#1000WörterChallenge [Os]

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«Wir rannten Hand in Hand durch den strömenden Regen. Die Blicke der Leute interessierten uns nicht. Hauptsache weg von hier. Weg von diesem Ort voller schlimmer Erinnerungen und voller Trauer. Ich ignorierte das Stechen meiner Lunge und mein schmerzendes Bein. Hauptsache ich hatte ihn an meiner Hand und kam weg von hier. Wir rannten lange, doch irgendwann mussten wir erkennen, das unsere Körper auch ihre Grenzen hatten. Ich ließ mich neben meinem Freund auf den Boden sinken. Ich spürte, wie die kleinen nassen Steine in mein Fleisch bohrten und dort wahrscheinlich rötliche Abdrücke hinterließen. Mino sah mich an. Er hatte müde gerötete Augen und weinte. Jedoch waren seine Tränen unsichtbar, da sie mit dem Regen verschmolzen. Die meisten Fremden würden seinen Blick als emotionslos deuten, doch ich kannte ihn lange genug, um zu sehen wie tief traurig er doch eigentlich war. Auch ich weinte. Innerlich. Ich war äußerlich so abgehärtet, ich empfand nicht viel. Aber tief in mir drinnen war ich ein sehr emotionaler Mensch.
Wir schwiegen die Zeit tot. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der jedoch wahrscheinlich nur wenige Minuten verstrichen erhob ich mich und zog meinen Freund hoch. Wir standen eng aneinander, so, dass wir uns noch ohne Anstrengung in die Augen blicken konnten. Ich wusste Mino war verzweifelt und tausende Fragen schwirrten in seinem Kopf. Bei mir war es nicht anders. Man sagt die Augen sind der Spiegel zur Seele. Jedoch gab es nur zwei Menschen auf dieser Welt, die ich lesen konnte, wie ein offenes Buch. Mino und meine große Schwester. Nun hatte ich sie verloren und das einzige was mir blieb war er.
Wir gingen langsam weiter, die Hände weiterhin verschränkt, bis wir am Café vorbei kamen. Erinnerungen stiegen in mir hoch: Lange Gespräche mit meiner Schwester über tiefgründige Themen, aber nie über das eine. Das Tabuthema. Mino wusste, ich wollte nicht an diesem Ort sein, also gingen wir weiter, bis zu einer Bank, auf der wir uns niederließen. Ich nahm seine Hand und strich mit der anderen über seine Narben am Unterarm. Wie lange hatte es gedauert, bis ich ihn befreit hatte, von dieser blutigen Sucht? So viele Gedankengänge verband ich mit diesen Narben, jedoch keine guten.»

Ich faltete den Zettel und legte ihn unter ihr Lieblingsbuch. "Momo". Eine wundervolle Geschichte. Dieses kleine Mädchen ist wirklich faszinierend. Mein Engel hatte es schon so oft gelesen und dennoch liest sie es immer und immer wieder, als wäre dies ihre einzige Passion. Ich hoffte sie würde diesen Abend weiterlesen und den Zettel finden.

Und tatsächlich. Als ich in der tiefen Nacht mit Mino auf dem Sofa kuschelte hörte ich die nackten Füße meiner Cousine leise auf dem Holzboden tapsen. "Ich kann nicht schlafen", murmelte sie leise und setzte sich neben uns. Wie sooft, wenn sie nicht schlafen konnte, nahmen wir sie zwischen uns und ich strich ihr durchs Haar. Wir reden dann oft noch sehr lange oder spüren einfach nur wortlos die Situation.

