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1: Offene Türen und besorgte Eltern

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„Katy Black" brüllt mein Vater jetzt schon zum dritten Mal.

„Was ist?" schreie ich genervt zurück.

Ich sitze gerade gemütlich in meinem Zimmer auf dem Bett und lese ein Buch.

Kann ich nicht einfach mal in Ruhe gelassen werden?! Aber nein, schon wird die Türe aufgerissen und mein Vater stürmt in den Raum.

Er baut sich vor meinem Bett auf, „Ich habe dir doch gesagt du sollst runterkommen, wir fahren im fünf Minuten. Wenn du bis da nicht unten bist, dann werde ich mir was für dich überlegen!", sagt er in so einem bemüht ruhigen Ton und geht danach aus dem Zimmer.

Natürlich ohne die Tür zu zumachen, meine Güte ist das so schwer? Demonstrativ schmeiße ich sie extra laut zu.

Das hatte ich ja fast schon vergessen. Aber nur fast.

Meine Eltern haben beschlossen das ich mal aus meinem Zimmer raus muss, und wir das Wochenende gemeinsam als Familie bei Mama's Eltern auf dem Hof verbringen.

Yay! Das war genau das was ich jetzt brauche!

Wir leben ja schon in einem Kaff aber der Hof von Oma und Opa, also bis man da die ersten Nachbarn findet muss man sich erstmal zehn Minuten ins Auto setzen.

Aber ich muss da hin. Nur weil ich seit einiger Zeit keine Lust mehr habe aus meinem Zimmer zu gehen und wenig esse weil ich beschlossen hab das ich mal abnehmen sollte, meinen Sie sofort ich wäre depressiv und würde  Ansätze einer -Zitat: „latenten Anorexie" aufweisen.

Ja ich bin sozial vielleicht nicht vorbildlich integriert und eventuell kann es auch sein, dass mir keine extrovertierte Optimistenpersönlichkeit in die Wiege gelegt wurde und es auf die ein oder andere Streiterei mit meinen Eltern anlege, aber mir gleich zu drohen mich zum Psychater zu schicken wenn sich mein Verhalten nicht ändert finde ich schon reichlich übertrieben!

Ich lebe mit meinen Eltern und meiner vierjährigen Schwester Sophie in einem kleinen Haus, was wiederum in einem kleinen Dorf steht.

Das Dorf nenne ich ja lieber Kaff aber meine Eltern verbieten mir es so zu nennen, es würde ja "so abwertend" klingen.

Auf die Idee das ich es auch so meine sind sie komischerweise bisher noch nicht gekommen.

Wenn es an das Streiten geht ist meine Mum der zustimmende Schatten meines Vaters, während der am liebsten aktiv und nicht immer einen Grund benötigend den Angriff startet.
Meine einzige Chance ist dann meine Schwester.
Sie ist noch viel zu bestechlich (wer mal versucht hat seine, falls vorhandenen, kleinen Geschwister bei irgendwas auf seine Seite zu bringen wird wahrscheinlich auch schon bemerkt haben das sie sich mit den bescheuersten Sachen bestechen lassen).

Meistens endet ein Streit dann so das ich rein von den Argumenten eigentlich hätte Recht bekommen müssen aber wenn meine Eltern das bemerken ist die ganze Geschichte mit einer einfachen „Vergiss nicht wer hier am längeren Hebel sitzt junges Fräulein, hier bin ich immernoch der Chef" Rede schnell beendet und ich renne wütend in mein Zimmer.

Jedenfalls.

Soviel zu mir.

Ich werde jetzt also - ob ich will oder nicht - von Heute bis Sonntag auf diesem bescheuerten Hof sitzen und Mum und Dad zeigen das ich völlig ok bin und keinen Psychater nötig habe.

Zumindest besuche ich Oma und Opa wieder, dann können mir die nicht irgendwelche Vorwürfe machen, so nach dem Motto „nie bist du da, hast du uns vergessen? Die Jugend heutzutage hat ja wichtigeres zu tun als nach den Älteren zu schauen,..." Und nacher hast du einerseits ein schlechtes Gewissen, denkst dir aber auf der anderen Seite wenn sie dich auf die Art und Weise anmotzen, dann brauchen sie sich ja nicht wundern wenn man keine Lust hat sie besuchen zu kommen.

Also: Projekt „Ich bin doch völlig ok" kann beginnen. Wünscht mir Glück.

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⏰ Last updated: Jul 06, 2018 ⏰

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