"Du willst ernsthaft nach Italien? Was soll das bringen?" hakte meine Schwester Lottie nach, sah mich mit deutlichen Zweifeln im Gesicht an. Grinsend zuckte ich mit den Schultern.
"Warum sollte ich nicht? Ist doch witzig und ich habe Bock drauf!" antwortete ich ihr mit einem breiten Lächeln im Gesicht, während ich ihr ein Glas Rosé vor die Nase stellte. Sie nahm es in die Hand, trank einen Schluck und musterte mich gleichermaßen neugierig wie zweifelnd. "Und was ist mit der Bar?"
Ich stöhnte auf. "Man, du bist wie Mom! Um die Bar kümmert sich Oli, okay? Es ist alles besprochen und Oli freut sich schon darauf, vor mir Ruhe zu haben. Hör auf dir solche Gedanken zu machen!" fuhr ich sie spielerisch an und wischte den Tresen noch einmal sauber.
Meine Bar "The Socialist" hatte ich vor ein paar Jahren gegründet, gemeinsam mit meinem besten Freund Oli. Es war schon ewig unser Traum gewesen. Damals waren viele unserer ehemaligen Klassenkameraden gekommen und einige von ihnen waren auch heute noch regelmäßige Gäste. Die Bar war ein schneller Erfolg geworden, der bis jetzt angehalten hatte. Es war ein stressiger Job, doch ich liebte ihn. Ich liebte mein Leben, ich liebte Doncaster, meine Heimatstadt. Doch als ich im Internet die Werbung für eine Singlereise in Italien gesehen hatte, war ich trotzdem neugierig geworden. Ich hatte Lust auf etwas Neues und ein paar schöne Tage in der Sonne hatten noch nie jemandem geschadet.
"Okay, ich formuliere es mal ein wenig anders: Gibt's in Donny keine heißen Kerle, die was für dich übrighaben?" fragte sie mich mit einem frechen Grinsen im Gesicht.
Ich lachte auf, ehe ich Lottie ansah. "Bis jetzt ist mir hier noch keiner über den Weg gelaufen, der etwas besonderes ist", antwortete ich ihr schulterzuckend.
"Hier gibt's auch nix Besonderes! Und wenn, dann bereits vergeben", hängte sich Oli in das Gespräch und sah seufzend zu Lottie stützte das Kinn auf seiner Hand am Tresen ab.
"So wie du, Prinzessin!"
Lottie lachte, während ich Oli gegen den Arm schlug. "Finger weg", maulte ich ihn an und zwinkerte Lottie zu, die lächelnd auf die Uhr sah, ohne Oli noch einmal zu beachten.
"Na, jetzt wird es aber Zeit!" rief sie aus und sprang sogleich auf.
Lachend lief ich um den Tresen herum und schloss meine Schwester in die Arme, drückte sie fest an mich. "Wir sehen uns ja bald wieder, pass auf meinen Neffen auf, ja? Nicht dass er in den zwei Wochen uncool wird!" sagte ich lächelnd zu ihr.
Sie schüttelte den Kopf. "Genau, weil du ja auch so supercool bist", konterte sie, woraufhin ich ihr einen verständnislosen Blick zuwarf.
"Ja, bin ich", sagte ich schulterzuckend, zwinkerte ihr zu und küsste ihre Wange.
"Pass auf dich auf!"
"Ja, ja, ciao, Oli!" rief Lottie und verschwand im nächsten Augenblick aus der Bar.
Als sie weg war, sah ich zu Oli, der noch immer auf die Tür blickte. "Pfoten weg von meiner Schwester, Wright!" sagte ich noch einmal nachdrücklich und er hob lachend die Hände und nickte. "Keine Sorge, versprochen", antwortete er. "Sie hat Lewis und ich keine Chance", fügte er hinzu, woraufhin ich ihm auf den Rücken klopfte.
"Ich verschwinde in einer Stunde, ich muss noch packen, geht das klar?" fragte ich ihn.
Oli nickte. "Logisch. Ich hab hier alles im Griff, kümmere du dich ruhig um die heißen Italiener!" antwortete er, wackelte dabei mit den Augenbrauen.
Ich schüttelte sofort lachend den Kopf. "Bloß nicht! Ich habe genug von Italienern", entgegnete ich sofort und seufzte tief bei dem Gedanken an meinen Exfreund. Mit einem letzten festen Umarmen verabschiedete ich mich von Oli, um meine Sachen für diese kommende, aufregende Reise zu packen.
Ich hatte keinerlei Ahnung, was ich alles brauchte und ehrlicherweise war ich ein Typ, der völlig wahllos irgendetwas in den Koffer warf und fehlende Dinge dann einfach am Zielort kaufte. Das war deutlich unkomplizierter als eine riesige Liste abzuarbeiten, die am Ende sowieso nicht vollständig war. Man landete so oder so irgendwann in einem Laden, also wozu sich vorab fertig machen mit solchen unwichtigen Details.
Als die Tasche halbwegs gepackt war, blickte ich zufrieden auf mein Werk und atmete tief durch. Jetzt konnte es endlich losgehen.
***
Am nächsten Tag fand ich mich nach meiner Reise vor dem Bus wieder, der für die nächsten Tage mein Reisemittel sein würde. Er war ein wenig alt und ich hob eine Augenbraue. "Ist der noch fahrtüchtig?" fragte ich unseren Tourguide, Giovanni, der mich herzlich willkommen geheißen hatte, als ich aus dem Terminal herausgekommen war.