"Kai?", meinte sie nach wenigen Sekunden. "Hm?", brummte ich. "Was war das Tabuthema?" Ich änderte meine Position und blickte in ihr hübsches Gesicht. Ich beantwortete ihre Frage kurz: "Liebe." "Aber Liebe ist doch schön?", fragte sie weiter. "Ja. Aber Engel, was ist Liebe für dich?" "Liebe ist wenn zwei Menschen sich ganz doll mögen und sich vertrauen. Und wir, wir lieben uns auch, aber anders" ,sagte sie und kicherte. "Weißt du manchmal, da lieben sich zwei, die ganz normal sind. Aber leider stört das manchandere, weil sie nicht ihren Vorstellungen entsprechen. Kai und ich, wir lieben uns und sind beide Männer. Nun ist es aber so, dass nicht jeder versteht, dass Liebe gleich Liebe ist, egal welches Geschlecht, Nationalität oder Religion die Personen haben. Das ist schade und man kann es ändern, aber manchmal gibt es in den Denkweisen solcher Leute keine Weichen um die Gleisen umzustellen und sie bleiben ewig bei ihrer intolleranten Meinung", erklärte Mino an meiner Stelle.

Ich redete weiter: "So war das damals vor 3 Jahren mit meiner Schwester. Ich konnte mit ihr über alles reden, außer über die Liebe zwischen mir und Mino. Ich konnte es ihr ansehen, dass sie ihre Meinung nie ändern wird und dennoch habe ich ihr erzählt, dass ich einen Mann liebe. Sie hat mich gehasst und wir mussten abhauen, dabei war sie das einzige was ich noch hatte, außer euch zwei natürlich." Ich lächelte und schaute in Minos funkelte Augen. Eine Weile schwiegen wir und jeder ging seinen Gedankengängen nach. Ich beugte mich vor und küsste Mino unerwartet.

Liebe ist so vieles, das konnte ich nicht in Worte fassen. Das muss man selbst erleben um zu wissen wie wunderbar es ist, eine innige und intime Bindung zu haben. Und jeder sollte doch so eine Person haben. Eine Person, die man liebt, der man alles sagen kann und der man bedingungslos vertraut. Jemanden mit dem man Liebe entdecken kann und ins unvorstellbare erweitern kann.

Mino fing wieder an: "Kleines du musst einfach wissen, dass Liebe etwas Unberechenbares ist. Liebe kennt keine Grenzen. Liebe ist Freiheit. Mach was du willst, solange du niemanden verletzt. Keiner hat das Recht, dir diese Freiheit zu nehmen. Und wenn es doch jemand macht, dann musst du darüber stehen. Die Liebe und die, die dich lieben, werden dir beistehen. Kämpfe um dein Glück."

Ich strich dem Kind Haarsträhnen aus dem Gesicht. Gleichzeitig kringelte sich eine von Minos Locken um meinen Zeigefinger. Ich wickelte sie weiter um diesen und spielte gedankenverloren mit seinen wilden Haaren.

Ich wusste, dass wir jetzt schon lange dort lagen und wollte deshalb wieder etwas sagen und die Kleine ins Bett bringen, aber ich hörte nur ein ruhiges Atmen aus ihrer Richtung. Wahrscheinlich schlief sie. Ich seufzte und schloss meine Augen.

"Ich liebe dich", flüsterte ich Mino ins Ohr. Er murmelte "Ich dich auch", bevor ich ihn sanft auf den Kiefer küsste. Ich dachte weiter nach und fragte mich, ob Liebe über den Tod hinaus ginge. Ich kam zu de Schluss, dass ich diese beiden Menschen für immer lieben würde.

"Ich bin froh, dass ich euch habe."

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Mein Beitrag zur #1000WörterChallenge von DasOreoSLaG. Es geht darum, eine Geschichte mit genau 1000 Wörtern zu schreiben. Wird man getaggt, darf man sich nicht drücken.

Danke an PandaElia, dass du mich getaggt hast, hat mich mal wieder dazu motiviert.

Ich glaube die Story ist halbwegs gut gelungen, jedoch übernehme ich keine Haftung für potentielle Logikfehler.

Da ich vier tolle Menschen nominieren muss werd ich das tun, viel Spaß. ^3^

unKn0wnErr0r

Sanya-chan

coufalhannah

VanessaWrite

~Y

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