Der Sommer in Karakura Town hatte eine drückende, fast greifbare Schwüle mit sich gebracht. Für Kurosaki Ichigo bedeutete das vor allem eines: Nach den verheerenden Schlachten des letzten Jahres und dem überstandenen Krieg gegen die Quincy war in der Welt der Lebenden endlich eine Phase der Ruhe eingekehrt. Er stand nun kurz vor seinem Schulabschluss und genoss die seltene Gelegenheit, einfach nur ein normaler junger Erwachsener zu sein, bevor der Ernst des Lebens begann.
Als die Glocke zur letzten Stunde des Tages läutete, packte Ichigo seufzend seine Sachen zusammen. Er war in der Oberstufe reifer geworden, die Züge seines Gesichts markanter, doch als er hinunter zum Schultor schlenderte, warteten dort immer noch dieselben vertrauten Gesichter auf ihn...
Orihime Inoue kam ihm mit einem strahlenden, unbeschwerten Lächeln entgegengehüpft. Ihre langen, orangefarbenen Haare wippten im Takt ihrer Schritte, und in den Händen hielt sie eine stolz präsentierte Tupperware-Dose.
„Ichigo-kun! Sado-kun! Ishida-kun!", rief sie fröhlich und öffnete den Deckel, woraufhin ein ziemlich eigenwilliger Geruch nach verbranntem Zucker und Zimt entwich. „Ich habe heute Morgen ein neues Rezept ausprobiert! Zimt-Reiskuchen-Plätzchen mit einer Geheimzutat! Ihr müsst unbedingt kosten!"
„Inoue, deine Definition von 'Geheimzutat' macht mir insgeheim Angst", murmelte Uryu Ishida trocken, während er seine Brille mit dem Mittelfinger auf der Nase zurechtrückte. Trotz des spöttischen Tons stahl sich ein weiches, sanftes Lächeln auf seine Züge. Er mochte Orihimes exzentrische Art einfach.
Yasutora Sado - Chad - nahm schweigend eines der unförmigen Plätzchen entgegen, biss mutig hinein und kaute bedächtig. „Schmeckt... sehr intensiv, Inoue. Danke."
„Hehe, danke, Sado-kun!", freute sich Orihime mit leuchtenden Augen und wandte sich Ichigo zu. „Und was ist mit dir, Ichigo-kun? Du hast im Unterricht wieder so müde gewirkt. Du musst mehr essen!"
Bevor Ichigo antworten konnte, öffnete sich die Tür des Sporttraktes. Die Mädchen-Fußballmannschaft hatte gerade das Training beendet. Mittendrin lief Ichigos kleine Schwester Karin, die sich lebhaft mit einem anderen Mädchen unterhielt: Itadori Kira.
Kira war ein Jahr jünger als Ichigo und ging in die Parallelklasse. Sie war zierlich, hatte braun-rote Haare, die locker über ihre Schultern fielen, und auffallend ruhige, braune Augen, in denen winzige, rötliche Sprenkel lagen. Sie wirkte oft ein wenig distanziert und stoisch, aber in Karins Nähe taute sie sichtlich auf. Für Ichigo war sie einfach Karins coole, sportliche Freundin - ein ganz normales Mädchen, das eben gut in ihr Leben passte.
„Kira-chan! Karin-chan!", winkte Orihime den beiden überschwänglich zu. „Kommt her, ich habe Kekse!"
„Bloß nicht, Kira, lauf um dein Leben!", rief Karin lachend und rannte auf die Gruppe zu, während Kira mit gleichmäßigen, ruhigen Schritten folgte. Ihre Sporttasche hatte sie locker über die Schulter geworfen.
Als Kira bei der Gruppe ankam, streifte ihr Blick kurz die Runde. Sie nickte Chad und Uryu höflich zu, schenkte Orihime ein kleines, ehrliches Lächeln und sah schließlich Ichigo an. „Hallo, Kurosaki-Senpai", sagte sie mit ihrer leisen, angenehm melodischen Stimme.
„Hey, Itadori", erwiderte Ichigo unkompliziert und grinste. „Karin hat mich schon die ganze Woche damit genervt, dass du ihr im Training die Show stiehlst."
„Deine Schwester untertreibt. Sie ist diejenige, die mich über den Platz hetzt", entgegnete Kira trocken, und ein feines, amüsiertes Funkeln trat in ihre Augen.
Orihime beobachtete das kleine Wortgefecht mit einem warmen, völlig unschuldigen Lächeln. Sie trat einen Schritt näher zu Kira und hielt ihr die Dose hin. „Du musst auch eines probieren, Kira-chan! Du hast sicher großen Hunger nach dem Fußball!"
Kira betrachtete das undefinierbare Gebäck kurz, hielt dann aber Orihimes ehrlichem, lieben Blick stand. Sie griff hinein und nahm ein Plätzchen. „Danke, Inoue-san. Ich werde es auf dem Heimweg essen."
„Au ja! Sag mir morgen unbedingt, wie es geschmeckt hat!", freute sich Orihime, schlang ganz ungezwungen ihren Arm um Kiras Ellbogen und begann, fröhlich auf und abzuwippen, während sie über das nächste Training plauderte.
Kira ließ die Nähe geduldig zu. Sie mochte Orihimes reine, herzliche Art zutiefst. Während die andere munter weitererzählte, wanderte Kiras Blick unauffällig zu Ichigo zurück, der sich gerade scherzhaft mit Karin kabbelte.
Kira spürte das wilde, ungestüme Reiatsu, das unter Ichigos menschlicher Haut pulsierte, in jeder Faser ihres Körpers. Sie wusste ganz genau, wer er war - der Retter der Soul Society, der mächtige Ersatz-Shinigami. Und sie wusste auch, dass er nicht den blassesten Schimmer hatte, dass das ruhige Mädchen aus der Parallelklasse seine spirituellen Schwingungen glasklar lesen konnte.
Bleib ruhig in dem Glauben, ich sei nur ein ganz normales Mädchen, Kurosaki, dachte sie stumm, während der Sommerwind durch ihre braun-roten Haare strich. Solange du nichts ahnst, bleibt der Alltag hier friedlich. Und das ist für uns alle das Beste.
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Bleach: Echo der Finsternis
FanfictionNach dem Quincy-Krieg kehrt in Karakura Town wieder Ruhe ein. Doch als die geheimnisvolle Kira Itadori in Ichigos Klasse auftaucht, holt sie eine dunkle Vergangenheit ein: Ein abtrünniger Feind macht Jagd auf ihre einzigartige Clan-Kraft, um die Sou...
