Verwirrung und Verzweiflung

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Sie ging davon.

Ich sah nur noch ihren geraden Rücken, der von einem dunkelbraunen Mantel umhüllt wurde.

"Jess!", rief ich. Aber nur in meinen Gedanken, denn mir fehlte der Mut, sie aufzuhalten. Sie anzusprechen. Sie nach ihrer Telefonnummer zu fragen. Oder um ein Date zu bitten. Vielleicht ins Kino? Oder einen Kaffee trinken?

Das leise Surren der Automatikschiebetür riss mich aus meiner Betrachtung der Frau, die ich liebte und begehrte, seit sie vor zwei Jahren das erste Mal unser Autohaus betreten hatte. Die kühle Winterluft, die dabei für einen Moment in den beheizten Verkaufsraum drang, fühlte sich an wie eine Vorahnung.

Jess lief durch den heftigen, sich stetig steigernden Regen, der schnurgerade auf die längst durchnässte Erde fiel. An ihrem silberfarbenen Auto angekommen, drehte sie sich um. Während sie zurück zum Autohaus blickte, strich sie sich einige nasse Haarsträhnen aus der Stirn. Es war nur eine flüchtige Geste, aber mein Herz setzte einen Takt aus. Im nächsten Moment stieg sie ein. Während die Scheinwerfer zwei helle Kegel in das Grau schnitten, fuhr sie vom Parkplatz.

Mit den im Regen schemenhaften roten Rücklichtern vor Augen, die schließlich wie kleine Funken im Dunst erloschen, ließ ich seufzend meinen Kopf auf die Brust fallen.

Es war vorbei. Aus und vorbei. Bis sie das nächste Mal im Autohaus auftauchte. Wann das war? Ich wusste es nicht.

Vielleicht hätte ich Glück und würde sie wieder zufällig in der Stadt treffen. Und was dann? Was erhoffte ich mir davon? Wie so oft würde ich über ein Hallo. Wie geht's? nicht hinauskommen.

Frustriert und wütend auf mich selbst presste ich meine Lippen zu einem dünnen Strich zusammen. Meine eigenen Unsicherheiten und Ängste ließen mich jedes Mal zur Salzsäule erstarren, wenn Jess in meiner Nähe war. Es war zum Verrücktwerden. Anstatt mich wie ein dreißigjähriger Mann zu verhalten, benahm ich mich wie ein pubertierender Teenager.

Aber ... vielleicht ... vielleicht war es gut so, wie es war.

Wehmütig schluckte ich einmal kräftig, obwohl ich einen letzten Gedanken zuließ: Jess und ich. Zusammen. Glücklich. Für immer.

Und dann ...

Nein. Sofort schob ich den Riegel vor. Ein beklemmendes Gefühl der Enge machte sich in meiner Brust breit. Nicht noch einmal dieses Gefühl, den Boden unter den Füßen weggezogen zu bekommen. Die Einsamkeit war zwar schwer, aber sie war stabil. Wie ein altes Auto, das zwar nicht mehr glänzte, aber bei dem man sicher sein konnte, dass man wusste, was man bekam. Ein Date mit Jess würde diese Stabilität einreißen. Es war besser, sie aus der Ferne zu begehren, als zuzulassen, dass sie mir wirklich nahekam.

Als ich nach der Akte des nächsten Kunden griff, hörte ich, wie sich die Verbindungstür vom Verkaufsraum zur Werkstatt öffnete. Sie knarzte vorwurfsvoll, weil sich niemand zuständig fühlte, etwas Öl auf die Scharniere zu geben.

Ohne aufzusehen, wusste ich, dass es mein Kollege Peter war. Ich erkannte ihn an seinem schlurfenden Gang, ein Überbleibsel eines gebrochenen Beins und einer nicht richtig ausgeführten Operation. Außerdem stieg mir sein Geruch in die Nase: eine Mischung aus schwerem Motoröl und einer sanften Lavendel- und Vanillenote, weil seine Frau es nicht unterlassen konnte, seine Arbeitskleidung mit ihrem Weichspüler zu waschen.

"Hast du Zeit für die Werkstatt?", wollte Peter wissen. Obwohl er noch keine Fünfzig war, klang seine Stimme brummig wie ein untertourig laufender Diesel, aber sie passte zu seinem Vollbart und seinem Bauchansatz. Nur seine blaublitzenden Augen ließen den Humor erkennen, der ihn zu einem durchweg gutmütigen Menschen machte.

Ich sah zu unserem Chef, der im Moment am Empfangstresen stand. Aus Personalmangel hatte er mich seit einigen Tagen aus der Werkstatt abgezogen und am Serviceempfang eingeteilt, um die Empfangssekretärin zu unterstützen.

Für immer der Deine ✔️Historias para obsesionarse. Descúbrelo ahora