nicht dafür zu interessieren, ob andere Menschen auf der Insel waren. Unsere Augen begegneten sich als er seinen Kopf in meine Richtung hob. Er griff sich mit seinen Fingern durch seine schwarzen, dunklen Haare, ohne den Blick zu lösen. Plötzlich riss uns ein schrilles Kreischen aus unserer Trance. Einen kurzen Moment standen wir still da und versuchten das Geräusch zu orten. Auf einmal rannte ein Mädchen in unserem Alter in unsere Richtung. Ihr perfekt-blondes Haar wehte im Wind. Die Schminke komplett verlaufen. Ich erkannte sofort, wer es war.

"Romana, die Tussi aus meiner Klasse!", seufzte ich.

Heulend und trotzdem bildhübsch kniete sich sich vor uns in den Sand und hielt sich ihre Hände vor das Gesicht. Ihre Tränen tropften in den Sand und versickerten.

"Ellen!! Gott sei dank bist du hier. Wo sind die anderen?", sie wischte sich die Tränen weg, "Und...Wer ist denn das?", zwinkerte sie plötzlich in einem flirtenden und selbstsicheren Ton.

"Keine Ahnung. Ich habe sonst niemanden außer Elias und dich gesehen. Ich kenne ihn übrigens aus der Tanzschule. Wir wollten gerade nachschauen ob noch jemand gestrandet ist. Du kannst mitkommen!", sagte ich obwohl es mir lieber gewesen wäre, ohne ihr weiter zu gehen, denn ich konnte jetzt schon voraussehen, dass sie nervig sein werden würde.

Doch sie hörte mir garnicht zu. Sie war damit beschäftigt, Elias zu mustern. Er hingegen war dabei vertieft, ins offene Meer hinaus zu starren. *Schnips**Schnips**Schnips* , machte ich mit meinen Fingern zwischen den beiden vor ihr Gesicht und versuchte sie aufzuwecken.

"Haaaaaalloooo!? Erde an Elias und Romana!"

"Kannst mich auch Romy nennen.", antwortete sie und beide drehten sich endlich zu mir.

"Wie wärs mit 'nem Lagerfeuer?"

"Ich geh mit Elias Holz sammeln und du kannst Steine in einen Kreis legen!", kommandierte Romana sofort.

Sie nahm seine Hand und zog ihn hinter ihr her, bis sie in dem dunklen Schatten des Waldes verschwanden. Ich jedoch wollte nicht das tun was Romy mir sagt. Ich setzte mich lieber unter dem Licht des Mondes an das Meerufer. Die kleinen, ruhigen Wellen berührten meine Zehen. Obwohl ich nur mit restlichen Stofffetzen bekleidet war, fror ich nicht. Ganz im Gegenteil. Es war als ob mich der Vollmond erwärmen würde.

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