Leseprobe: Dana und die Magie des großen Monolithen

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... es war einmal vor unendlich langer Zeit!

»So, dies ist das letzte ... fertig!«

Der alte weißhaarige Eremit schrieb das letzte Wort in einer feingeschwungenen Handschrift. Nachdem die Tinte getrocknet war, klappte er das Buch zu und schob es zu den anderen. Zärtlich betrachtete er das kleine Wesen, das friedlich auf dem Rand des Tintenfasses vor sich hin döste. Er konnte nicht anders, als es mit dem Ende der Feder zu kitzeln.

Erschreckt fuhr es hoch, begann zu lachen und wäre beinahe in das Fass gefallen. Schließlich legte er seine Schreibfeder beiseite. Schweigend betrachtete er, im flackernden Kerzenschein, seine Arbeit. Sein halbes Leben hatte es gebraucht, bis er diesen Punkt erreicht hatte. Zufrieden lehnte er sich zurück.

Vor ihm stapelten sich, außer den Büchern, eine Menge Schriftrollen aus unzähligen Jahrhunderten in wilder Unordnung auf dem Tisch.

Müde blickte der Alte sich in seiner Behausung um, einem viele tausend Jahre alten Baum, der langsam wie er selbst dem Ende entgegenging.

Schließlich drückte er sich schwerfällig mit beiden Händen von der Tischplatte ab. Das kleine, geflügelte Wesen gesellte sich nun zu ihm und schmiegte sich eng an seinen Hals. Sachte strich er ihm über den Kopf.

»Es wird schon!«

Langsam schlurfte er zu einem Riss in der Holzwand des Baumes, der ihm als Fenster diente, und betrachtete den beginnenden Sonnenaufgang, der sich mit einem schmalen leuchtenden Streifen am Horizont ankündigte.

»Es wird heute ein schöner Tag werden!«, flüsterte er dem Wesen zu.

»Nun bleibt uns nur noch eins zu tun. Die Bücher müssen an die Richtigen gehen. Irgendwann, in ferner Zukunft, wenn die Zeit gekommen ist, wird jemand die Bücher finden und das Rätsel, welches in ihnen verborgen ist, lösen!«

Kapitel 1

Bücher, nichts als Bücher

Warm schien die Sonne auf diese unvergleichliche Stadt. Ein lauer Wind strich durch die Straßen. Überall herrschte geschäftiges Treiben. Menschen schlenderten durch die Gassen, eine Stadt zum Träumen. Ein kleines Problem hatte diese Idylle jedoch! Nach einem missglückten Experiment hatten es die Einwohner tatsächlich geschafft, ihre Stadt, den dazugehörigen Kontinent und alles, was darauf kreuchte und fleuchte, irgendwo ins Nirgendwo zu verfrachten. Ohne Aussicht, dieses Fleckchen Erde jemals zu verlassen.

»Von der Zeit vergessen, nicht aber von den Menschen«.

Doch schließlich erreichte eine junge Magierin diesen Kontinent und brachte ein Tor zur Alten Welt mit. Nun war der Weg wieder frei und wer wollte, konnte nunmehr zurückkehren. Doch wer wollte das schon?

Dana, so hieß die junge Magierin, saß am Hafen und träumte vor sich hin. Ihr Blick wanderte über die Anlagen und weiter bis aufs Meer hinaus ... Meer war weit übertrieben. Früher hätte der Terminus gepasst, da es vor dem Debakel weit über den Horizont hinaus gereicht hatte. Aber jetzt ..., nach guten zweitausend Metern begann das Nichts, ein undurchdringliches Nichts. Dieser schmale Wasserstreifen verlief, an der schmalsten Stelle gerade mal hundert Meter breit, rund um den Kontinent.

Sie gönnte sich eine Verschnaufpause, hielt ein Buch in der Hand und wollte hier in der Sonne ausspannen und etwas lesen. Oh ja, gelesen hatte sie in den letzten Wochen wirklich genug. Maschgart hatte ihr die alte Bibliothek im Marmorturm gezeigt. Der Turm, von außen und innen recht überschaubar, hatte aber noch eine Überraschung für sie parat. War das ein Anblick, als der Magier die Tür zur Bibliothek aufstieß: Reihen über Reihen nichts als Regale, dichtgepackt mit Büchern und Dokumente, die man bis zur Decke gestapelt hatte. Das alles war für Dana bestimmt nichts Neues, jedoch war dieser Raum mehrere hundert Meter lang und genauso breit. Sprachlos stand sie damals neben Maschgart. Er meinte nur trocken: »Wie du siehst, Größe ist relativ. Viel Spaß«

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