Kapitel 1

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Himari 

Es war ein sonniger Nachmittag, als ich durch die belebten Straßen von Tokio schlenderte. Die Straßen waren erfüllt von der Energie der Stadt – Menschen, die in Eile waren, Lichter, die in den Himmel schimmerten, und Musik, die aus den geöffneten Türen von Cafés und Läden drang. Ich lachte leise, als ich mit einer Freundin durch den Park ging, die frische Luft in vollen Zügen genießend. In diesem Moment war ich einfach ein weiteres junges Mädchen in einer großen Stadt, ohne die Last der Welt auf meinen Schultern.

Ich war bekannt für meine Schönheit – das war kein Geheimnis. Meine makellose Haut, die tiefschwarzen Haare, die mir bis zur Taille fielen, und die großen, glänzenden Augen, die die Aufmerksamkeit aller um mich herum auf sich zogen, machten mich zu einer der begehrtesten Erscheinungen der Stadt. Aber trotz des ewigen Interesses, das mir entgegengebracht wurde, war ich nie wirklich in dieser Welt. Ich war die Tochter der Kurosaki Familie – ein Leben, das ich nicht selbst gewählt hatte, aber das ich nie ganz hatte entkommen können.

„Himari, du wirst zu spät kommen", rief meine Mutter plötzlich über das Handy, ihre Stimme scharf und bestimmend. „Komm sofort nach Hause. Das Essen wartet."

„Ja, Mama", antwortete ich, seufzend, als ich den Text von meiner Mutter las. Ich wusste, was das bedeutete: eine weitere dieser „Veranstaltungen", bei denen ich wie ein Schaufenster ausgestellt wurde, während meine Mutter auf mich achtete, als wäre ich eine wertvolle Ware.

Der schnelle Umstieg von Freiheit zu Pflicht war etwas, das ich fast schon gewohnt war. Mein Leben war von einer ständigen Dualität geprägt: Einerseits das Bild der perfekten Tochter des mächtigen Clans, andererseits das Mädchen, das für ihre Schönheit bewundert wurde und von Magazinen und Modeveranstaltungen fast erdrückt wurde. Meine Mutter sorgte dafür, dass ich immer im Mittelpunkt stand – immer gut aussehend, immer präsent in der Öffentlichkeit, als wäre ich das perfekte Modell für das, was eine „gute Tochter" sein sollte.

Als ich nach Hause kam, fand ich meine Mutter bereits mit einem Anzug voller Besucher am Tisch. Die Gespräche waren wie immer formell und wenig spannend. Der Duft von gegrilltem Fisch und Reis stieg in die Nase, aber für mich hatte dieses Essen immer etwas Leeres an sich. Es war nie mehr als eine Pflicht.

„Setz dich, Himari", sagte meine Mutter, ohne von den anderen Gästen aufzusehen. „Du hast noch nie verstanden, wie wichtig solche Momente sind. Du wirst bald erkennen, dass du mehr als nur schön sein musst.", flüsterte sie mir wütend ins Ohr.

Ich setzte mich, meine Miene noch immer ruhig, obwohl ich wusste, was auf mich zukommen würde. Meine Mutter hatte wieder einmal Fotos von mir organisiert – ich sollte in einem der wichtigsten Mode-Magazine erscheinen, um der Familie Ehre zu machen. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich wirklich gefragt wurde. Es war nie meine Entscheidung.

Ich presste die Lippen aufeinander, als ich die Blicke der Gäste auf mir spürte. Manche musterten mich mit Interesse, andere mit einem Lächeln, das ich nicht einordnen konnte. Ich war es gewohnt, angesehen zu werden, aber heute fühlte es sich anders an. Als wäre ich ein Produkt, das man vor dem Kauf noch einmal genau prüfen musste.

Meine Mutter saß mit aufrechter Haltung am Kopf des langen Esstisches. Ihr Blick war scharf, ihre Präsenz wie immer einschüchternd. „Du solltest dich freuen, Himari. Das Magazin wird ein wichtiger Schritt für deine Zukunft sein."

Ich nahm die Stäbchen in die Hand und spielte gedankenverloren mit einem Reiskorn, ohne zu antworten. Zukunft? Welche Zukunft? Die, die sie für mich geplant hatte?

„Du bist still", stellte einer der Männer fest, der direkt gegenüber von mir saß. Sein dunkler Anzug saß makellos, seine Haare waren nach hinten gegelt, und an seinem Finger glänzte ein auffälliger Ring. Ich erkannte ihn nicht, aber er hatte diese Aura, die viele Männer in den Kreisen meiner Eltern hatten – kühl, berechnend, gefährlich.

Ich zwang mich zu einem höflichen Lächeln. „Ich habe nicht viel zu sagen."

Er lachte leise und lehnte sich entspannt zurück. „Eine seltene Eigenschaft bei Frauen deines Alters."

Seine Worte waren mir egal, aber meine Mutter schien zufrieden mit seiner Bemerkung. Sie schenkte ihm ein kühles Lächeln und wandte sich dann wieder an mich. „Himari, es gibt etwas, das wir besprechen müssen."

Ich spürte, wie mein Magen sich zusammenzog. Ich kannte diesen Tonfall. Er bedeutete nichts Gutes. Sie nahm meine Hand und zog mich unaufällig in eine Ecke.

„Du wirst heiraten."

Stille.

Mein Herz setzte für einen Moment aus. Ich starrte sie an, als hätte ich mich verhört. 

„Was?" Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

„Die Entscheidung ist bereits gefallen. Es ist das Beste für die Familie. Dein Verlobter ist ein angesehener Mann mit einem starken Namen. Er wird dich gut behandeln."

Ich konnte nicht atmen. Mein Blick wanderte von einem Gesicht zum anderen, suchte nach einem Zeichen dafür, dass das hier ein schlechter Scherz war. Aber alle schienen ruhig. Zu ruhig.

„Wer...?" Meine Stimme zitterte.

„Vincenzo Grigio"

Der Name traf mich wie ein Schlag in die Brust. Jeder kannte ihn. Der Erbe der Ggrigio Familie – der mächtigsten Mafia in Italien.

Ich hatte ihn nie getroffen, aber ich wusste genug. Er war kalt, berechnend und absolut unerbittlich. Ein Mann, der in dunklen Geschäften aufgewachsen war, der wusste, wie man gewinnt, und der keine Schwäche duldete. Der Mann, wessen Familie mit meiner Familie verfeindet war.

Und ich sollte seine Frau werden.

 „Ich werde ihn nicht heiraten."

Ein leises, ungläubiges Lachen kam von meiner Mutter. „Oh, Himari..." Sie schüttelte sanft den Kopf, als ob ich ein naives Kind wäre. „Das ist keine Bitte."

Mein Herz raste. Ich wollte protestieren, schreien, irgendetwas tun, um dieser Situation zu entkommen, aber die eisige Gewissheit setzte sich in mir fest.

Es gab kein Entkommen.

Ich biss die Zähne zusammen und lehnte mich nach vorne, direkt in ihr Gesicht. „Ich mache diesen verrückten Scheiß nicht mit.", sagte ich und riss mein Handgelenk von ihrem Griff.

Mit Tränen in den Augen lief ich schnell weg und wollte gerade in eines unserer Fahrzeuge einsteigen. Zu meiner Schockierung folgte mir meine Mutter nicht.

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⏰ Last updated: Feb 16, 2025 ⏰

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