~ Für alle, die einen Menschen zu früh gehen lassen mussten.
Hier sitze ich jetzt, das Handy in der Hand, das Zimmer nur beleuchtet von der Laterne vor meinem Fenster.
Mein Feed zeigt mir Videos und Bilder von Menschen - Menschen, die lustige, dumme oder unglaubliche Geschichten zu erzählen haben, die vieles erreicht und andere bewegt haben.
Ich sitze nur im Dunkeln und denke nach wie vor an eine vergangene Zeit.
Ich denke an dich und wie du früher warst. Wie du mit mir geredet hast, wie du dich um mich gesorgt, mir aufgeholfen, mich aufgebaut und dich gekümmert hast.
Mein Handy spielt mir Videos von Leuten vor, die all das haben, was mir fehlt: dich.
Ich vermisse dich.
Ich denke an die Wege, die ich ohne dich gegangen bin, an Straßen, die ich ohne dich erkundet habe, an Menschen, die ich ohne dich kennengelernt habe. Ich denke an die Orte, an denen ich stand, an denen du nie sein wirst.
Ich frage mich oft, wer ich jetzt sein würde, wärst du noch bei mir.
Bist du stolz auf das, was aus mir geworden ist?
Manchmal bin ich sauer.
Wie konntest du es wagen, so zu verschwinden, ein so großes Loch zu hinterlassen? Einfach so zu gehen, ohne einen Weg zurück.
Ich werde wütend, wenn ich daran denke, was ich noch alles ohne dich bewältigen muss.
Manchmal hasse ich dich sogar dafür - obwohl keine Schuld der Welt auf deinen Schultern lastet. Jedenfalls jetzt nicht mehr.
Du bist kein Teil meiner Zukunft mehr, jedenfalls physisch. Du bist gegangen und hast alles mitgenommen, was je zu dir gehörte.
Das Haus steht mittlerweile leer und steht zum Verkauf, doch das weißt du nicht.
Mein Kinderzimmer ist von Spinnenweben und Staub bedeckt, denn ich wohne jetzt alleine. Doch diese Wohnung wirst du nie sehen.
Ich habe jemanden kennengelernt. Er kennt dich bis ins kleinste Detail, jedenfalls so wie ich dich noch in Erinnerung habe, doch du wirst ihn nie kennenlernen.
Er sieht genauso aus, wie ich dir einst meinen Traummann beschrieben habe. Du würdest ihn mögen, er ist gut zu mir.
Ich wollte dich zu meiner Hochzeit einladen - schließlich haben wir sie doch zusammen geplant.
Ein ganzes Pinterest-Board haben wir erstellt, mit Kleidern für dich und mich, der Dekoration und dem Essen.
Meine zukünftigen Kinder werden dich nie kennenlernen. Wenn sie irgendwann fragen, wer diese Person auf den alten Fotos ist, werde ich von dir erzählen. Doch es wird nicht dasselbe sein.
Ich habe noch einen alten Schal von dir. Manchmal bilde ich mir ein, dass ich dich noch riechen kann. Dann kommt alles wieder hoch - alles, was ich vergraben und verschüttet habe.
Nachdem du gingst, musste ich erwachsen werden. Das Leben ging weiter, keiner hat die Zeit gestoppt, keiner hat mir den Schmerz genommen. Einer musste sich ja kümmern, einer musste mit beiden Beinen im Leben stehen, damit dieses nicht aus den Fugen gerät. Damit alles so läuft wie gehabt, damit es den anderen wieder gut geht. Dabei habe ich mich verloren, weil ich dich genauso verloren habe.
Deine Telefonnummer hat jetzt eine andere Mailbox, dein Profilbild zeigt ein anderes Gesicht. Wenn ich ihr schreiben würde, wäre die Person am anderen Ende jemand Fremdes. Es waren halt nur Zahlen, eine Nummer im System eines Unternehmens. Jetzt kennt jemand anderes deine Telefonnummer auswendig.
Deine Leidenschaft für Musik teile ich immer noch, doch unsere gemeinsamen Lieblingslieder kann ich nicht mehr wie früher hören.
Ich liebe es immer noch zu lesen, doch jede Widmung verpasst mir einen kleinen Stich ins Herz.
Das Schreiben hatte ich aufgegeben. Es fühlte sich falsch an zu wissen, dass du meine Worte nicht mehr lesen wirst. Doch nun schreibe ich über dich. Ich teile meinen Schmerz, meinen Frust und meine Wut. Weil du nicht mehr da bist, um darüber zu reden.
Weil keiner mehr da ist, der so zuhört wie du.
Ich habe vergessen, wie du klingst. Weiß nicht mehr, wie du aussiehst. Ich habe vergessen, wie du dich kleidest und wie dein Essen schmeckt. Ich weiß nicht mehr, welche Lieblingszahnpasta du benutzt hast, und ich weiß nicht mehr, wie dein Parfüm heißt.
Einmal, da hast du mich „besonnen" genannt. Das habe ich nie vergessen. Seither beschreibe ich mich ebenfalls so.
Du verschwindest langsam mit der Zeit, nur ich bleibe stehen und kämpfe mich ohne dich durch den Sturm.
Wenn es ganz schlimm ist, gebe ich mir selber die Schuld daran, dass du weg bist. Ich stelle mir Fragen, die keinen Sinn ergeben: Hätte ich aufmerksamer sein müssen, vorsichtiger, schneller? Hätte es einen Weg gegeben, alles zu verhindern? Hätte ich dich retten können oder war alles von Anfang an verloren?
So viele „Hätte"-Fragen schweben durch meinen Kopf und quälen mich.
Doch du bist weg, nicht mehr da - und wahrscheinlich irgendwo, wo es gerade besser ist. Dir geht es vielleicht gut. Ich kämpfe noch darum. Ich bemühe mich um meine eigene Vergebung.
Ich liebe dich, so wie man Familie liebt, und ich trauere um dich - auch nach Jahren des Verlustes. Ich kämpfe, auch wenn ich manchmal gegen mich selber verliere. Ich weiß, du wirst nie ganz verschwunden sein, und sei es auch nur als eine verblassende Erinnerung in meinem Herzen.
In Gedenken an dich, Frauke.
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Dear Diary.
Non-FictionJust the Diary of a Girl. Das hier dient mir als Safe-Space. Ich hoffe einge Menschen da draußen mit meinem worten zu berühren und Verständnis so wie Zugehörigkeit zu schaffen. Ich spreche hiermit eine potentielle Trigger Warnung aus, da ich auch...
