Der Regen in Dorset war kein sanfter Schauer. Er peitschte horizontal über den Pier von Lyme Regis, angetrieben von einem Wind, der direkt aus der Hölle des Ärmelkanals zu kommen schien. Ich fluchte leise, während ich versuchte, mein durchnässtes Klemmbrett mit den Packlisten und die Expeditionskisten festzuhalten. Meine Finger waren vor Kälte steif, und meine Brille war so beschlagen, dass sie die Welt nur noch durch einen grauen Schleier wahrnahm.
Ausgerechnet heute, dachte ich grimmig. Ausgerechnet an dem Tag, an dem das wichtigste Projekt meiner bisherigen Karriere startete. Da draußen, zwischen den instabilen Felswänden des Black Ven Schiefers, wartete ein unbezahlbarer Schatz auf mich. Der Schädel eines Plesiosaurus dolichodeirus ragte bereits aus dem brüchigen Gestein und Sandgemisch zwischen den Meterhohen und brüchigen Felswänden. Ein Jahrhundertfund. Doch wenn die Erosion durch die herannahenden Herbststürme das Gestein wegriss, würde das Skelett für immer in den Fluten des Kanals zermalmt werden. Die Zeit rann mir unaufhaltsam davon und damit drohte das Ende meiner Karriere.
„Verdammt noch mal", zischte ich, als mir der Wind das Klemmbrett mit den Packlisten fast aus der Hand riss. Ich packte eine der schweren Sperrholzkisten, in der sich die empfindlichsten Grabungswerkzeuge befanden - Präzisionsmeißel, feine Pinsel und die Gipsbinden zur Sicherung. Ich spannte die Muskeln an, um die Kiste anzuheben, doch bevor ich überhaupt dazu kam die Kiste ansatzweise anzuheben, schoss eine große, von dunklen Tätowierungen bedeckte Hand in mein Sichtfeld. Die Kiste wurde mir mit einer fast schon beleidigenden Leichtigkeit aus den Händen gerissen. Ich wirbelte herum. Vor mir ragte eine Gestalt auf, die eher wie ein Felsmassiv als wie ein Mensch wirkte. Der Mann trug eine schwere, wetterfeste Militärjacke, deren Kapuze hatte er tief ins Gesicht gezogen und unter dem dunklen Stoff blitzten ein markantes, kräftiges Kiefer und smaragdgrüne Augen hervor, die so kühl und unnahbar wirkten wie die Nordsee im Winter. Er trug ein massives, wasserdichtes Transportcase mühelos auf seiner breiten Schulter. "Sie packen an wie eine Touristin, Doc", raunte seine tiefe Stimme gegen den peitschenden Regen und den stürmischen Wind. Er warf einen kurzen, verächtlichen Blick auf meine mühsam gesicherte Boxen.
„Die Hälfte davon ist Schrott, der uns an der Steilwand nur blockiert und das Gewichtslimit der Seile strapaziert."
Ich spürte, wie mir die Hitze ins Gesicht stieg - und das lag nicht an ihm. Ich stemmte die Hände in die Hüften und sah zu ihm auf.
„Das ist kein Schrott, das ist hochpräzise paläontologische Ausrüstung! Wenn Sie auch nur einen dieser Meißel beschädigen, ist das Projekt vorbei, bevor es anfängt, Mister..." schnaubte ich ihm wütend entgegen. Was glaub er eigentlich wer er ist, meine Werkzeuge als Schrott zu betiteln?
"Vance. Callum Vance", unterbrach er mich emotionslos, während er die Kiste mit einer Hand auf den rutschigen Steg stellte, als wiege sie nichts. Er trat einen Schritt näher, was mich unwillkürlich den Atem stocken ließ. Er war riesig. Und er strahlte eine dominante, absolut kontrollierte Aura aus, die mir gar nicht gefiel.
„Ihr Sicherheitschef. Und mein Job ist es, dafür zu sorgen, dass nichts von der Klippe stürzt, während Sie im Dreck nach alten Knochen wühlen. Was auf das Boot kommt, entscheide ich." Ich sah ihn fassungslos an. Das wird ein Apltraum.
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Deeply Unearthed
FanfictionManche Schätze liegen tief vergraben. Andere stehen direkt vor dir - und sind verdammt gefährlich. An den Steilwänden der englischen Jurassic Coast sucht die Paläontologin Maya nach den Knochen eines seltenen Urzeit-Reptils. Doch die Zeit rennt: Ein...
