1. Kapitel

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2005:
Ich war damals fast 15 Jahre alt. Ich war neu nach Stuttgart gezogen und kam somit auf eine neue Schule. Ich kannte niemanden. Mein erster Schultag war eigentlich ganz in Ordnung, doch erstmal hatte ich Schwierigkeiten das Sekretariat zu finden. Nachdem ich es gefunden hatte, zeigte mir die Sekretärin meine Klasse. Wir gingen in den 2ten Stock und bis fast ganz an das Ende des Flures. Dann war die Sekretärin auf einmal verstunden und ich stand alleine vor der Tür. Links neben der Tür hang ein Schild, was ich mir genauer anschaute. '9в-нerr aalweвer' stand dort in geschwungender Schrift. '9b also', dachte ich mir und klopfte an der Tür. Der Lärm, der vorher in der Klasse herrschte, verstummte. Eine Frauenstimme rief mich Herein. Ich drückte die Türklinke herunter, öffnete die Tür und betrat meine neue Klasse.
Das erste was ich sah war ein Haufen Schüler, der mich anstarrte, als wäre ich von einem anderen Planten. Als erstes fiel mir ein Mädchen in die Augen. Sie war hübsch, hatte fast genauso helles, blondes Haar wie ich und hatte ein schönes Lächeln. Ihrgendwie war sie mir sehr sympatisch. Ich lächelte sie an und schaute zu der Lehererin, die hinter dem Pult stand.
"Hallo, wer bist du den??", fragte sie mich spöttisch und sah an mir herunter. Sie war mir sofort unsympatisch.
"Ähm ja, also...Ich bin Liv. Ich bin neu in der Stadt und heute ist mein erster Tag auf dieser Schule", sagte ich. "Dein erster Tag also. Alles klar. Ich bin Frau Bienjek, deine zukünftige Französischlehrerin. Dort hinten wäre noch ein Platz neben Sienna frei", sagte sie zu mir und zeigte auf den Platz, neben dem Mädchen, was mir vorhin aufgefallen war. Sie war dann wahrscheinlich Sienna. In der Pause zeigte mir Sienna ein bisschen die Schule, bis es zum Pausenende klingelte. Als wir durch die Aula gingen, sahen wir ein Haufen Mädchen vor dem schwarzen Brett stehn. Leider war die Zeit zwischen Pausenende und Stundenbeginn zu kurz, um einmal zu schauen, was da so spannendes ist, also verschoben wir die Untersuchung auf die nächste Pause.
In den nächsten beiden Stunden hatte ich Mathe mit unserem Klassenlehrer Herr Aalweber, der mich auch nicht zu mögen schien. Am Anfang der Stunde gab er mir zwar netterweise alle Bücher und Hefte, die ich über das Schuljahr brauchte, aber ich war trotzdem sein Opfer für diese Stunde. Er nahm mich ununterbrochen dran, ob ich mich meldete oder nicht. Ich hätte mich zum Affen gemacht, wenn ich Wurzel-Rechnung nicht schon auf meiner alten Schule durchgenommen hatte.
Nach Unterrichtsschluss gingen Sienna und ich zum schwarzen Brett, um endlich zu erfahren, was da abgeht. Schließlich kam ich endlich dazu, den roten Zettel auf dem schwarzen Brett zu lesen. Mit großen, fettgedruckten Buchstaben stand dort:

BACKROUNDSÄNGERINNEN GESUCHT!
Du kannst singen und hast Lust Backroundsängerin unserer Schulband zu werden?
Komm zum Casting!
Wann?: Morgen nach der Schule
Wo?: Musikaula 1 Stock, Raum 304
Es wird zwischen 2-3 Schülerinnen gewählt

"Sienna! Da müssen wir mitmachen!", rief ich. Ich hatte so richtig Lust bei der Schulband mitzumachen. "Wir??", fragte sie mich entgeistert, "Nie im Leben würde ich freiwillig vor allen Leuten singen und mich blamieren", entgegnete Sienna.
"Ach komm schon. Gib dir einen Ruck. Es ist ja nur das Casting. Niemand weiß, ob sie dich wirklich nehmen. Hab einfach Spaß an der Sache!", versuchte ich sie zu überreden."Ich weiß nicht so richtig...Mhhm, es schadet ja nicht, es zu versuchen...Na gut, ich mach mit. Aber nur wegen dir!", sagte sie zu mir. Ich fiel ihr spontan um den Hals. Danach lief ich schnell zum Bus Bahnhof, um meinen Bus nach Hause noch zu bekommen. Ich bekam ihn grad noch in letzter Sekunde und setzte mich völlig außer Atem auf einen Sitz, steckte meine Kopfhörer in meine Ohren und hörte Musik, bis ich irgendwann an meiner Bushaltestelle ausstieg und nach Hause ging.
Zuhause angekommen schmiss ich meine Schultasche in die Ecke, holte mir eine Flasche Eistee und legte mich auf mein Bett. Meine Eltern waren, wie immer, auf der Arbeit. Sie würden frühstens um 19 Uhr wiederkommen. Also machte ich mir einen schönen Tag, zog mir YouTube Videos rein, fraß mich mit meiner LieblingsSchokolade voll und machte schließlich meine Hausaufgaben. Abends schob ich mir eine Pizza rein und schaute ein bisschen Tv. Ein ganz normaler Tag halt.
Als meine Eltern dann endlich irgendwann mal nach Hause kamen, wollten sie natürlich alles über meinen ersten Schultag wissen. Ich erzählte ihnen, dass die Lehrer mich unfair behandelten, ich eine neue Freundin, Sienna, gefunden hatte und das ich wahrscheinlich morgen zu einem Casting gehe. Meine Eltern freuten sich für mich, dass ich so schnell 'Spaß' an meiner neuen Heimat habe. Nur ihretwegen sind wir umgezogen. Nur ihretwegen musste ich meine alten Freundinnen verlassen und ein neues Leben in Stuttgart beginnen. Nur, weil sie hier ein neuen Job gefunden hatten. Aber irgendwie war ich auch froh, sonst hätte ich diese Leute hier nie kennengelernt.

Black OutGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt