Die Löwin

51 3 1
                                        



2 Jahre zuvor

Der Wald war eins mit den sanften tönen der Natur, ein aus summenden Grillen und Zwitschernden Vögeln gemachter himmlischer Chor. Es war die Zeit in welcher Mütter, egal welche Spezies, ihren Nachkommen das gehen, rennen und fliegen bei brachten.

Kleine Vögel, welche mit Anstrengung ihre Flügel zum flattern brachten. Kleine Kaninchen, welche mit aller kraft versuchten hoppelnd ihre Geschwister einzuholen, selbst die Jungluchse waren dabei ihre Jagdkünste zu trainieren.

Eine leichte Brise war das einzige in der Luft und nicht mal eine einzige Wolke war im Himmel zusehen; ein perfekter Frühlingstag für all den Nachwuchs endlich aus deren Nestern rauszukommen und das wirkliche Leben kennen zulernen.

Jedoch störte etwas im Wald, etwas, was nicht reingehörte. Ganz oben auf einem starken Ast saß der junge Eindringling, ein wunderschönes Mädchen, auf dem Kopf ein dicker Bündel voll von sanften schwarzen Haaren, welche ihr rundes Gesicht umrahmten und ihren Goldenen Augen ein schimmer versetzten.

Ihre Augen strahlten güte aus, güte, welche perfekt zu ihren rötlichen Wangen und fülligen Lippen, welche zu einem grinsen gezogen waren, passten. Es war güte welche vom herzen kam, güte welche ihr nicht gelehrt sondern vererbt wurde.

"Komm schon," ihre Augen waren fest auf die Vogel Familie gerichtet, in welcher den kleinen gerade das fliegen beigebracht wurde. Sie lehnte sich enger gegen den Baumstamm, ohne es zu wagen zu blinzeln, mit der Angst den magischen Moment zu verpassen. "Vertraut euren Flügeln, lasst los."

Sie hielt ihren Atem an, in ihrer Brust ihr rasendes Herz. Als eines der Küken endlich vortrat und mit schnellem geflatter das Nest verließ, hätte sie fast vor Freude aufgeschrien. Ihre Hand lag pressend auf ihren Lippen, angst davor dass doch ein ton aus ihrer Kehle entwischte und sie somit die Vögel erschrecken würde.

Ihre Augen waren weit geöffnet als die anderen ihren Bruder nach taten und schon bald die ganze kleine Vogelfamilie singend in der Luft flog.

„Aneesa!" Das Lächeln verflog aus ihrem Gesicht. Eine ausdruckslose Maske ersetzte es.

Das flinke junge Mädchen klettert mit Leichtigkeit runter, um ihrem Vater ins strenge und wütende Gesicht zu schauen.

„Um Himmelswillen, Kind," Die zierlichen Hände des Mädchens klopfen hastig den Dreck ab, „Wann lernst du endlich zu gehorchen?"

„Wann lernst du endlich aufzuhören mich wie ein Kind zu behandeln?"
„Sobald du aufhörst dich wie eines zu benehmen."

Zornig runzelt Aneesa die Stirn, ihr Vater wusste wie sie dieses Thema reizte, und trotzdem hörte er nie auf es immer und immer wieder zu erwähnen.

„Nun komm, der Händler wird nicht ewig warten."
„Sollte er aber, viel zu wenig will er uns für die Kleidung geben."

Anwar schnalzt mit der Zunge, als er das Gift, welches aus der Zunge seiner Tochter kommt, bemerkt. „Gier ist tödlich, wir werden uns mit allem zufrieden geben was wir bekommen können."

„Du bist zu naiv Vater, ganze zehn Teppiche haben wir handgefertigt, drei Wochen haben wir uns nachts die Hände taub genäht, für so wenig Geld?"

Anwar's sanfte Hand legt sich auf das Gesicht seiner Tochter, als würde er in das Gesicht seiner verstorbenen Frau schauen, lächelt er, bevor er den Dreck von ihrer Wange wischt. „Und trotzdem haben wir ein Dach, warmes essen und reines Wasser zuhause, nicht?"

„Es war die Arbeit nicht wert."
„Jedes Lächeln ist die Arbeit wert."

Aneesa schaut mit genervten Blick zu ihrem Vater, welcher sich jedoch umdreht und zufrieden aus dem Wald hinausläuft.

You've reached the end of published parts.

⏰ Last updated: Feb 15, 2018 ⏰

Add this story to your Library to get notified about new parts!

EULOGYWhere stories live. Discover now