Kapitel 1

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12.Juli 1789 - Frankreich, Paris

So schnell sie kann, rennt sie durch die verwinkelten Gassen Paris. Der Gestank des Dreckes ist allgegenwärtig, doch sie hat sich bereits daran gewöhnt. Die Straßen sind voller Menschen, welche sich in die verschiedensten Richtungen drängen.

Um sie herum tobt der Kampf der Bürger mit den Soldaten des Königs. Einige Soldaten sind bereits auf die andere Seite gewechselt, doch viele kämpfen noch verbittert gegen die Demonstranten. Die Unzufriedenheit und Not der Menschen scheint nun die Überhand gewonnen zu haben und droht die Stadt zu überrollen.

Jarla hört einen Schuss ganz in der Nähe und fährt erschrocken herum. Bisher haben sie es nie gewagt auf die Leute zu schießen... Erneut hört sie das Geräusch, wie sich eine Kugel aus dem Lauf löst und die Schreie die folgen.

Höchste Zeit von diesem Ort zu verschwinden. Vielleicht sollte sie diesmal nach Amerika gehen. George Washington soll dort für eine Menge Umschwung sorgen. Für die menschliche Spezies ein wahrlich großer Fortschritt. Während sie sich weiter Gedanken macht, wohin es gehen könnte, rennt sie wieder durch die Straßen.

Ihr Kleid verheddert sich dabei immer wieder um ihre Beine und mehrmals wäre sie fast gestolpert. Schon immer hat Jarla die Kleider der Menschen als unpraktisch empfunden, denn sie waren einfach nicht zum kämpfen geeignet. Viel lieber würde sie Hosen tragen, was jedoch aufgrund der derzeitigen Mode als unschicklich empfunden werden würde. Sie muss sich anpassen und darf nicht auffallen. Daher bleibt ihr nichts übrig, als sich ein Kleid anzuziehen.

Ansonsten ist es für Jarla kein Problem unterzutauchen. Ihre Fähigkeit ihr Aussehen nach belieben zu ändern ist dabei sehr hilfreich und hat sie schon das eine oder ander Mal vor Schwierigkeiten bewahrt.

Ein letztes Mal biegt Jarla um eine Kurve. Dabei läuft sie fast in einen jungen Mann, kann jedoch noch rechtzeitg bremsen. Doch er beachtet sie gar nicht und rennt in die Richtung aus der sie so eben kam. Schnell stürmt das Mädchen in ihr Haus.

Sofort empfängt sie der muffige Geruch von alten Sachen und Stroh. Das Haus welches nur ein Zimmer hat, ist klein und beinhaltet nichts außer einem Bett und einer kleinen Kochstelle. Genug zum Leben, aber definitiv nichts woran sich Jarla gewöhnen möchte.

Schnell holt sie unter dem Bett letzten Sachen hervor, die ihr geblieben sind. Geld hat sie kaum noch, doch es würde schon reichen. In ihrem kleinen Beutel landen zusätzlich noch ihre Klamotten von damals, etwas Proviant und die Wurfmesser. Das Kurzschwert bindet sie sich an den Gürtel und verdeckt es größtenteils mit den Falten ihres Rockes. Den Köcher und den Bogen spannt sie sich über den Rücken. Dann verbirgt sie diese unter ihrem Umhang. Natürlich kann man erkennen, dass sie etwas auf den Rücken trägt, doch sie hofft, dass man sie bei ihrer Flucht nicht aufhalten würde, um zu fragen.

Jarla geht durch die Hintertür, welche zum benachbarten Stall führt. Schon als sie hier ankam, hat sie für einen geheimen Zugang gesorgt, durch welchen sie nun eintritt. Sie hat Glück und außer den drei Pferden, ist keiner dort. Schnell nimmt sie sich Sattel und Zaumzeug und macht den Rappen aus der mittleren Box fertig. Zum Glück war der Nachbar gesprächig und prahlte immer zu damit, wie schnell dieser Hengst doch sei. Hoffentlich hat er dabei nicht über trieben.

"So dann zeig mir mal, was du wirklich drauf hast", sagt sie zu dem Tier, als sie den Beutel am Sattel festbindet und schließlich aufsteigt. Dann gibt sie dem Tier die Sporen. Sofort springt der Hengst los und läuft mit schnellen Schritten nach draußen. Sie manövriert ihn so gut sie kann durch das Chaos, um die Stadt schnellst möglich zu verlassen. Je weiter sie sich vom Stadtkern entfernt, desto weniger Menschen und besonders desto weniger Wachen begegnen ihr. Die Sonne ist bereits untergegangen, als sie dem Tier etwas Entspannung gönnt und in einen langsamen Schritt wechselt. Paris hinter sich zu lassen, fühlt sich gut an.

