Der Neuanfang

7 2 0
                                        

(Tahseen's POV)

Ich stand vorne im Klassenzimmer und spürte sofort die Blicke auf mir.

Neue Schule. Neue Stadt. Gleiches Gefühl.

Als würde ich in etwas hineingeworfen werden, das ich nicht wollte und nicht stoppen konnte.

„Wir bekommen heute einen neuen Schüler", hörte ich die Lehrerin sagen.

Ich wusste, dass gleich alle mich anschauen würden. Tat ich auch nicht so, als würde es mich nicht interessieren. Natürlich tat es das. Aber ich ließ es mir nicht anmerken.

Die Tür ging auf.

Ich trat ein.

Mein Herz schlug ruhig, aber schwer. Diese Art von Ruhe, die man sich antrainiert, wenn man zu oft neu anfangen musste.

Hamburg lag noch nicht mal richtig hinter mir, und schon sollte ich hier funktionieren.

„Das ist Tahseen. Er kommt aus Hamburg. Bitte seid nett zu ihm."

Nett.

Ich hätte fast gelacht.

Ich nickte nur kurz. Kein Lächeln. Kein unnötiges Zeichen. Je weniger ich zeigte, desto weniger konnten sie über mich wissen.

Mein Blick ging durch den Raum.

Letzte Reihe.

Perfekt.

Dort fiel man nicht auf. Dort wurde man vergessen. Genau das wollte ich.

Ich ging los, aber dann blieb ich kurz stehen.

Da war er.

Ein Junge saß dort, still, fast so, als würde er hoffen, unsichtbar zu sein. Er schaute nicht direkt zu mir, aber ich merkte trotzdem, dass er alles wahrnahm.

Irgendwas an ihm war anders. Nicht laut wie die anderen. Eher... zurückgezogen. So wie ich manchmal.

„Ist hier frei?", fragte ich, obwohl ich die Antwort schon kannte.

Er zuckte leicht zusammen. „Ja."

Schnell rückte er zur Seite.

Ich setzte mich neben ihn.

„Danke", sagte ich leise.

Mehr nicht.

Der Unterricht begann, aber ich hörte kaum zu. Mein Kopf war woanders.

Ich spürte immer wieder, wie mein Blick kurz zu ihm wanderte.

Er sah oft aus dem Fenster. Als wäre draußen ein Ort, an dem es leichter wäre zu atmen.

Ich kannte dieses Gefühl.

Zu gut.

Und genau das machte mich vorsichtig.

Weil Leute wie wir nicht einfach „nur reden".

Weil irgendwann immer Fragen kommen.

Und Fragen sind gefährlich.

Ich senkte den Blick auf den Tisch.
,,Vegiss nicht warum du hier bist" dachte ich mir ich darf mir keinen Fehler erlauben.

Keine Bindungen.

Keine Freundschaften.

Und vor allem darf niemand wissen, wer ich war, bevor ich hier angekommen bin.

Between Two WorldsStories to obsess over. Discover now