Ich bleibe stumm.
"Hallo?"
Was will ich überhaupt von ihm? Warum will ich unbedingt seine Stimme hören? Ich sollte sauer sein. Stattdessen kriege ich kein Wort zu Stande.
"Na super", brummt er und ich warte nur noch auf das altbekannte Tüten.
"Luke warte!" Meine Stimme ist rau und kratzig, als hätte ich seit Tagen nicht mehr gesprochen. "Es tut mir leid. Ich hätte vorhin nicht so ausflippen solchen. Das war falsch von mir."
Pause.
"Wo wohnst du?"
Ich stocke. Ach scheiß drauf. "22nd Avenue, Ecke Willington. Apartment 12a."
Das Tuten löst die Konversation. Scheiße.
-
Seit zehn Minuten renne ich durch die Wohnung und versuche das Nötigste aufzuräumen. Eigentlich achte ich immer darauf, dass nichts zu rummelt, aber heute hab ich das Gefühl seit Monaten nicht mehr aufgeräumt zu haben. Ich meine, das hier ist eine Zwei- Zimmer- Wohnung, allzu lange sollte es nicht dauern sie halbwegs anständig zu machen. Aber ständig finde ich neue Sachen die da nicht hingehören.
Grade räume ich Gläser in die überfüllte Spülmaschine, als es an der Tür klingelt.
Fuck.
Schnell halte ich die Hände unters noch laufende Spülwasser, trocknete sie ab und betrachte mich in Spiegel, bevor ich die Tür öffne.
Was ist heute eigentlich los mit mir? Erst flippe ich in einem Café völlig aus und jetzt krieg ich Panik, weil der Typ, den ich eigentlich hassen sollte, vor der Tür steht.
Er trägt das selbe wie vor ein paar Stunden. Als wäre es nur wenige Minuten her; selbst der Rucksack hängt noch über seiner Schulter.
"Was machen deine Eltern beruflich?" Durch Maddy bin ich seltsame Gespräche fast gewohnt. Auch heute führen wir dieses seltsame Zwischendring aus Gespräche und purem Schwachsinn, aber das macht unsere Freundschaft irgendwie aus. Kein Mensch hat je verstanden, über was wie reden- und wenn ich ehrlich bin wissen wir beide selber nicht, was wir da sagen, aber es macht Spaß. Luke allerdings steht ein solcher Charakter überhaupt nicht.
"Wieso?" Ich trete zur Seite damit er reinkommen kann. Sein Blick wandert über die Möbel im Flur, die Fotowand, die Jacken an der Garderobe, die Schuhsammlung im Regal.
"Nett hast du's hier", übergeht er meine Frage und zieht die Jacke aus. Im Gegensatz zu mir scheint er die Ruhe selbst zu sein. Während ich noch versuche die letzten Krümel unauffällig von der Theke zu wischen, taucht ein selbstsicheres, fast arrogantes Lächeln auf seinem Gesicht auf.
"Möchtest du was trinken?", schlage ich vor. Er nickt schlicht und sieht sich weiter um. Ich öffne den Kühlschrank und blicke kritisch hinein. "Ich hab Wasser, Milch, Limo und Bier." Fragend sehe ich Luke an, der nun im Wohnzimmer steht und durch die große Fensterfront nach draußen sieht. Die Küche ist nur durch eine schmale Kücheninsel von Ess- und Wohnzimmer getrennt und man hat einen wundervollen Ausblick auf den Park, der direkt hinter dem Haus liegt. Um diese Jahreszeit wirkt alles kahl und kalt und vollkommen verlassen, aber abends auf dem Sofa sitzen, mit einer Tasse Tee in der Hand und einer Decke umgeschlungen ist es wunderschön den beleuchteten Park zu betrachten und sich vorzustellen, welche Geschichten er schon erlebt hat.
Ich erwische mich dabei, wie ich ihn von hinten anstarre. Seine Schulter sind breit, seine Arme muskulös und er steht selbstbewusst da, als würde die Wohnung ihm gehören. Als er sich zu mir umdreht wende ich meinen Blick zu spät von seinem Körper ab. Dieses Grinsen taucht wieder auf und ich werde augenblicklich rot. Schnell senke ich den Blick und lasse ein paar Haarsträhnen ins Gesicht fallen, in der Hoffnung dadurch die Röte zu verstecken.
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Two confusing weeks
RomanceZweiter Teil von 'Two confused hearts ' >>„Was hast du vor?" zische ich und schleiche hinter Luke her. „Ich breche in deine Kirche ein", erklärt er in derselben Lautstärke. „Am ersten Weihnachtstag?" „Es gibt keinen besseren Zeitpunkt." << Ihr eri...
