Kapitel 1 • Ronni

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Kapitel 1 • Ronni

Ich bin komplett am Arsch.

Nicht auf die süße, leicht dramatische Art, bei der man mit verheulten Augen schlechte Liebesfilme schaut und seinen Freunden erzählt, dass das Leben vorbei ist. Nein, ich meine die echte Sorte komplett-am-Arsch. Die Sorte, bei der man nachts wach liegt und plötzlich merkt, dass man seit einem halben Jahr denselben Fehler immer wieder macht und inzwischen viel zu tief drin steckt. Und das Schlimmste daran ist, dass ich nicht mal behaupten kann, ich hätte es nicht kommen sehen. Dean Montgomery war von Anfang an eine Katastrophe mit Ansage gewesen. Groß, tätowiert, still und mit diesen intensiven grünen Augen, die einen ansahen, als könnten sie jede einzelne Lüge erkennen, die man sich selbst erzählte. Außerdem war er der ehemalige Captain der Boston Bears. Allein das hätte schon gereicht, um Abstand zu halten. Typen wie Dean bedeuteten immer Ärger. Emotionalen, körperlichen oder kompletten Lebenszerstörungs-Ärger.

Vor einem halben Jahr hatte ich angefangen, Dean Montgomery zu ficken. Nicht daten. Nicht kennenlernen. Nicht dieses langsame, romantische Kennenlernen mit Mitternachtsspaziergängen und peinlich süßen Gesprächen über Lieblingssongs. Wir hatten einfach angefangen miteinander zu schlafen und nie aufgehört. Nur Blair, Avery, Connor und Jaxon wussten davon, weil ich nicht komplett lebensmüde war. Kaden hätte Dean vermutlich eigenhändig durchs nächste Fenster geworfen, wenn er erfahren hätte, dass seine Zwillingsschwester etwas mit einem Hockeyspieler hatte. Vor allem mit diesem Hockeyspieler. Dean spielte damals noch für die Boston Bears, während ich an der Glennwood University war. Andere Stadt, anderes Team, genug Abstand, damit es niemals ernst werden konnte. Genau das hatte ich daran gemocht. Keine Verpflichtungen. Keine Erwartungen. Keine Zukunft.

Und trotzdem war Dean nie nur irgendein Typ gewesen. Er war ruhig auf eine Weise, die Menschen nervös machte, weil man nie wusste, was hinter seiner Miene vorging. Auf Partys stand er meistens irgendwo am Rand und beobachtete alles, während andere Hockeyspieler laut wurden, flirteten oder sich gegenseitig in irgendwelche dummen Challenges hineinredeten. Dean dagegen redete kaum. Aber wenn er etwas sagte, hörten plötzlich alle zu. Vielleicht weil seine Stimme so tief und rau war, dass selbst einfache Worte gefährlich klangen. Vielleicht weil er diese kontrollierte Art hatte, als würde er sich permanent zurückhalten. Und ehrlich gesagt war genau das wahrscheinlich mein Problem gewesen. Denn Dean wirkte wie die Sorte Mensch, die irgendwann explodierte. Die Sorte Mensch, die man besser nicht zu nah an sich heranließ. Leider hatte ich diese Regel ungefähr beim zweiten Mal vergessen, als er mich gegen eine Wand gedrückt und meinen Namen in mein Ohr gemurmelt hatte.

Der Sex mit Dean war nämlich lächerlich gut. Nicht romantisch oder weich oder irgendein Tumblr-Zitat über Seelenverwandtschaft. Sondern intensiv auf die Art, bei der man danach kaum klar denken konnte. Dean wusste immer genau, was er tat, und noch schlimmer war, dass er sich jede verdammte Reaktion von mir merkte. Jede Bewegung. Jedes Geräusch. Jedes Zittern. Er war ruhig, bis er mich berührte, und dann wurde aus diesem kontrollierten Hockeyspieler plötzlich etwas völlig anderes. Etwas Dunkles. Etwas Gefährliches. Ich mochte seine Hände an meiner Taille. Mochte die Art, wie er mich ansah, als wäre ich die einzige Sache im Raum, die ihn interessierte. Und ich hasste es, wie leicht er mich dazu brachte, alles andere zu vergessen.

Wie zum Beispiel die Tatsache, dass Dean und mein Bruder sich seit der High School hassten. Und zwar nicht dieses harmlose wir können uns nicht leiden-Ding. Sondern echtes, tiefes gegenseitiges Ankotzen mit aggressiven Blicken über Eishallen hinweg und fast eskalierten Schlägereien nach Spielen. Kaden behauptete bis heute, Dean hätte das „Gesicht eines Serienkillers". Dean wiederum sagte über Kaden meistens gar nichts, was irgendwie noch bedrohlicher war. Die beiden konnten keine zehn Minuten im selben Raum verbringen, ohne dass die Stimmung komplett kippte. Vielleicht hätte genau das mich aufhalten sollen. Stattdessen machte es die Sache wahrscheinlich nur reizvoller. Weil Dean bei mir nie der Typ war, den alle anderen sahen. Nicht der einschüchternde Ex-Captain der Boston Bears. Nicht der stille, tätowierte Verteidiger mit Aggressionsproblemen auf dem Eis. Sondern einfach nur Dean. Der Typ, der nachts halb verschlafen seine Hand an meine Hüfte legte, als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt.

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