"Liebling, wir müssen los." Matt's Stimme riss mich aus den Traum eines weißen Kleides mit langer Schleppe und einem prachtvollen Schleier über meinen Kopf. Samtweicher Stoff, welcher leicht auf meiner Haut reiben würde und viel zu hohe Schuhe, welche ich nach der Hälfte der Zeremonie sowieso wechseln müsste. Ich stellte mir alles schon bildlich in Gedanken vor und ein leichtes Lächeln zierte meine Lippen. Vorsichtig hob ich meine Hand um den Klunker noch einmal genauer zu betrachten. Zartes Weiß-Gold mit einem prunkvollen Diamanten in der Mitte. "Penélope!" schrie mein Verlobter erneut nach mir und endlich setzten sich meine Füße in Bewegung. Schnellen Schrittes ging ich die Treppen nach unten, zog beim laufen meinen Cardigan über und schlüpfte auch gleich in meine Boots, als ich an der Tür ankam. "Was tust du denn solange?" "Nichts." grinste ich und strich zum wiederholten Male durch meine Haare. "Jetzt komm schon, wir sind schon spät genug dran." Er richtete sein Jacket und zog dann einen Flachmann aus der Innentasche. "Das ist jetzt nicht dein Ernst oder?" sprachlos sah ich ihn an. "Natürlich ist das mein Ernst. Und jetzt geh." Grob schob er mich aus der Tür, zog sie hinter sich zu und nahm dabei einen Schluck Alkohol. "Warum tust du das? Betrunken Autofahren meine ich?" sagte ich, als wir zum Auto liefen, doch er lachte nur und schüttelte den Kopf. "Was?" wollte ich von ihm wissen und stemmte meine Hände in die Hüften, als wir vor seinem schwarzen Mercedes standen. "Weil ich es kann, Schätzchen." Spöttisch spuckte er die Worte nur so aus. Ich schüttelte den Kopf und schloss für einen kurzen Moment die Augen. "Matt, ich fahre." Fordernd streckte ich meine Hand aus. "Du willst fahren?" Herausfordernd sah er mir in die Augen, welche leicht getötet waren und dunkle Augenringe Schatten auf seine Haut warfen. "Gib mir bitte die Schlüssel. Ich fahre mit niemanden der schon betrunken ist." Vorsichtig ging ich einen Schritt auf ihn zu und versuchte nach seiner Hand zu greifen in der er den Autoschlüssel hielt. "Jetzt mach dich nicht lächerlich und steig ein." "Matt." Bittend sah ich in seine blau-grauen Augen und versuchte es erneut. "Penélope, steig ein!" Befahl er mit einer rauen und gereizten Stimme, ging zur Beifahrertür und öffnete sie für mich. "Bitte, gib mir..." "Steig ein!" schrie er und zog mich am Handgelenk zum Auto. "Au! Du tust mir weh." hauchte ich und hoffte, seinen Griff etwas lockern zu können. Doch er schubste mich ins Auto und schmiss das Metall mit einem lauten Knall hinter mir zu, nachdem ich meine Beine schnell einzog. Manche werden sich fragen, ob ich wirklich gerade mit dem Mann in ein Auto steige, den ich gerade noch meinen Verlobten nannte, doch welcher schon im nächsten Moment wie ein strenger und aggressiver Vater wirkt. Ob ich wirklich in ein Auto steige, welches von einem Mann gesteuert wird, der vor 5 Minuten noch hochprozentigen Alkohol getrunken hat. Aber dennoch. Matt ist mein Herz und meine Seele. Ich Liebe ihn, wie ich noch keinen geliebt habe und er ist mein Verlobter. Und bald auch mein Ehemann.
