Noch vor wenigen Stunden hatten wir in Frankreichs Sonne gesessen, auf der Bank vor unserem schnuckeligen Ferienhaus. Alles war so unbeschwert gewesen – wir hatten die Wärme genossen, Croissants gegessen und gelacht, als wäre die Zeit endlos. Doch leider war sie es nicht. Unser Urlaub, der sich so herrlich leicht angefühlt hatte, war viel zu schnell zu Ende gegangen. Und anstelle der wunderschönen Landschaft umgab uns jetzt die stark befahrene, vom Regen glänzende Autobahn, die Renés gesamte Aufmerksamkeit forderte. Es war so typisch – kaum zurück in Deutschland empfing uns so ein Mistwetter.
Um uns herum rollten die Autos derart dicht, dass ständiges Aufpassen nötig war. Lastwagen schoben sich träge auf der rechten Spur dahin, während auf der linken ein beständiger Wechsel von Gasgeben und Abbremsen herrschte. Es war dieses nervenzehrende Vorankommen, bei dem die Rückreise eher angestrengt als entspannt verlief.
Der Himmel hing bleigrau über uns, Wasser spritzte von den Reifen der vorausfahrenden Wagen, die Scheibenwischer takteten rhythmisch. René saß konzentriert am Steuer seines schwarzen, mit auffälligen Chromdetails versehenen Vans, die Hände am Lenkrad, der Kiefer leicht angespannt, während ich die Beine zusammenpresste. Wir wollten nur noch nach Hause – René, weil er das Fahren auf der regennassen Straße satthatte, ich, weil mir in diesem Augenblick nichts verlockender erschien als der Gedanke an mein heimisches Klo. Ich musste groß – so heftig wie nie zuvor in meinem Leben. Entsprechend dringend wollte auch ich ankommen, verspürte daher gewissermaßen doppelte Ungeduld.
Ich hatte mich bislang zurückgehalten, ihm von meinem kaum aushaltbaren Druck im Darm zu erzählen. Er war ohnehin schon genervt, und bis vor wenigen Minuten hatte ich noch geglaubt, oder vielmehr inständig gehofft, es bis zu unserem Bad schaffen zu können. Diese Erwartung erwies sich jedoch mehr und mehr als Trugschluss. Inzwischen zählte jede Minute.
Ich versuchte mich abzulenken, indem ich in den Rückspiegel auf unseren schlafenden Sohn blickte. Wir hatten in Frankreich die ersten paar Wochen unserer Elternzeit verbracht und das gemeinsame Kennenlernen mit Joris genossen. Diese Ablenkung half nur bedingt. Knapp eine Sekunde später kehrte das furchtbare Drücken an meinem Anus zurück – jetzt deutlich extremer, sodass ich befürchtete, es könnte jeden Moment etwas hinausrutschen. Was mich ein wenig beruhigte: Es würde mir nicht ins Höschen gehen, jedenfalls nicht im klassischen Sinne. Nach meiner Entbindung war mir nach dem Wochenbett eine leichte Inkontinenz geblieben, nichts, das ausgiebiges Beckenbodentraining nicht wieder in den Griff bekommen würde. Aber für den Moment hatte ich mich dazu entschlossen, diese neuen Höschenwindeln von Always zu tragen und die gelegentlichen, durch Niesen oder anstrengende Bewegungen hervorgerufenen Abgänge aufzufangen. Ich lehnte den Kopf an die kühle, von Regentropfen benetzte Scheibe und ließ die Landschaft vorbeiziehen: Felder, Strommasten, einmal ein Rastplatz, der mir wie das Paradies vorkam und mich unüberhörbar zu rufen schien. Sogleich antwortete das unheilvolle Rumoren meines Unterbauchs lautstark, was mir klarmachte, dass ich kurz davor stand aufzugeben. Nein, es half alles nichts: Um zu verhindern, dass ich mir hier, auf dem Beifahrersitz, in meine Pants machen musste, gab es keinen anderen Weg, als René meine Nöte zu offenbaren. Auch wenn die Gefahr bestand, Joris durch die Veränderung der Geräuschkulisse aus dem Schlaf zu reißen, musste ich unbedingt die nächste Gelegenheit nutzen, mich zu erleichtern.
»René-Schatz?« Ich räusperte mich im flüsternden Ton, während die Scheibenwischer wiederkehrend im Intervall auf der Frontscheibe hin und her huschten und mein Gesagtes fast verschluckten. »Ich muss supernötig aufs Klo.« Die Worte kamen nicht ohne ein angestrengtes Keuchen aus mir hervor. Nebenher wand ich mich und presste die Pobacken so fest zusammen, wie ich konnte.
Mein Lieblingsmensch stieß ein knappes Schnauben aus, bremste leicht ab, um den Abstand zum Vordermann zu wahren.
»Jetzt? Echt, Kathi? Wir sind doch fast zu Hause und Joris wird wahrscheinlich wieder wach.« Er nahm den Blick nicht von der nassen Fahrbahn. Wie ich es mir gedacht hatte, verspürte er keine besondere Lust, diesen ungeplanten Stopp einzulegen. Meine peinigende Not sah die Sache jedoch anders – deutlich anders.
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Drängende Not auf der Autobahn
RomanceDie Rückreise aus dem Urlaub verläuft schamvoller, als Kathi es sich vorgestellt hatte. Ihr extremer Druck im Darm quält sie enorm, während René auf der regennassen Autobahn nur noch ein Ziel hat - die eigenen vier Wände. Und die rar gesäten Raststä...
