Im Warteraum

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Die Wartenden verstummten abrupt und ihre Köpfe drehten sich reflexartig zu der sich öffnenden Tür. Eine Frau betrat aufrechten Ganges den ganz in weiß gehaltenen Raum. »Hi Leute, ich bin die Stefanie!«

»Hallo Stefanie«, schallte es ihr in den verschiedensten Stimmlagen entgegen, während sie auf einen leeren Stuhl zuschritt und sich die Tür hinter ihrem Rücken von allein schloss.

Ein Mann bewegte sich hektisch im Raum umher und murmelte: »Diese Warterei macht mich noch ganz verrückt, ich will jetzt endlich zum Chef und hoffe so sehr, dass er mich für seine Abteilung nimmt. Auf keinen Fall will ich in die unterste Etage abgeschoben werden. Nein, nein, nein ... das habe ich nicht verdient ... wirklich nicht!«, schüttelte er den Kopf.

»Deine Sorgen möchte ich haben, bei deinem Lebenslauf brauchst du dir darüber überhaupt keine Gedanken zu machen. Wenn meiner nur halb so gut aussehen würde wie deiner, dann wäre ich froh. Mein Weg ist klar, für mich geht es abwärts«, entgegnete ein weiterer Mann, der mit gespreizten Beinen auf einem der weißen Stühle saß. Den Oberkörper hatte er leicht nach vorne gebeugt und mit der rechten Hand stützte er sich auf dem Knie ab.

»Ich habe gehört, dass der Chef sehr streng sein soll. Er stellt eine Menge Fragen und merkt sofort, wann man lügt«, wusste eine Frau zu berichten.

»Was sollen diese blöden Fragen eigentlich? Er weiß doch schon eh alles über uns«, kam es von einem anderen Stuhl.

»Er will halt einiges von dir selber hören, deine Ansichten oder wie deine Meinung zu diesem oder jenem Thema ist. Wenn man auf der Kippe steht, kann dieses Gespräch einen vor der ungeliebten unteren Abteilung retten.«

»Hoffentlich komme ich gut an ...«, gab der unruhige Mann mit zitternden Lippen von sich. 

»Mir ist es gleichgültig! Soll er mich nehmen oder es bleiben lassen. Ist mir doch scheißegal, als ob er jemals in meinem Leben für mich da war, jetzt brauche ich ihn auch nicht mehr«, war eine gegenteilige Meinung von einem Mann mit Namen Gregor, der seine Arme vor dem Oberkörper verschränkt hielt.

»Ich glaube, ich habe zwei triftige Argumente, dass er mich nimmt«, meinte Stefanie lächelnd und richtete ihre Brüste.

»Wenn du meinst! Du würdest doch alles tun, dass er dich nimmt, doch bei deinem Lebenslauf ... viel Erfolg und was deine Argumente betrifft, damit stößt du bei ihm sowieso auf Granit«, erklärte der breitbeinig Sitzende.

Plötzlich öffnete sich ein Loch in der weißen Decke und ein seichter Wolkennebel verteilte sich im Raum, aus dem eine Stimme herniederhallte: »Gregor! Stelle dich in die Mitte des Raumes.« Keine Reaktion. »Gregor!« Zögerlich entfaltete der Gerufene seine überkreuzten Arme, erhob sich langsam und bewegte sich mit hängenden Schultern unter die Deckenöffnung. Die anderen wünschten ihm viel Glück und Gregor schwebte in die Höhe.

»Wollen mal hoffen, dass er den da oben mit seinen irdischen Taten überzeugen kann und er ihn trotz seiner Verfehlungen zu sich nimmt.«

»Tja, ansonsten geht es abwärts. Der da unten nimmt doch jeden mit Kusshand!«

»Da bin ich mir nicht mehr so sicher. Ich habe gehört, dass da bald wegen Überfüllung geschlossen wird.«

Geschrieben 2019

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