Matt stieg auf der anderen Seite des Wagens ein und startete den Motor. "Würdest du dich bitte anschnallen?" Wagte ich leise zu fragen. "Sei still." Er legte den Rückwärtsgang ein und fuhr auf die Straße. Das Radio spielte leise Klänge von Bach, welche Matt liebte. Die Landschaft zog schnell an uns vorbei, während ich aus dem Fenster sah. Ein weißer Schimmer hatte sich auf den östlichen Teil Englands gelegt und zog ihren Schleier auf die Bäume und Felder fort. Meine Finger waren ineinander verflochten und eine leichte Gänsehaut machte sich auf meiner Haut breit. "Verdammtes Wetter!" meckerte Matt neben mir, der konzentriert auf die Straße sah. "Könntest du es etwas wärmer machen, bitte?" Meine Stimme war über den Motor kaum zuhören und da er mir keine Antwort gab, dachte ich, er habe es gar nicht gehört. Gerade als ich erneut zu sprechen ansetzen wollte, nahm er meine Hand in seine und legte sie auf seinem Oberschenkel ab. Verwirrt betrachtete ich sein Profil. "Matt?' 'Hm?' Er summte die sachte Melodie des Liedes mit und hielt in seiner rechten Hand das Lenkrad fest. " Kannst du mit dem trinken aufhören?" Die Frage war kaum mehr als ein Flüstern und meine Hand zitterte leicht in seiner. Dennoch beobachtete ich mutig sein Gesicht. Das aschblonde Haar, welches leicht über seine Ohren viel, weiche Bartstoppeln die sein Gesicht umrandeten und lange schwarze Wimpern, die seine Augen größer und liebevoller erschienen ließen. Seine plumpen rosa Lippen verzogen sich zu einem schiefen Grinsen und er nahm seinen Blick kurz von der Straße. "Nein." Und damit ließ er meine Hand los und zog erneut den Flachmann aus seiner Tasche. Der Geruch von Whiskey lag in der Luft und angewidert rümpfte ich die Nase. Ausgelaugt von unserer Diskussion lehnte ich meinen Kopf an das weiche Leder und sah nach vorn. Der Schnee nahm immer weiter zu und unsere Sicht verschlechterte sich, doch statt langsamer zu fahren, stieg Matt auf das Gas und beschleunigte seinen Mercedes noch etwas. "Bitte fahr langsamer." bat ich ihn, hielt mich am Sitz fest und sah krampfhaft nach vorn. Ich konnte kaum noch etwas erkennen, große Schneeflocken landeten immer wieder auf der Frontscheibe. "Penélope, halt doch bitte nur einmal deine Klappe!" fuhr mich Matt an, dem die Wetterverhältnisse nichts mehr auszumachen schienen. "Matt!" Mit einem Satz gerieten wir ins schleudern, das Auto drehte sich mehrmals um seine eigene Achse. Meine Augen waren vor Angst weit aufgerissen und meine Hände ins Leder gekrallt. Matt versuchte ruckartig zu bremsen, doch die Straßen und sein fehlerhaftes Verhalten ließen uns noch mehr drehen. Sein Mercedes überschlug sich. Matt, der sich nach wie vor nicht angeschnallt hatte, erhob sich aus seinem Sitz und knallte mit seinem Schädel an das Dach, des sich überschlagenden schwarzen Wagens, bis auch bei mir, aufgrund des harten Aufpralls, alles dumpf wurde. Seine kehligen Schmerzrufe waren das Letzte was ich mit bekam.
Stille. Beunruhigende Stille machte sich im Inneren des Wagens breit, während ich versuchte die letzten Sekunden zu verarbeiten. Ein stechender Schmerz ließ mich aus meiner Trance erwachen. Etwas warmes berührte meine Haut, als meine Hand meinen Kopf abtastete. Rote, klebrige Flüssigkeit auf meinen Finger ließen mich erneut in einen Schockzustand fallen. Unbeschreibliche Angst fuhr durch meinen Körper und ließ meinen Blick zu Matt gleiten. Dieser schien bewusstlos zu sein, ein Arm lag auf meinem Bein, während auch an seinen Schläfen Blut entlang lief. "Matt!" Ich rüttelte an seiner Schulter und streichelt seine Wange, doch er zeigte keinerlei Reaktion. Vorsichtig sah ich mich mit tränenverschleierten Augen um, versuchte mich zu konzentrieren, um irgendetwas zu erkennen, doch der Schnee bedeckte das komplette Auto. Ein lautes Geräusch ließ mich aus dem Fenster sehen. Ich riss meine Augen vor Schock auf und versuchte direkt die Beifahrertür zu öffnen, doch ohne jeglichen Erfolg. Ich hörte das Blut in meinen Ohren rauschen und das Adrenalin pumpte sich durch meine Adern. Meine zitternden Hände versuchten den Sicherheitsgurt zu lösen, doch ich schien wie eingeklemmt. Meine Arme waren zu kurz, um an die andere Seite zu gelangen und Matt hatte nach wie vor seine Augen geschlossen. Mit einem lauten Hupen raste der LKW immer weiter und weiter ungebremst auf uns zu. Auch seine Versuche, sein Fahrzeug anzuhalten erschienen zwecklos, da sich auf der Straße mittlerweile sicherlich eine dicke Schneeschicht gebildet hatte. Der Fahrer konnte es nicht unter Kontrolle bekommen und somit prallte seine 'Schnauze' direkt in unser Auto. Genau auf meiner Seite. Ein lauter Knall...Scherben die sich in meine Haut bohrten... und ein unendlich starker Schmerz in meinen Beinen, der mich zum Schreien brachte. Und dann ein Nichts. Ein nichts aus endlosen Tränen und von Schmerz erfülltem Wimmern.
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Fate
Romance"Mom, ich brauche keine Hilfe. Ich brauche niemanden! Das einzige was ich möchte ist meine Ruhe!" "Penélope, Kind. Beruhige dich. Wir wollen nur dein Bestes, versteh doch." "Ich sagte Nein!" Tränen der Wut liefen über ihre Wangen. Und schon flog de...
