20 Uhr

3K 63 0
                                    

„Simon, ich will da wirklich nicht hin."

„Doch, willst du. Du weißt es nur noch nicht, dass du da hin willst."

Genervt seufzte ich auf. Ging neben ihm auf dem breiten Weg zu dem von außen sehr nobel aussehenden Haus. In der typischen Bonzengegend, die ich erwartet hatte. Die Sonne ging gerade unter. Färbte den Kiesweg vor uns in zarte Rot- und Orangetöne. Eine Farbkombination, die überhaupt nicht zu dem passte, was in dem Haus vor sich ging.

„Nein, will ich wirklich nicht. Und ich weiß auch, dass ich später wissen werde, nicht dorthin gewollt zu haben."

„Hey, immer langsam. Das war mir eindeutig zu hoch. Du brauchst mit deinem tollen Deutsch gar nicht so anzugeben brauchen." Simon lachte nur. Drückte die Haustür einfach auf.

„Willst du nicht wenigstens klingeln oder so?" Zögernd blieb ich vor der Türschwelle stehen. Aber zum Teil auch trotzig. Weil ich nicht einfach so klein beigeben wollte. Von innen drang mir laute Musik entgegen. Der Boden des Hauses vibrierte nahezu.

Der Flur war leer. Dennoch hörte ich von irgendwoher die Stimmen von einigen vielen Menschen.

„Glaubst du, das hätte jemand gehört?"

Ich seufzte. „Nein, wahrscheinlich nicht."

„Genau. Und jetzt komm rein. Hier beißt dich bestimmt niemand."

„Haha, bist du lustig." Mit mürrisch vor der Brust verschränkten Armen folgte ich ihm. Immer der Musik entgegen.

Und schon jetzt wusste ich: Das war ganz genau das, was ich nicht wollte. Wo ich nicht hingehörte.

„Werd locker, das ist sozusagen deine Geburtstagsparty."

„Brauch ich aber nicht."

„Jetzt hast du sie. Und du solltest dich echt freuen, dass du hier bist. Weißt du, wie viele Mädchen jetzt gerne an deiner Stelle wären?" Simon blieb vor mir stehen. Schaute mir fast vorwurfsvoll in die Augen. Ebenfalls die Arme vor der Brust verschränkt.

„Ja und? Was interessiert mich das?" Ich blieb weiterhin stur. Meine einzige Möglichkeit, ihm klarzumachen, dass ich es nicht gut fand, dass er mich hierher geschleppt hatte. Wobei ‚nicht gut fand' noch deutlich untertrieben war.

Mein Bruder seufzte nur. Öffnete die Tür zum Partygeschehen aber noch nicht. Der Beat hämmerte durch die Tür zu uns durch. Das Gekreische einiger Mädels ließ mich mit den Augen rollen. Nach diesem Abend würde ich wohl taub sein. Adios, mein liebes Gehör. Es war nett, dich kennen gelernt zu haben.

„Es interessiert dich vielleicht, dass da drin lauter heiße Jungs sind? Die darauf warten, jemanden wie dich zu treffen?" Er zwinkerte mir vielsagend zu.

Ich verdrehte nur die Augen. Die Arme noch immer vor der Brust verschränkt. Der Spruch kam immer wieder. Dabei wussten wir beide, dass seine Kumpels, mit denen er immer feierte und auch sonst abhing, überhaupt nicht mein Typ waren.

„Ach komm schon, die sehen echt nicht schlecht aus. Das geb sogar ich als Mann zu."

„Dann stehst du eindeutig auf Fußballer." Jetzt musste ich doch grinsen. „Aber was will ich mit so einem, der nicht einmal halb so heiß ist wie Sebastian Kienle? Und dazu noch ein arroganter und selbstverliebter Rotzlöffel ist?"

„Woher willst du denn das beurteilen können? Du kennst die ja nicht einmal."

„Nee, aber ich kenne dich."

Wir beide sahen uns an. Lachten beinahe synchron los. Das war es, was ich an meinem Bruder mochte. Diese Momente, in denen wir uns einfach super verstanden. Obwohl wir so verschieden waren. In nahezu allen Aspekten.

Und Wenn Die Nacht Endet (Erik Durm)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt