Chapter 1- Von neuen Nachbarn
Mein Leben ist anders. Es ist anstrengend und unglaublich ermüdend.
Mein Leben macht mich kaputt, es zerreißt mich von innen, was nur halb so schlimm ist.
Viel schlimmer ist, dass es auch meine Geschwister kaputt macht.
Ich habe drei Geschwister.
Meine fünfjährige Schwester Angel und die dreizehnjährigen Zwillinge Sophie und Leon, die alles dafür tun, um von unserer kranken Familie Aufmerksamkeit zu bekommen.
Mein reicher Vater überweist uns - eigentlich mir - regelmäßig Geld für das Haus, Essen und Freizeitaktivitäten. Es ist mehr, wie genug, aber wir gehen ihm trotzdem an seinen vier Buchstaben vorbei.
Meine Mutter ist eine Schlampe.
Sie schläft - um es nett auszudrücken - mit jedem männlichen Geschöpf und ist so gut wie nie da.
Immer ist sie bei irgendeinem neuen Typen. Aber das ist wahrscheinlich auch besser so... Als ich noch zu jung war, um mich zu wehren, hat sie jede Woche einen neuen Freund mit nach Hause gebracht.
Als ich elf wurde, konnte ich mich durchsetzen.
Der Rest meiner Familie, zumindest den Teil, den ich kenne, ist ziemlich konservativ.
Sie halten nichts von uns und lassen uns demnach in Ruhe. Meistens.
Manchmal lassen sich diese reichen konservativen Snops auch dazu ab, uns besuchen zu kommen. Leider.
"Sky! Sky guck mal!", rief meine jüngste Schwester Angel aufgeregt.
Sie stand an Fenster und guckte schon seit geraumer Zeit einfach nur raus und schlürfte ihren Saft.
In ihrem Kindergarten wurden über Nacht Scheiben eingeschlagen, weshalb ich sie hier ließ.
Meine anderen beiden Geschwister, die Zwillinge, waren heute mit Freunden im Schwimmbad.
"Was ist denn da?", fragte ich gähnend, machte aber keine Anstalten meinen Hintern von der Wohnzimmercouch zu heben.
"Da ist so ein großer, weißer LKW und da laufen die ganze Zeit so Männer mit ganz vielen Mukkis rum. Und die tragen die ganze Zeit Kartons in das Haus!", erzählte die Blondine begeistert.
Ich verdrehte unmotiviert die Augen und starrte weiterhin auf den Fernseher:"Der LKW ist ein Umzugswagen und die Männer tragen die Sachen unserer neuen Nachbarn rein."
"Neue Nachbarn? Wie cool!", meinte die fünfjährige begeistert.
Ja, solange es nicht wieder irgendwelche gemeinen Rentner waren, wie die davor...
Das Haus neben uns ist vor einem halben Jahr frei geworden, als die fiese Rentnerin, Mrs Cupatelli, Tod aufgefunden wurde.
Sie hatte etwa acht Katzen, eine schreckliche Geschmacksverrirung und wir konnten uns auf den Tod nicht ausstehen.
Ihrerseits lag das vermutlich an meinen Haaren, die ich mir immer wieder bunt färbte, dem Piercing in meinem Gesicht und den wenigen Tattoos an meinem Körper.
Meinerseits lag es einfach daran, dass sie so viele Vorurteile besaß.
Ich konnte Leute mit Vorurteilen noch nie ausstehen.
Die meisten unserer Nachbarn sind aber eher nett.
Wie zum Beispiel Mrs Warrington, eine ältere Witwe, die alleine in dem Haus zu unserer anderen Seite wohnte.
Die Frau war furchtbar lieb, backte die besten Kekse der Welt und hatte den schönsten Garten, den ich je gesehen habe.
Jeden Sonntag geht sie in die Kirche. Schon öfters hat sie versucht mich mit zu nehmen, aber ich bin Atheist. Ich glaube nicht an Gott.
Das habe ich noch nie so richtig.
Als kleines Kind fand ich die Vorstellung einfach schön, aber dann sind mir immer mehr furchtbare Sachen widerfahren und ich fing an Dinge an zuzweifeln und zu hinterfragen.
Seufzend ließ ich vom Fernseher ab, da die Serie zu Ende war und schaute auf die Uhr.
Früher Mittag.
"Hast du Hunger, Angel?", fragte ich meine Schwester, welche noch immer am Fenster stand.
Geistes abwesend nickte sie, was mich dazu brachte, mich von der gemütlichen Couch zu erheben und in die angrenzende Küche zu gehen.
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Just A Dream
General FictionSky ist anders, wie die anderen. Sky hat eine depressive Mutter, einen Vater, der sich um nichts kümmert und drei jüngere Geschwister, die unter ihrer Verantwortung stehen. Sie hat alles soweit unter Kontrolle. Tyler ist anders. Tyler hat eine F...