Nun grinste er mich an. "Sì, ma certo!" rief er aus. "Alles gut, genießen, ja? Genießen!" fügte er freundlich hinzu und ließ mich stehen, machte sich zurück auf den Weg zum Terminal. Ich sah ihm kurz nach, bevor ich mich auf den Boden setzte und mich an eine Laterne lehnte. Tief zog ich das Cap in mein Gesicht und lächelte zufrieden. Ich war als Erster hier angekommen und so konnte ich mich noch ein wenig entspannen, ehe es um mich herum voll werden würde. Zufrieden gähnte ich, bevor ich die Augen schloss und tief durchatmete. Es dauerte nicht lange, bis ich wegnickte und mein Kopf gegen den Laternenpfahl fiel.
"Hallo? Aufstehen!"
Blinzelnd öffnete ich die Augen und sah verschlafen nach oben. Vor mir stand Giovanni und sah mich amüsiert an. Ich sah mich einen Moment um, ehe ich tief gähnte.
"Willst du mitfahren? Dann los!" sagte er und zeigte auf den Bus. "Wir sind alle schon drin, andiamo, presto!"
Ich nickte und stand schnell auf, versuchte mich zu sammeln und griff nach meiner Tasche, ehe ich zum Bus eilte, in den Giovanni bereits wieder eingestiegen war und wild mit seinen Armen herumwedelte. Eilig nahm ich die Stufen und ging hinein, sah mich einen Moment um, auf der Suche nach einem freien Sitz. Die meisten Plätze waren bereits besetzt, bis auf wenige im hinteren Bereich. Also lief ich los. Ich blickte durch die Reihen und dann plötzlich sah ich jemanden, der meine Aufmerksamkeit erlangte.
Er musterte mich mit grünen Augen, seine dunkelbraunen Haare waren wellig, sahen aus wie flüssige Schokolade beinahe. Was dachte ich da überhaupt? Meine Güte. Sein Bick wirkte ungewöhnlich traurig und aus irgendeinem Grund fand ich ihn sofort anziehend. Er sah unglaublich aus, so perfekt, dass ich es für eine kurze Sekunde nicht glauben konnte.
Er musterte mich einen Moment und ich schenkte ihm ein sanftes Lächeln, woraufhin er sich leicht anspannte und sofort wieder wegsah.
Mein Herz klopfte ungewöhnlich schnell, als ich mich ein paar Reihen weiter hinten auf einen der Sitze fallen ließ, nur um noch einmal nach vorn zu gucken, zu dem jungen Mann. Er bewegte sich kaum und meine Neugierde wuchs bereits jetzt ins Unermessliche. Irgendetwas hatte er an sich, dass mich völlig faszinierte.
Mein Handy lenkte mich vom Starren ab, als es vibrierte und ich zog es aus der Hosentasche, um die Nachricht zu lesen. Sowohl Oli als auch Lottie erkundigten sich nach mir, weshalb ich ihnen beiden schrieb, dass ich gut angekommen war. Ich ahnte bereits jetzt, dass sie mich mit Anrufen und Nachrichten bombardieren würden in den nächsten Wochen. Ihre Neugierde war unermesslich, so viel stand fest.
Als der Bus sich endlich in Bewegung setzte, nutzte ich die Fahrzeit, um an meiner Playlist zu arbeiten, die ich für diese Reise erstellt hatte. Auf ihr waren fast nur italienische Songs, die ich in Vorbereitung auf den Trip gefunden hatte und für gut befunden hatte. Mit den Kopfhörern in den Ohren blickte ich nach draußen und lächelte, während die Vorfreude auf die kommenden Wochen immer größer wurde. Ich hoffte darauf, dass unter den vielen Mitreisenden wenigstens ein paar coole Leute waren, mit denen ich feiern gehen konnte. Denn Liebe, das war mir bewusst, war bei solchen Reise wohl nicht so einfach zu finden, wie die Veranstalter sich das vorstellten. Auch wenn ich definitiv nicht abgeneigt wäre, sollte mir mein Traummann doch vor die Füße fallen.
"Wie heißt du?"
Ich blickte zu meiner Linken und ein junger Mann mit blonden Haaren lächelte mich an, schien neugierig zu sein. Ich nahm die Kopfhörer heraus und drehte mich ein wenig in seine Richtung. "Louis, Hi", sagte ich und grinste ihn an.
Er nickte. "Ich bin Tommi. Schön dich kennenzulernen", antwortete er mir.
"Wo kommst du her?" fragte ich ihn interessiert. Er hatte einen Nasenring und ich musterte einen Moment sein Gesicht, ehe ich ihm wieder in die Augen sah, als er anfing zu sprechen. "Ich komme aus Reading und bin ziemlich gespannt, wie wild so eine Datingreise wirklich ist", sagte er mit einem breiten Grinsen.
Ich lachte auf. "Wild? Wie kommst du darauf?"
Er zuckte mit den Schultern. "Hab mal gehört, dass es auf solchen Reisen ganz schön abgehen soll, wenn man sich erstmal aneinander gewöhnt hat. Und seitdem ich das gelesen habe, will ich erleben, ob es wirklich so ist", antwortete er schlicht.
Ich nickte leicht und lachte. "Na dann werden wir mal sehen, ob du recht hast", gab ich zurück und steckte mir die Kopfhörer zurück in die Ohren, machte es mir bequem und ließ den Blick schweifen. Es dauerte nicht lange, bis ich wieder auf den Hinterkopf des hübschen Grünäugigen starrte. Nachdenklich kaute ich auf meiner Lippe herum und beschloss in diesem Moment, dass ich unbedingt mit ihm Kontakt aufnehmen musste. Je früher desto besser.
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It's Amore (!) | L.S.
FanfictionLouis' PoV zur Story "It's Amore (?)" Oder: Die Geschichte, in der ein Junge, der positiver und lebensbejahender nicht sein könnte, einen traurigen Jungen wieder zum Lächeln bringt.
