Begin,began,begun

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Seufzend lehnte ich mich auf meinem Stuhl zurück und spielte gelangweilt mit dem Saum meines eleganten Minikleides. Es war ein schwarzes Cocktailkleid mit einem bis zur Hüfte gehenden, weiten Oberteil aus durchsichtigem, silberdurchwirkten Stoff. Dazu trug ich schwarze Pumps in dunkelbrauner Leopardenoptik.
Innerlich vor mich hin fluchend betrachtete ich die tanzenden Paare auf dem Parkett. Meine Eltern hatten mich zu dieser dämlichen Tanzveranstaltung geschleppt, weil sie, im Gegensatz zu ihrer Tochter, die zwei linke Füße hatte und ihre Zeit lieber beim Taekwondo >verschwendete<, begeisterte Tänzer waren. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es halb neun war, was bedeutete, dass ich diesen Quatsch noch einige Stunden mitmachen musste.
Das gefühlt tausendste Lied ging zu Ende und einige Paare bahnten sich ihren Weg zu den Tischen, die überall im Raum verteilt standen. Plötzlich fühlte ich, wie sich eine Hand auf meine Schulter legte und kurz darauf tauchte meine Mutter in meinem Blickfeld auf. Ihre kurzen braunen Haare, die ihr bis zu den Ohren gingen, waren leicht zerzaust, ihre Wangen leicht gerötet und sie strahlte über das ganze Gesicht. Mein Vater grinste ebenfalls.
„Ach komm, so schlimm ist es doch gar nicht. Genieß' es doch einfach mal", rügte mich meine Mutter, als sie meinen angesäuerten Blick bemerkte.
„Guck, du wirst jetzt auch mal tanzen. Die spielen gerade einen Discofox. Den kannst du doch auch."
Mir doch egal was das für ein Tanz war! Ich konnte nicht mal den Takt von Walzer und Tango auseinanderhalten.
„Vergiss es!", knurrte ich sauer und verschränkte die Arme vor der Brust, wurde aber schon von meinem Vater auf die Tanzfläche gezerrt. Mit meinen Pumps schlitterte ich über das Parkett, unfähig, einen festen Stand zu finden. Als mein Vater sich meine Hand schnappte und seine Rechte an meiner Hüfte platzierte, war ich dann doch gezwungen, Tanzhaltung einzunehmen. Aber wie gesagt, ich besaß zwei linke Füße und trotz der ausgezeichneten Führungsqualitäten meines Vaters wurde unser Tanz ein wildes Herumgestolpere. Dann, als mein Tanzpartner mich zurechtwies, mir doch gefälligst mal Mühe zu geben, erklang plötzlich ein panischer, fast schon hysterischer Schrei, der durch den ganzen Saal hallte und alle innehalten ließ.

Erschrocken hielten alle nach der unübersehbaren Quelle des Aufruhrs Ausschau.
Ein Mann, dessen ehemals weißes Hemd mit Blut getränkt war, hatte die Halle betreten und einen älteren Herren, der soeben mit seiner Frau den Saal verlassen wollte, gepackt, zu Boden gerissen und seine Zähne tief in dessen Hals geschlagen. Blut spritzte aus der Wunde und färbte die cremefarbenen Fliesen des Eingangsbereiches rot. Die Frau sah aus, als würde sie jeden Moment einen Herzinfarkt erleiden, doch sie begann, mit ihrer winzigen Handtasche auf den Rücken des Angreifers einzuschlagen, während sie wie verrückt schrie. Dieser drehte sich langsam um und sobald er die Frau entdeckte, stürzte er sich mit einem hungrigen Laut auf sie und begann, ihr mit Händen und Mund den Brustkorb aufzureißen und dessen Inhalt mit wohligem Schmatzen zu verschlingen. Es herrschte Totenstille im Saal. Selbst die Musik war verstummt. Nur die ersterbenden Schreie der Frau, das Zerreißen von Fleisch und das widerliche Schmatzen hallten von den Wänden wider. Einzelne Schreie aus der Menge wurden laut, die sich mehr und mehr in eine Massenpanik verwandelten, als auch noch der ältere Herr aufstand und mit leerem Blick die Menschen attackierte.
Und das war der Moment, in dem ich Rot sah. Mein rationales Denken und meine Gefühle schalteten sich ab und zurück blieb nur der reine Instinkt. Ruckartig befreite ich mich aus dem eisernen Griff meines Vaters.
„Lauf", riefen mir meine Instinkte zu. Und genau das tat ich. Mit den Pumps stolperte ich in Richtung des Ausganges. Vorbei an Leichen, zu Tode getrampelten, geschändeten Körpern, schlitterte ich durch Blutlachen, wich Angreifern aus. Fast hatte ich den rettenden Ausgang erreicht. So gut es mit hochhackigen Schuhen eben ging, spurtete ich durch das Foyer des Hotels und stieß die Glastür auf, die mich noch von der Außenwelt trennte. Wie ein Ertrinkender schnappte ich nach Luft, als die laue Nachtluft in meine schmerzende Lunge strömte. Doch zum Anhalten war keine Zeit, denn hier draußen war es noch schlimmer als drinnen. Die Gehwege waren blutgetränkt und überall stolperten diese Bestien umher, die gierig ihre schlaffen Arme nach mir ausstreckten. Wohin jetzt?
„Wald", schoss es mir durch den Kopf und ich rannte los. Über die Wiese, wo ich bei jeder einzelnen Unebenheit stolperte, auf den Waldrand zu. Meine Lunge brannte, meine Beine schmerzten.
„Weiter, Weiter!", feuerte mich mein Unterbewusstsein an.
Ich passierte die ersten Bäume und kämpfte mich durch das Unterholz. Äste und Brombeerranken zerkratzten mir die Beine. Doch ich rannte immer weiter, bis ich irgendwann erschöpft zusammensackte und mich nur noch unter einen Busch schleppen konnte. Keine Ahnung, wie weit ich gelaufen war. 100m oder doch 2km? Angefühlt hatte es sich wie ein Höllenritt. Doch selbst mein rasender Herzschlag konnte nicht verhindern, dass mir langsam die Augen zufielen.
„Sollen sie mich kriegen", war mein letzter Gedanke, bevor ich einschlief.

So, das war das erste Kapitel meiner neuen Story. Ich hoffe es hat euch gefallen und... ja, bis bald!

Eure Beraal

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