Die Maske welche sie in der Stadt aufrecht erhalten hat, fällt ab. Ihre vorher braunen Augen, nehmen nun wieder ihre natürliche eisblaue Farbe an. Auch ihre Haare ändern sich von einem Blondrot zu einem dunkelblonden Ton. Aus den sehr schrägen, werden gerade stehende Augen und die Nase wird wieder kleiner. Wie sie diese Nase gehasst hat... Doch es war notwendig. Ihre eigenen Züge zeigt sie schon seit Jahren nicht mehr, wenn nicht sogar seit Jahrhunderten.

Traurig muss sie an die Zeit denken, in der das Versteckspiel nicht nötig war. Damals auf Asgard, weit weg von den Menschen und Midgard. Damals als sie noch zusammen mit den andern Asen gelebt hat. Als sie noch mit Thor und Loki im Garten gespielt hat. Wie viele Jahre war das nun schon her? Jarla ist sich nicht mehr sicher. Aber es waren eine ganze Menge.

Es ist spät in der Nacht, als sie an einem kleinen Dorf ankommt. Bevor sie herein reitet, wird sie zu einer schwarzhaarigen Schönheit mit strahlenden, grünen Augen. Anscheinend gibt es kein Gasthaus, weswegen sie zu einem einfachen Bauernhaus reitet. Sie steigt ab und klopft mit den Zügeln in der Hand an die Tür. Zu ihrem Glück, öffnet ein recht Junger Mann. Nur wenig älter, als sie zu sein scheint. Erfreut nimmt sie die Kapuze ab und schaut ihn flehend an.

"Kann ich helfen?", fragt er in Französisch. Jarla nickt.

"Ich habe mich wohl verirrt und nun bin ich hier und weiß nicht wo ich in der Nacht bleiben soll. Ich habe mich gefragt, ob Ihr mich wohl eine Nacht in Eurer Scheune schlafen lassen würdet, damit ich und mein Tier nicht auf der Straße nächtigen müssen", erklärt Jarla ebenfalls in Französisch. Dabei setzt sie eine flehende Miene auf und hofft das Ehrgefühl des Mannes zu erreichen. Das oder ihre Erscheinung, scheinen ihn zu überzeugen.

"Ich kann doch eine edle Dame wie Euch nicht in meiner Scheune schlafen lassen. Bitte kommt herein und seid für diese Nacht mein Gast. Ich werde Euer Pferd in die Scheune bringen und versorgen." Dankbar lächelt sie ihn an und überreicht ihm die Zügel.

"Ich bin übrigens Darnell und Ihr?"

"Marié", lügt sie und lächelt den Mann freundlich an. Dieser führt den Hengst in die Scheune. Die Zeit nutzt Jarla um sich ein Überblick zu verschaffen. Es gab keinen Hinterausgang. Das Haus besteht im wesentlichen aus zwei Räumen. Einer Küche mit Tisch und einer großen Wanne und dem Schlafzimmer in dem ein Bett und eine Art Schrank steht. Hier schreit alles die ärmlichen Verhältnisse heraus, in denen der Mann wohl lebt, was der Geruch des Hauses bestätigt. Als sie fertig ist, zieht sie ihren Umhang aus und versteckt Bogen, Köcher und das Schwert drin. In dem Moment kommt Darnell wieder. Er lächelt sie an, während er zwei große Säcke mit Getreide auf den Armen hat. Diese legt er neben das Bett auf dem Boden. Ein improvisiertes Bett wie es scheint.

"Habt Ihr Hunger?", fragt er und kommt zu ihr in die Küche.

"Ein wenig, doch ich bitte Euch, macht Euch keine Umstände. Ich werde schon nicht verhungern."

"Ihr seid mein Gast, es soll Euch an nichts mangeln." Er holt aus einem Schrank etwas Brot und sogar etwas Käse. Nichts Übliches für diese Zeit. Geld und Lebensmittel sind sehr knapp. Dankend nimmt Jarla an und isst eine kleine Scheibe Brot mit Käse. Darnell will sich mit ihr unterhalten, doch sie blockt freundlich ab. Es ist ihr nicht recht Fremden von sich zu erzählen. Dann gibt sie vor müde zu sein und schlafen zu gehen. Eigentlich will sie es sich auf den Säcken am Boden bequem machen, doch der Mann besteht darauf, dass sie das Bett nimmt. Widerwillig nimmt sie an.

Im Bett dreht sie sich auf die Seite, doch sie bleibt wachsam. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Mann bei dem sie schläft, versuchen sie zu nötigen. Geschafft hat es bisher keiner und der ein oder andere hat den Versuch nicht überlebt. Auch wenn Jarla das lieber vermeiden würde. Schnell fällt sie in einen leichten Schlaf und ihre Gedanken wandern in eine lang vergangene Zeit.

Die Sonne scheint ihr ins Gesicht. Sie sitzt unter der Eiche im Garten des Palastes. Selbst ist sie noch ein Kind, genauso wie die Jungen die hinter ihr auftauchen.

"Loki! Thor!"

Always you (Loki FF)Hikayelerin yaşadığı yer. Şimdi keşfedin