Ich starrte an die Decke meines Zimmers und hörte meinem Vater dabei zu, wie er unten herumschrie. Ehrlich gesagt wusste ich nicht einmal, worüber er sich diesmal aufregte. Irgendwann verschwammen seine Wutausbrüche zu einem einzigen Geräusch. Mal schrie er meine Mutter an, mal mich, mal einfach die ganze Welt. Es war immer dasselbe. Laut. Anstrengend. Und mittlerweile so normal, dass es mich eigentlich nicht mehr überraschen sollte. Trotzdem zog sich mein Magen jedes Mal zusammen.
Ich dreht mich auf die Seite und griff nach meinem Handy. Der Bildschirm war voller Risse. Im der oberen Ecke fehlte sogar ein kleines Stück Glas. Wenn ich ehrlich war, hatte dieses Handy schon längst aufgegeben. Es funktionierte nur noch aus Trotz.
22:34 Uhr.
Noch viel zu früh.
Ich warf das Handy neben mich und zog die Decke ein Stück höher. Vielleicht würde er sich heute schneller beruhigen. Vielleicht würde heute mal nichts passieren.
Unten krachte etwas gegen die Wand.
Okay. Vielleicht auch nicht.
Ich schloss kurz die Augen und atmete tief durch. Manchmal fragte ich mich, wie andere Familien ihre Abende verbrachten. Wahrscheinlich saßen sie zusammen vor dem Fernseher, aßen Abendessen oder erzählten sich irgendwelche belanglosen Geschichten aus ihrem Tag. Normale Sachen eben. Bei uns bestand ein normaler Abend daraus, dass mein Vater herumschrie und meine Mutter so tat, als wäre nichts passiert.
„Azra!"
Ich seufzte.
Da war ich.
„Azra! Komm sofort runter!"
Ich blieb noch ein paar Sekunden liegen. Nicht weil ich dachte, er würde aufgeben. Das würde er nie. Ich wollte einfach nur diese paar Sekunden auskosten, bevor der Abend noch schlimmer wurde. Irgendwann stand ich trotzdem auf, zog meinen Hoodie über und verließ mein Zimmer.
Jeder Schritt die Treppe hinunter fühlte sich schwer an. Als würde mein Körper genau wissen, was mich erwartete.
In der Küche saß mein Vater bereits am Tisch. Meine Mutter stand am Herd und rührte in einem Topf herum. Sie drehte sich nicht einmal um, als ich hereinkam.
„Setz dich", sagte mein Vater.
Ich setzte mich. Nicht weil ich wollte, sondern weil Diskussionen nur Energie kosteten. Und davon hatte ich nicht mehr viel übrig.
Mein Vater verschränkte die Arme. Kein gutes Zeichen.
„Deine Lehrerin hat angerufen."
Ah.
Deshalb.
„Okay."
Schon in dem Moment wusste ich, dass das die falsche Antwort gewesen war.
„Okay?" Seine Stimme wurde sofort lauter. „Mehr hast du dazu nicht zu sagen?"
Ich zuckte mit den Schultern. „Was soll ich denn sagen?"
„Vielleicht eine Entschuldigung."
Mein Blick fiel auf die Tischplatte. Dort war eine kleine Kerbe im Holz. Ich kannte sie mittlerweile auswendig.
„Azra."
„Ja?"
„Du nimmst überhaupt nichts ernst."
Ich antwortete nicht.
„Genau deshalb wirst du nie etwas erreichen."
Da war er wieder. Sein Lieblingssatz. Manchmal fragte ich mich, ob er wusste, wie oft er ihn sagte. Wahrscheinlich nicht.
„Hörst du mir überhaupt zu?"
„Ja.", antwortete ich
„Offensichtlich nicht."
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Ya Roohi
Poetry𝐀𝐳𝐫𝐚 𝐊𝐢𝐜𝐚𝐣 Azra ist 17 Jahre alt und lebt in New York. Mit ihren langen dunkelbraunen Haaren, den braunen Augen und ihrer eher ruhigen Art fällt sie nicht sofort auf - und genau das ist ihr auch ganz recht. Die meisten Menschen kennen nur d...
