Kapitel 4

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Mays P.O.V.:

Ich wache eingewickelt in meiner Bettdecke auf. Sonnenstrahlen fallen durch mein großes Balkonfenster und kitzeln mein Gesicht. Schlaftrunken schwinge ich meine Beine aus dem Bett, öffne das Fenster und direkt weht mir salzige Meeresluft ins Gesicht und ich atme sie tief ein. Das Meer ist so schön mit den Wellen die gleichmäßig an den langen, weißen Sandstrand rollen und dann wieder ihren Weg zurück ins Meer finden. Da fällt mir wieder ein, was meine Oma mir gestern beim Abendessen gesagt hatte, über ihre Karriere als Profisurferin und darüber, dass sie mich überreden will, dass ich mich bei einem Surfkurs anmelde."Bitte gib dem Sport eine Chance!", hatte sie gesagt... und naja, meiner Großmutter konnte ich noch nie einen Gefallen abschlagen.

Nachdem ich in Shorts und Top geschlüpft bin, mich flüchtig geschminkt, meine Zähne geputzt und Haare gekämmt habe, beschließe ich, hinunter zur Rezeption zu gehen und mich über einen Surfkurs zu erkundigen, denn schon bei meiner Ankunft hatte ich ein beschriftetes Surfbrett gesehen auf dem etwas stand, da ich aber nicht weiter darauf geachtet hatte, muss ich jetzt nachfragen.

"Entschuldigung, Sir" sage ich räuspernd zu dem Pagen, der sich hinter der Rezeption befindet, jedoch in irgendein Buch vertieft ist. "Was kann ich für Sie tun?", antwortet er höflich, nachdem er sich mir zugewendet hat. "Gestern bei meiner Ankunft ist mir ein blaues Surfboard aufgefallen, auf dem stand, dass man Surfkurse buchen kann. Ist das richtig?" "Ja, falls Sie einen solchen buchen möchten, müssen Sie runter zum Strand gehen, dort ist eine kleine, rote Hütte. Dort können Sie sich anmelden. " Vielen Dank", sage ich noch, bin jedoch schon auf dem Weg zum hoteleigenen Strand. Obwohl ich ja eigentlich nie vom Surfen angetan war, steigt trotz Allem eine angenehme Wärme in meinen Bauch. Ich werde WELLENREITEN lernen! Und dazu noch hier, auf Santamar!

"Du möchtest also Surfen lernen, habe ich das richtig verstanden?", fragt mich ein älterer Mann mit australischem Akzent. Ich schätze ihn auf Mitte sechzig ein, er hat braungebrannte Haut und seine Arme sind trotz seines Alters noch muskulös. Bestimmt ein ehemaliger Surfer, denke ich. "Ja das stimmt, mir wurde gesagt, dass ich mich hier melden soll." Ich lächele ihn an. "Hm, du siehst jemandem ähnlich, den ich kenne. Wenn ich so in deine braunen Augen schaue, die sehen genauso aus wie die von..... Elisabeth Johnson. Es besteht doch keine Chance dass du Sie kennst?", der Mann mustert zuerst mein Gesicht, dann meine Arme und Beine. Verdutzt schaue ich ihn an. Er kennt meine Oma? Was für ein Zufall! Vielleicht kennen sie sich ja vom.... Surfen? "Zufälligerweise kenne ich sie wirklich! Elisabeth ist meine Großmutter! Woher kennen Sie sie denn? Ist sie früher mit Ihnen gesurft?" "Ja, das ist sie. Wir sind früher sowas wie beste Freunde gewesen. Doch dann ist Elisabeth aufs Festland gezogen und seit dem habe ich sie eigentlich nicht wieder gesehen." Er schaut mich traurig an. "Aber meine Großmutter wohnt schon seit langem wieder hier auf der Insel. Haben Sie das nicht gewusst, Mister..." "Black", ergänzt er meinen Satz. "Wie unhöflich, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt", sagt er kopfschüttelnd, während er mir die Hand hinstreckt. "Nenne mich bitte John." "Natürlich John, ich bin May, May Johnson", erwidere ich, während ich seine Hand schüttele. "Ich denke, du wirst eine tolle Surferin sein, May". Nachdem John mir Alles rund um das Thema Surfstunden erklärt hat, verabschiede ich mich und verspreche ihm, meiner Großmutter Schöne Grüße auszurichten. Glücklich und zufrieden mache ich mich auf den Weg zum Frühstücksraum. Ich kann es kaum erwarten, morgen früh das erste Mal auf ein Surfbrett zu steigen.

Tobys P.O.V.:

In der einen Hand trage ich mein Surfbrett, in der Anderen mein Sandwich. Wie immer hatte mich John viel zu früh aus dem Bett geklingelt, mit dem Vorwand, dass draußen im Meer perfekte Wellen zum Surfen sind. Und tatsächlich, er lag richtig! Die Wellen kommen und gehen gleichmäßig im hüfttiefen Wasser, wundervoll zum Erlernen von Wellenreiten. An der roten Surferhütte angekommen, schaue ich erst einmal auf den heutigen Tagesplan. Der erste Kurs fängt in einer halben Stunde an, unter meiner Führung. Den nächsten Kurs übernimmt John, und den Darauffolgenden wieder ich. Als ich auf die Teilnehmerzahl schaue, gucke ich überrascht auf und suche Johns Blick. "Über zehn Leute in jedem Kurs?", frage ich mit erhobenen Augenbrauen. "So viele Anfänger hatten wir schon lange nicht mehr." "Ich weiß Toby, da haben wir mal wieder ordentlich etwas zu tun! Die letzten Paar Wochen konnten wir ja froh sein, wenn überhaupt ein Kurs stattfinden konnte". Damit hat er Recht. Die Teilnehmerzahl ist in den letzten Wochen so nach unten gesunken, dass mein Vater, der das Hotel de Santamar führt, meinte, dass das Surfen nicht mehr so eine große Einnahmequelle wie früher sei und er überlegte, die Kurse zu streichen. "Das Geld, das wir in die Surfschule stecken, wird anderweitig viel mehr gebraucht. Denk doch nur an die kostspieligen Renovierungsarbeiten und den Bau des Tennisplatzes!", hatte er damals gemeint, doch ich hatte ihn so lange überredet, dass er nachgab und die Schule bestehen blieb. Ich konnte es einfach nicht über das Herz bringen, dass John, der wie ein zweiter Vater und bester Freund für mich war, seinen Job hätte verlieren können. Ihm habe ich meine Surfkünste zu verdanken und er war auch in der Zeit für mich da, als sich meine Eltern hatten scheiden lassen und meine Mutter auf das Festland zog. Er lenkte mich damals mit diversen Sachen ab, wie an dem Tag, an dem er mit mir mein erstes Surfbrett kaufte. Wie stolz ich war! Doch als mein Vater mir zuhause kaum Aufmerksamkeit schenkte und nur darin vertieft war, die Scheidung und die Leitung des Hotels unter einen Hut zu bekommen, war ich so gekränkt, dass ich zu John lief und bei ihm übernachtete. Er hatte mich in den Arm genommen, mich liebevoll getröstet und mir mein Lieblingsessen gemacht. Ich glaube, mein Vater war es an dem Tag gar nicht aufgefallen, das ich gefehlt habe, was sich natürlich jetzt so anhört, als ob er ein mieser Vater sei, was aber ganz und gar nicht stimmt! Natürlich ist er immer viel beschäftigt mit dem Hotel, dennoch versucht er viel Zeit mit meiner Schwester Melissa und mir zu verbringen.

Love in SantamarWhere stories live. Discover now