Die Wüste war still.
Kein Laut, kein Schritt, kein Atem, nur das Flackern der Luft und das Gewicht der Zeit.
Im Schatten eines Felsens lag sie regungslos, ihr weißes Fell schmiegt sich in den leichten
Wind, der über die Dünen kam.
Sie sah nicht hin, aber sie wusste es.
Die Grenze war berührt worden.
Nicht überschritten, nur gestört.
Ein Rudel war dort gewesen; man hatte die Stille wie einen Riss gespürt und einer von ihnen hatte sie gesehen, nicht ganz, aber doch genug.
Er war jung. Ein Alpha.
Nicht mit Namen erkannte sie ihn, nicht mit Gedanken. Sie las das, was in ihm vibrierte.
Er hatte sie einen Augenblick gesehen, als sie über die Dünen huschte, aber keine Bindung nahm Gestalt an, nur ein leiser Wiederhall von Vertrautheit blieb.
Die Wüste war nicht einfach nur ein Ort, der jeden mit offnen Armen empfängt.
Sie ist Grenze, Prüfung, Gedächtnis – und ihr
Zuhause.
Seit Generationen erwählt die Einöde ihre Herrin selbst; sie öffnet Türen zu Geheimnissen und Frieden, zu Schuld und Tod.
Sie erhob sich.
Sand wich unter ihren Pfoten.
Die Luft wurde schwer; etwas wie Erwartung legte sich über das Land. Er würde zurückkehren.
Und wenn er kam, würde sie ihn erwarten.
Mit diesem Wissen löste sie sich in die Dämmerung auf, in jene letzten Sonnenstrahlen, die das Land in kupferfarbenes Licht tauchten.
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Der Wald zögerte, bevor er in Sand überging.
Die Bäume standen wie Wächter am Rand der Wüste, aber ihre Wurzeln griffen ins Leere, als hätten sie Angst, den Boden zu berühren, der dahinter begann. Es war kein gewöhnlicher Abend.
Dieses Patrouillieren entlang der Grenze war ein Brauch, älter als die Lieder des Rudels.
Manche nannten es Vorsicht, doch in Wahrheit war es ein Erinnerungsritual – ein leises Versprechen an jene, die einst die Wüste betreten und nie zurückgekehrt waren.
Die Grenze galt als heilig und gefährlich.
Nicht wegen dem, was man sah, sondern wegen dem, was man spürte, wenn man zu lange in die Stille jenseits des Sandes lauschte.
Rian ging vorne, Schritt für Schritt, nicht hastig – nur so, dass man ihm unwillkürlich folgte.
Zwei Winter trug er das Amt des Anführers nun, verliehen beim ersten Vollmond nach seinem vierundzwanzigsten Geburtstag.
Verantwortung lag schwer auf seinen Schultern,
und doch trug er sie mit der Ruhe eines Mannes, der gelernt hatte, Schweigen als Sprache zu begreifen. Seine Stimme kam selten als Befehl, aber wenn sie erklang, folgte ihr ein Gewicht, das mehr sagte als Worte.
Lorien hielt sich zwei Schritte hinter ihm. Er war derjenige, der schon immer wusste, wie nah
er gehen durfte, ohne zu drängen – und der immer aufhörte zu reden, wenn das Reden nichts mehr half. Er sagte nicht, dass er Rians Beta war.
Es musste niemand sagen.
Jaro ging links, zu laut für diesen Abend, selbst wenn er versuchte, leise zu sein.
Die Sonne hing tief und ihr Licht lag müde auf den Wipfeln der Bäume, wie etwas, das gleich abrutschen würde.
„Noch an der Grenze entlang, dann zurück", sagte Lorien, und seine Worte klang bei ihm nie wie ein Befehl. Eher wie ein Anker.
Jaro schnaubte, rieb sich den Nacken und ließ den Blick über den Rand des Waldes gleiten.
„Warum tun wir uns das eigentlich immer an?"
Die Frage war fast respektlos, weil sie die Stille schnitt.
Er war erst zwanzig, ungestüm, mit dem Drang, das
Schweigen zu brechen, als ob er glaubte, dass Stille nur entsteht, weil noch niemand laut genug gedacht hat.
„Weil es unsere Grenze ist", antwortete Lorien, ohne den Blick vom Sand zu nehmen.
„Aber da drüben lebt doch niemand." Jaro ließ seinen Blick über den Rand des Waldes gleiten. „Da ist doch nur Sand."
Rian blieb stehen.
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Herrin der Wüste
RomanceZwischen uralten Legenden und einer endlosen Wüste beginnt eine Reise, die weit mehr ist als die Suche nach einer einzigen Person. Als der junge Alpha Rian an der verbotenen Grenze der Wüste einer geheimnisvollen weißen Wölfin begegnet, gerät alles...
