Kapitel 4 - Die Begegnung

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„Und was machen wir jetzt?“ – Liam riss mich wieder aus meinen Gedanken.
„Ich weiß nicht. Auf was hättest du denn Lust?“
„Wie wäre es mit ein wenig spazieren gehen, frische Luft schnappen und so?“
„Ja! Das ist eine gute Idee!“
„Gut, dann gehen wir in den Park. Okay?“
„Ist gut.“ Ich freute mich sehr darauf etwas mit ihm zu unternehmen.
„Dann geh schon mal deine Schuhe anziehen – ich räum hier noch ganz kurz auf.“
Ich nickte Liam stumm zu. Völlig in Gedanken versunken, was wir alles im Park machen könnten, ging ich ins Vorzimmer und zog mir meine Turnschuhe an. Dabei fiel mir das Bild, auf dem meine Familie und ich zu sehen waren, wieder auf.
> Wo Leyla wohl gerade ist und was sie macht? Ich hoffe es geht ihr gut und sie hat ein tolles Leben…<
Eine heiße Träne kullerte über meine Wange.
> Nein! Nicht weinen! Nicht jetzt. Nicht hier. Ich darf nicht weinen! Was wenn Liam das sieht? Er macht sich dann nur wieder unnötig Sorgen…<
Hastig wischte ich die Träne weg und betrachtete mich im Spiegel. Das neon-grüne Top stach einem sofort ins Auge. Meine langen gold-blonden Haare waren vom Föhnen ein wenig lockig – doch das störte mich nicht im Geringsten. Ich schloss meine dunkelbraunen Augen. Da hörte ich Schritte hinter mir.
„Na, träumst du wieder vor dich hin?“
„Nur ein wenig. Ist doch nicht etwa verboten?“
„Nein, überhaupt nicht. Wovon träumst du denn mein Engel?“
„Nicht so wichtig“
„Hmm…“
„Können wir los?“
„Sicher, komm!“
Liam lächelte mich an. Er küsste mich flüchtig auf die Stirn, ehe er den Wohnungsschlüssel einsteckte und gemeinsam mit mir die Wohnung verließ. Draußen angelangt, schaute ich mich um. Die Sonne strahlte und der Himmel war wolkenlos und strahlte blau. Liam nahm mich an der Hand. So schlenderten wir ein paar Straßen entlang, bis wir an einen Eisdiele vorbeikamen. Kurzerhand beschloss Liam zwei Eiswaffeln zu kaufen. Er hielt mir eine Waffel mit Erdbeereis hin, er selbst hatte vermutlich Zitrone oder Vanille.
„Bitteschön. Ein süßes Eis, für einen süßen Engel.“
Ich wusste genau dass ich in diesem Moment wieder rot anlief.
„Danke…“ >…Du alter Charmeur! <
Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen.
„Was gibt’s da zu lachen?“ fragte er mit, gespielten, beleidigten Ton.
„Och… Nichts!“ meinte ich und schaute ihn mit Unschuldsmiene an.
„Tze!“ – er lachte plötzlich. Sein Lachen steckte mich gleich mit an und so lachten wir beide. Vermutlich wussten wir beide nicht wirklich warum. Da hielt er plötzlich inne. Trat ein paar Schritte näher an mich ran. Drückte mich gegen die Hauswand und küsste mich. Als er wieder von meinen Lippen abließ, hauchte ich ihm zu: „ Liam… Nicht hier… Was sollen denn die Leute denken?“
„Sollen die doch denken was sie wollen. So viel ich weiß, ist es nicht verboten seine Freundin auf offener Straße zu küssen.“
Ich fing plötzlich an zu kichern. Er lächelte bloß. Da tippte er mir mit seinem Eis auf die Nase.
„He! Was soll das? Lass das gefälligst!“ lachte ich.
„Okay. Ich mach’s ja schon weg!“ gesagt – getan. Sanfte küsste er den, von ihm selbst verursachten Eisklecks weg.
> Jetzt nur nicht wieder rot werden! < Aber die Hoffnung nicht rot zu werden konnte ich gleich wieder vergessen, denn an Liams Gesichtsausdruck erkannte ich ganz genau dass mir die Röte ins Gesicht geschossen war.
„Hmm… Langsam habe ich die Bedenken dass du eine Erdbeere bist…“
„Wieso?“ fragte ich erstaunt.
„Rot und süß.“
„Lass das Liam!“ lachte ich. Stieß ihn sachte zurück. Nahm ihn an der Hand und wollte ihn zum Gehen bewegen. Doch er blieb demonstrativ stehen. Ich sah ihn fragend an. „Wollte wir nicht in den Park?“
Er grinste mich an. Hielt mich fest.
„Erst Eis essen, dann Park, okay?“
„Geht klar!“ – wir mussten wieder lachen. Setzten uns nebeneinander auf eine niedrige Mauer. Aßen das schon zur Hälfte geschmolzene Eis. Als wir damit fertig waren, gingen wir nicht wie besprochen in den Park, sondern blieben noch ein wenig auf der Mauer sitzen. Nach ein paar Minuten legte ich meinen Kopf auf Liams Schoß und schaute ihn an. Er beobachtete die vorbeifahrenden Autos. Da senkte er seinen Blick plötzlich. Sah mir direkt in die Augen. Strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Murmelte etwas.
„Wie bitte?“ fragte ich nach.
„Ich habe nur laut gedacht.“
„Ach ja? Was denn?“ ich lächelte ihn an.
„Ich habe gedacht was du nicht für ein wunderschönes Mädchen bist und habe mich gefragt womit ich so etwas schönes wie dich verdient habe.“ Bei diesen Worten wandte er seinen Blick nicht von mir ab. Und auch in diesem Moment wusste ich dass mir die Röte ins Gesicht schoss. Er streichelte mir liebevoll übers Haar.
„Mein kleiner, wunderschöner Engel…“ murmelte er vor sich hin.
„Hör auf Liam, du weißt genau dass ich da immer rot werde!“
„Meine kleine, süße, rote Erdebeere…“ lächelte er. Es war mir zwar immer unangenehm wenn er so redete, aber aufsetzten wollte ich mich dann auch nicht.
„Willst du immer noch in den Park?“ fragte Liam plötzlich?
„Klar, solange du dabei bist, können wir auch ans Ende der Welt gehen.“
„Na dann los!“ meinte Liam lächelnd und hob sanft meinen Kopf von seinem Schoß. Ich seufzte kurz auf, denn es war wirklich gemütlich gewesen. Gerade als ich von der Mauer springen wollte, hob mich Liam auch schon runter. Als ich den festen Boden unter meinen Füßen spürte, ließ Liam mich dennoch nicht los. Ich wollte mich auch nicht aus seinen Armen lösen, denn da fühlte ich mich sicher und geborgen. Da löste er sich dann doch von mir. Nahm meine Hand und zog mich mit sich. Ich folgte ihm mehr oder weniger blindlings. Im Park angekommen, suchte Liam ein schönes Plätzchen für uns zwei. Schließlich wurde er fündig und wir ließen uns unter einer alten Eiche ins Gras fallen.

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