Das Letzte woran sie sich erinnerte war ein warmes umschließendes Gefühl gewesen. Als hätte sie sich in eine Badewanne gelegt. Als wäre das Wasser im ersten Moment viel zu heiß gewesen, doch nachdem man schmerzerfüllt das Gesicht verzog, wurde das Gefühl zunehmend angenehmer und schließlich entspannend, bevor sie in diese kalte dunkle Welt ausgespuckt worden war. Inzwischen klopfte sie apathisch gegen die dunkle Betonwand, die sie vor ein paar Tagen ausgespien hatte. Ihre Fingerknöchel traten weiß hervor und färbten sich zunehmend bläulicher. Sie stank, hatte Hunger und war todmüde. Es war ein widerliches Gefühl im eigenen Schweiß baden zu müssen und zu fühlen wie der Magen begann sich selbst zu verdauen. Schließlich gab sie es auf und legte sich mit dem Rücken gegen die Wand, zog die Beine bis ans Kinn, um einzuschlafen, oder aus einem bösen Traum zu erwachen. Sie sehnte sich zu ihrem Vater, der vielleicht gerade in der Küche stand und einen wundervollen Frühstücksgeruch aufsteigen ließ. Armer Ritter oder Pfannkuchen, es war ihr gleich. Hauptsache süß und klebrig. Noch nie hatte sie sich so sehr in ihren Käfig zurückgesehnt.
„Wie willst du sie nennen?", fragte Oscar seine Frau, während sie sich mit gequälten Seufzern auf die Couch niederließ.
„Vielleicht Evolutionsbremse...", krächzte Stella, während sie ihren riesigen Bauch in eine andere Position manövrierte.
Oscar verschluckte sich an seinem kochend heißen Kaffee und bleckte die Zähne.
„Nicht schlecht. Ich dachte, aber eher an Ophelia."
Seine Frau hob den Kopf, aber er sah nur ihre Stirn hinter dem Bauch auftauchen.
„Ich hasse diese Schwangerschaft. Es kommt von vorne und hinten raus."
Um ihre Worte zu bekräftigen ließ sie einen fahren und Oscar versuchte sich zu ihr auf die Couch zu setzen, wich dann jedoch zurück.
„Ich weiß es riecht übel", lachte Stella.
„Kaum zu glauben, dass eine so feine Person wie du, so etwas produzieren kann."
„Und dann dieses andauernde Getrete. Muss sie mir denn jetzt schon auf die Nerven gehen? Kann sie sich das nicht für ihre Teenagerzeit aufheben?"
„Vielleicht kann sie auch jedes Wort, dass du über sie sagst hören und versucht dich zurechtzuweisen", flüsterte Oscar und setzte sich neben die Couch, da er neben dem Walfisch von Frau keinen Platz mehr fand.
„Ist es nicht so Ophelia?", sprach er zu der großen Kugel.
„Wie kommst du eigentlich auf Ophelia? Hast du zu viel Hamlet gelesen?"
„Es ist der Name meiner Urgroßmutter und ich glaube er gefällt ihr. Spürst du? Sie hat aufgehört zu treten, als ich sie mit dem Namen angesprochen habe."
Stella schob seine Hand von ihrem Bauch und verschränkte die Arme vor ihren Brüsten, die inzwischen riesig waren.
„Sie hört immer auf zu treten, wenn du beginnst mit ihr zu reden. Du könntest sie in diesem Stadium als Affenarsch bezeichnen und sie fände es bestimmt ganz wundervoll. Apropos Affenarsch, verzieh dich lieber."
Aber es war bereits zu spät, denn der Geruch war Oscar bereits in die Nase gestiegen. Er versuchte sich in Sicherheit zu bringen und wedelte mit einer seiner Pantoffeln die Luft von sich, die seine Frau ausgestoßen hatte.
„Was hast du nur gegessen?", fragte er, wollte es aber gar nicht genau wissen.
„Gestern Nacht eine Dose Sardinen und zum Frühstück Eiscreme."
Stella stiegen die Tränen in die Augen.
„Sieh mich an Oscar. Ich bin unfickbar geworden!", sagte sie unter tränenerstickter Stimme.
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Nyx
ActionDie junge Ophelia besitzt eine außergewöhnliche Gabe: Sie kann Portale durch Raum und Zeit öffnen. Doch als sie in der Megacity Nyx erwacht, ist alles anders. In dieser düsteren Zukunft des Jahres 2097 ist die Sonne hinter ewigem Smog verschwunden...
