Raven
Der Bass im Saints and Sinners war kein Geräusch, er war ein physischer Herzschlag, der durch die klebrigen Dielen von Hell Star City vibrierte. Die Luft war dick von schwerem Parfüm, billigem Bourbon, dem süßlichen Geruch von Zigarrenrauch und dem allgegenwärtigen Schweiß hunderter Körper. Nach außen hin war der Club die exklusivste sündige Meile der Stadt, ein Ort, an dem die Mächtigen und die Verdammten aufeinandertrafen. Doch für Raven Moore war es etwas anderes. Es war ihr Zuhause. Sie liebte das schmutzige Rampenlicht, das unbarmherzige Spiel mit den Blicken der Männer und die absolute Kontrolle, die sie besaß, sobald sie die Bühne betrat. Hier drinnen war sie keine Beute der Straße. Hier war sie eine Göttin aus Latex, Leder und zerrissener Spitze.
Das flackernde, violette und rote Neonlicht brach sich auf ihrer Haut, als sie sich an der Stange emporzog. Ihre wilden, im nassen Wet-Look gestylten Haare peitschten ihr ins Gesicht, während ihre dunklen, verschmierten Smoky Eyes die Masse fixierten. Ihr Blick war leer, abgeklärt, fast schon hypnotisch. Filigrane Dornenranken zierten als Tattoos ihre Handgelenke, und auf ihrem Rücken spannte sich ein dunkler Engelsflügel, der im Rhythmus ihrer Bewegungen zu leben schien. Sie war die unangefochtene Heilige dieses Ladens - und die Männer unter ihr waren bereit, für einen einzigen Blick ihrer Sünde zu erliegen.
Im exklusiven VIP-Bereich, leicht erhöht und vom Dunst des restlichen Clubs abgeschirmt, saß die wahre Macht von Hell Star City. Wilson Fisk thronte in seinem maßgeschneiderten Anzug wie ein moderner König, eine Zigarre elegant zwischen den massiven Fingern. Neben ihm saßen die Ranskahov-Brüder. Anatoly und Vladimir schauten gebannt zur Bühne.
„Sie ist ein Kunstwerk, Wilson", bemerkte Anatoly mit rauem, russischem Akzent und nahm einen tiefen Schluck aus seinem Glas. „Ein sehr profitables Kunstwerk."
Vladimir sagte nichts. Seine Augen lagen schwer auf Raven. Es war kein lüsterner Blick, kein billiges Gaffen. Es war die faszinierte, fast schon ehrfürchtige Aufmerksamkeit eines Mannes, der ein Raubtier beobachtete, das perfekt in seine Umgebung passte. Er trank nicht. Er rauchte nicht. Er sah einfach nur zu, wie sich das Neonlicht in den Schweißperlen auf ihrer Haut spiegelte.
Fisk lächelte schwach, ein Ausdruck von ruhigem, fast schon väterlichem Stolz legte sich auf seine Züge. „Sie ist das Herz dieses Etablissements, Gentlemen. Mein Goldstück. Sie besitzt eine... seltene Eleganz, die man in den Gassen dieser Stadt sonst vergeblich sucht. Und sie bringt den Gästen bei, dass Schönheit ihren Preis hat."
Auf der Bühne endete der Track. Raven ließ sich in die Knie sinken, die mörderisch hohen Absätze klackten dumpf auf dem Holz, und für den Bruchteil einer Sekunde verharre sie in einer Pose absoluter Dominanz, bevor das Licht erlosch. Der Applaus war ohrenbetäubend.
Als Raven die schwere Brandschutztür zum Backstagebereich aufstieß, fiel die Maske der unnahbaren Obsidian von ihr ab. Sie atmete schwer, strich sich die nassen Strähnen aus der Stirn und griff nach ihrem übergroßen, abgewetzten Ledercoat, um die Kälte der Klimaanlage auszusperren.
„Guter Auftritt, Raven", tönte eine tiefe, vertraute Stimme.
John Diggle stand im spärlich beleuchteten Flur. Als Fisks loyalster Sicherheitschef war er der Fels in der Brandung dieses Clubs, ein Mann, dem Raven blind vertraute. Doch in seinen Händen hielt er etwas, das überhaupt nicht in diese raue Backstagewelt passte: einen prachtvollen, fast schon unheimlich perfekten Strauß tiefschwarzer Rosen.
„Die wurden am Hintereingang für dich abgegeben", sagte Diggle und reichte sie ihr mit einem skeptischen Blick. „Kein Absender. Nur eine Karte."
Raven runzelte die Stirn. „Schwarz? Wie originell." Sie griff nach den Blumen, doch noch bevor sie den Strauß richtig in den Armen hielt, bohrte sich ein messerscharfer Dorn tief in ihren Daumen. „Verdammt!", fluchte sie leise, presste den Finger an die Lippen und schmeckte das metallische Aroma ihres eigenen Blutes.
Mit der freien Hand zog sie die kleine, schwere Karte aus den Blüten. Die Schrift war grob, fast schon gewaltsam in das Papier gedrückt. Keine geschwungene Schrift, sondern die Worte eines Mannes, der es gewohnt war, zu fordern:
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Shadow of Hell Star City
FanfictionEr will dich besitzen. Er will dich kontrollieren. Nur er kennt die Dunkelheit, die in dir brennt, und solltest du dich ihm widersetzen, reißt er dich mit in die Hölle. Das Leben von Raven „Obsidian" Moore ist ein Spiel aus Neonlicht und Schatten in...
