1. Als die Welt noch in Ordnung war

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Der Wind strich sanft durch die Baumwipfel, und irgendwo im Park zwitscherte ein Vogel so laut, als wolle er Emil anfeuern. Der kleine Vierjährige balancierte auf einem umgestürzten Baumstamm, die Arme weit ausgestreckt, das Gesicht vor Konzentration fast verkniffen.

„Mama, Papa! Schaut mal!", rief er stolz.

Luise hob den Kopf und lächelte. Sie saß erschöpft, aber zufrieden auf der Parkbank, eine Hand schützend auf ihrem runden Bauch. Ben legte im Gespräch gerade eine Pause ein und sah ebenfalls zu seinem Sohn.

„Toll, mein Schatz!", rief sie zurück.

„Er ist wirklich unerschöpflich heute", murmelte Ben grinsend und beugte sich zu ihr, um ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht zu streichen.

„Wie geht's dir? Alles okay?"

„Alles gut", sagte sie sanft. „Nur ein bisschen müde. Aber es tut gut, mal draußen zu sein."

Er drückte kurz ihre Hand. „Wir machen langsam, versprochen."

Emil hüpfte vom Stamm und rannte zu ihnen. Seine hellen Locken wippten bei jedem Schritt.

„Mama, Mama, guck mal! Der Bagger!", rief er und deutete mit dem Finger auf einen Jungen, der mit einem knallgelben Spielzeugbagger eine Straße in den Sand grub. „Mama, ich will auch so einen! Bitte!"

Ben lachte leise. „Vielleicht sehen wir ja später einen, wenn wir einkaufen gehen."

„Aujaaa!"

Die Eltern sahen sich an, beide schmunzelten. Für einen Moment vergaß Luise ihre Müdigkeit und lehnte sich an Bens Schulter. Dieses Bild, Emil, der durch den Park lief und das warme Licht des Nachmittags, fühlte sich an wie ein kleines Stück Glück, das sie festhalten wollte.

„Was hältst du davon, wenn wir zusammen schaukeln gehen?", schlug Ben vor und stand auf.

Emil quietschte begeistert und hüpfte auf und ab. Ben nahm seine kleine Hand, und die beiden liefen los, während Luise ihnen langsam folgte.

Auf dem Spielplatz erklang Emils Lachen wie ein heller Glockenton, jedes Mal, wenn Ben ihn in die Höhe schaukelte. Die kleine Schaukel quietschte, aber für Emil war es das schönste Geräusch der Welt. Als Luise sich dazustellte, nahm Ben sie sacht in den Arm.

„Kaum zu glauben, dass wir bald zu viert sind", sagte er leise.

Luise legte den Kopf an seine Schulter. „Ich hoffe nur, dass Emil nicht zu eifersüchtig wird."

„Unser kleiner Wirbelwind?", Ben grinste. „Er wird ein toller großer Bruder."

Sie sahen ihrem Sohn noch eine Weile zu, wie er rutschte, kletterte, manchmal stolperte, nur um wieder lachend aufzustehen. Erst als seine Schritte langsamer wurden und er sich die Augen rieb, beschlossen sie, nach Hause zu gehen.

Ben hob Emil hoch, der sofort seinen Kopf an die warme Brust seines Vaters legte. Seine kleinen Finger krallten sich in seine Jacke. Gemeinsam, als glückliche Familie, liefen sie durch die Straße nach Hause.

„Ich liebe dich, mein Schatz", sagte Ben, und er gab Luise einen Kuss. Sie lächelte, während sie Bens freie Hand nahm und gemeinsam mit ihm losging.

Zuhause angekommen wurde Emil vorsichtig in sein Bett gelegt. Luise strich ihm über die Stirn, während Ben die Küche vorbereitete. Bald duftete es im ganzen Haus nach gebratenem Gemüse.

Während Emil friedlich schlief, schnippelte Ben leise Paprika und Tomaten auf dem Holzbrett. Luise trat von hinten an ihn heran und lehnte ihren Kopf kurz an seinen Rücken.
„Willst du Gurke dazu?", fragte er leise und lächelte, als er sich zu ihr umdrehte.

Wenn das Leben zerbrichtStories to obsess over. Discover now