Rumtreiber - Die Wärme einer Tasse

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Oktober 1974

Das vierte Jahr in Hogwarts begann, wie die meisten Dinge in James Potters Leben begannen: mit beträchtlichem Lärm.

Es war der erste Oktobermorgen, ein grauer, windiger Mittwoch, und die Große Halle summte vom Klappern der Frühstücksteller und dem hundertstimmigen Geschnatter verschlafener Schüler. Über den vier langen Haustischen schwebten Hunderte von Kerzen in einem milchigen Tageslicht, das durch die verzauberte Decke fiel – ein Himmel, der genauso aussah, wie Sirius Black sich innerlich fühlte: bedeckt, undefinierbar, ohne klare Konturen.

Er hatte seit den Ferien nicht zurückgeschrieben.

Kein einziges Mal.

Das war kein aktiver Widerstand gewesen, kein lauter Protest, sondern etwas, das einfach passiert war. Seine Mutter hatte eine Woche nach Schuljahresbeginn einen Brief geschickt, eine steife, förmliche Aufforderung, über seine schulischen Fortschritte zu berichten. Er hatte ihn gelesen, einmal kurz die Zähne zusammengebissen, und ihn dann in den Müll geworfen. Keine Antwort. Keine Rechtfertigung. Einfach Stille. Und Stille war im Haus Black die unverzeihlichste aller Sünden.

Jetzt saß er zwischen James und Remus und stocherte lustlos in seinen Rühreiern herum, während James zum dritten Mal die Heldentaten der syrischen Mannschaft bei der Quidditch-Weltmeisterschaft aus dem vergangenem Sommer nacherzählte. Peter hing an James' Lippen wie ein erwartungsvoller Welpe. Remus las im Tagespropheten und trank Tee, seine Bewegungen ruhig und ökonomisch.

" – und dann, ich schwör's euch, nimmt er diesen verrückten Winkel, der Besen vibriert schon, und der Hüter von den Madagassen, der sieht aus, als würde ihm gleich schlecht werden, und dann – "

Ein plötzliches Flattern über ihren Köpfen. Post.

Sirius sah nicht auf. Er erwartete nichts, hoffte auf nichts. Die anderen griffen nach oben, sortierten Pakete und Briefe. James bekam eine neue Ausgabe von Quidditch Times und einen dicklichen Umschlag, zweifellos voller mitterlicher Zuneigung und ein paar Galleonen für Hogsmeade. Remus erhielt einen schmalen Brief von seiner Mutter, den er sofort aufhob. Peter nichts, wie üblich.

Und dann landete etwas vor Sirius.

Es machte kaum ein Geräusch. Kein fröhliches Flattern, kein vertrautes Rascheln. Nur das dumpfe, schwere Aufsetzen eines cremefarbenen Umschlags auf der Tischplatte, direkt neben seinem Teller.

Sirius erstarrte.

Es war nicht der Vogel – ein großer, düsterer Rabe, der bereits wieder in den grauen Himmel verschwunden war, ohne auf eine Belohnung zu warten - der ihn aus dem Konzept brachte. Es war das Siegel. Schwarzes Wachs, eingeprägt mit dem unverkennbaren Wappen der Blacks: drei Raben, eine Schwerthand und ein Totenschädel. Seine Mutter benutzte dieses Siegel nur für offizielle Korrespondenz. Oder für Briefe, die sie wirklich ernst meinte.

Die Tischplatte fühlte sich plötzlich sehr kalt an. Die Geräusche der Halle – das Lachen einiger Drittklässler, das Klirren von Geschirr, James' immer noch laufende Erzählung – drangen nur noch gedämpft zu ihm durch, als ob jemand eine dicke Glasglocke über seinen Kopf gestülpt hätte.

Neben ihm hatte Remus aufgehört zu lesen. Sirius spürte, wie sein Blick auf dem Umschlag ruhte. Remus sagte nichts, aber seine Aufmerksamkeit war plötzlich sehr konzentriert, sehr still.

James dagegen bemerkte den Brief und grinste schief. "Von deiner alten Hexe? Was will sie denn – ein früher Geburtstagsfluch?"

Es war genau die Art von Witz, die Sirius normalerweise erwidert hätte. Eine noch bissigere Retourkutsche, ein freches Grinsen, eine spöttische Verbeugung vor dem unsichtbaren Porträt seiner Mutter. Aber jetzt, mit diesem Umschlag vor sich, der so schwer und falsch auf dem Holztisch lag, brachte er kein Wort heraus.

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