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Ist sie nicht wunderschön?

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"Guck mal, ich hab frisches Wasser für euch und sogar ein paar Sonnenblumenkerne. Die schmecken euch doch so gut" hörte ich Marcel aus dem Wohnzimmer sprechen,als ich gerade durch die Haustür herein kam.

Ich hängte meine Jacke auf, setzte meine Tasche ab und zog meine Schuhe aus.
"Ohh Hallo Isabel. Du bist heut aber früh aus der Schule zurück" sagte er während er das schmutzige Zeitungspapier aus dem Vogelkäfig aus dem Wohnzimmer trug.
"Ja, die letzte Stunde ist entfallen. Frau Mivcke hat sich nicht gut gefühlt oder so"
grinste ich.
Ich lief ins Wohnzimmer und ließ mich auf die Couch fallen und beobachtete die 2 Tauben und die Wellensittiche die freudig an den Sonnenblumenkernen knabberten.

Marcel's Begeisterung für Vögel hab ich noch nie so wirklich verstanden. Schon als er mit seiner Mutter in der Wohnung neben uns eingezogen ist (auch wenn er mit 30 Jahren eigentlich eine eigene Wohnung haben sollte) , kam er mit einem riesigen Käfig und einem Umzugskarton nur mit Zubehör für die Vögel an und redet quasi immer nur von Vögeln.

Ich ließ meinen Blick durch das Wohnzimmer schweifen und hörte wie Marcel irgendetwas im Flur kramte und vor sich hin nuschelte. Er stieß die Tür mit seinem Ellenbogen auf und trug 9 oder 10 total zerfledderte, alte Bücher auf den Armen und schmiß sie gerade zu auf den Wohnzimmertisch.
"Die hab ich auf dem Flohmarkt gekauft"
ich musterte skeptisch die Vogelbücher die schon fast auseinander fielen sobald man sie nur anguckte.
"Hier guck dir das an Isabel. So wunderschöne Tiere" Er blätterte hektisch von Seite zu Seite und strahlte vor Begeisterung.
Mit zittrigem Finger fuhr er über die Konturen des Bildes eines Vogels. Das Bild war kaum zu erkennen, die Seite total vergilbt und eingerissen. Sein Blick war starr,er blinzelte nicht, lächelte nur leicht vor sich hin.
"Marcel?" Ich berührte vorsichtig seine Schulter und guckte ihn etwas besorgt an. Ohne seinen Blick von dem Vogel zu wenden, begann er leise zu flüstern:" Das ist alles wovon ich je geträumt hab, das ist alles was ich haben will. Schau dir doch sein Gefieder an, so glänzend und schön" er führ mit seinem Finger von dem Kopf bis zur Flügelspitze und drehte langsam seinen Kopf zu mir,der Blick immer noch auf auf dem Vogel. Ich sah wie ihm Tränen in die Augen stiegen und aus der Freude eine Art Trauer wurde die ich bei ihm nie zuvor gesehen habe.
"Marcel! Was hast du? Ist.. ist irgendwas?" Sagte ich etwas verwirrt.
Doch er antwortete nur leise und zaghaft,fast unverständlich:" Ich glaube ich will grad lieber alleine sein, Isabell"

Ich stand auf und lief mit lansamen Schritten zur Tür. Marcel warf mir keinen Blick zu und selbst als ich mich verabschiedete kam keine Antwort. Ich sah nur wie ihm eine einzelne Träne über die Wange lief.

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