Mein Mund füllte sich immer mehr mit etwas Flüssigem und lief mir am Mundwinkel entlang. Rot.
Ein Wort lag mir auf der Zunge. Ich versuchte ihn auszuprechen, doch es rührte sich kein Muskel. Blut schäumte in meinem Mund und drohte, mich zu ertränken.
Die Kälte kroch mir durch den Rücken in die Knochen. Schmerzen überwältigten meine Nerven, gleichzeitig hatte ich keinen Gespür in meinem blutüberströmten Körper.
Vielleicht war es an der Zeit, loszulassen.
Aber einWort rief mich immer wieder aus dem Nichts. Es hallte in meinen Ohren wie ein Mantra. Das einzige Mantra, was mich am Leben erhielt. Das meine Gedanken und Gefühle konsumierte. Das mich dazu zwang, meine Augen zu öffnen und den unendlichen Schmerz, der mich gefangen hielt, zu entfliehen.
Maryam.
Mit aller Mühe blinzelte ich gegen das kalte Licht, das in meinen Augen stach und mich fast wieder ins Nichts zurückdrängte.
Es stimmte nicht, dass ich nichts zu verlieren hätte. Mein Körper und meine Seele bedeuteten mir nichts, aber für sie würde ich die Welt aufgeben. Ich war nichts und sie mein alles.
Nur durch sie konnte ich atmen wie ein freier Mann und durch sie konnte ich meinen Gedanken freien Geist lassen. Mein zusammengefallenes Herz, zetrampelt und verschmutzt, konnte mit dem Rhytmus ihres Herzes schlagen.
Unter unvorstellbaren Schmerzen drehte ich meinen Kopf von Seite zu Seite. Egal wie schmerzhaft die kleinste Bewegung auch sein mochte, ich würde kämpfen, selbst wenn es mich endgültig brechen würde.
Meine Ehre und meinen Stolz, meine Freude und mein Frieden habe ich vor einer langen Zeit verloren. Doch sie würde ich nicht verlieren. Nicht mal der Tod könnte uns scheiden, denn ih würde ich bis in die Hölle folgen.
Maryam.
Ein Blick fiel auf einst wunderschönes, schwarzes Haar, das nun verfiltzt und verschmutzt war. Wie sehr ich mich danach sehnte, meine Hände in diesem Haar zu versenken.
Meien Augen wanderten langsam nach unten. Sie lag neben mir auf dem Rücken in einer immer größer werdenden Blutlache. Ein heiseres Geräusch stieß aus meinem Mund und warme, salzige Tropfen fielen mir aus den Augenwinkeln. Schließlich zwang ich mich, meinen Blick auf ihr Gesicht zu richten.
Ihre sanften, roten Lippen, nun aufgeplatzt und verkrustet.
Ihre dichten, geschwungenen Wimpern ruhten nun auf ihren Wangen.
Dunkelrotes Blut tropfte von ihrer Stirn und floß in ihren Scheitel.
In meinem halbwachen Zustand spürte ich, wie sie ihre weichen, vollen Lippen auf meine herabsenkte. Ihre wunderschönen Augen, für die ich keine Worte finden könnte, weil kein Wort auf dieser Welt ihre Schönheit beschreiben könnte. Doch sie würde nicht mehr aufwachen und nie wieder diese fesselnden Augen öffnen.
Unsere Zeit war abgelaufen.
Ich blickte herunter auf ihre halb geschlossene Hand. Während ich merkte, wie die Energie aus meinem Körper entweichte, schob ich meine Hand Stück für Stück über den blutigen Boden und ergriff ihre kalten Finger.
In dieser Welt konnte ich sie nicht mehr retten.
Vielleicht bekommen wir in dieser anderen Welt eine Chance, zusammen glücklich zu sein.
Ich ließ die Luft aus meinen Lungen zum letzten Mal weichen und schloss meine Augen für immer.
Für immer. Für immer mit dir, Maryam.
Sein Atem ging immer abgehackter. Er hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Der blutige Boden unter ihm schwankte. Alles drohte einzustürzen.
Seine Knie unter ihm gaben nach und er fiel mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden an. Blut färbte seine Hose dunkel so wie seine Hände.
Ein herzzerreißendes Schreien hallte durch die dünnen, mit Blut bespritzen Wände.
Er realisierte nicht mal, dass der Schrei aus seiner Kehle entwichen war.
Seine Lippen zitterten. Sie versuchten, Worte zu bilden.
Er versuchte, seinen Blick von dieser Stelle wegzureißen. Er versuchte, sich wieder auf die Beine zu stellen und dieser Tat den Rücken zuzudrehen.
Dies war seine Pflicht .
Dies war sein Kampf, den er gewonnen hatte und dabei sich verloren hatte.
Dies war seine Bürde und sein Vermächtnis.
Dies war sein Untergang.
Wie konnte er ein Held sein? Wie konnte man von ihm erwarten, ein Held zu sein?
Sein Leben dabei aufzugeben? Alles, was ihm übrig geblieben ist?
Er war nicht selbstlos. Er wurde vom Egoismus der anderen dazu gebracht, diese Tat zu begehen.
Und auf dem Weg hatte er seine Welt aufgegeben.
Jetzt verstand er.
Es ist zu spät, um Vergebung zu bitten.
Er sah auf die Waffe, die er fest in der Hand hielt. Die Waffe, mit der er die Liebe seines Lebens erschossen hatte. Die Waffe, mit dem er seinem Feind das Leben genommen hatte. Sein früherer bester Freund.
Seine Hand zitterte unkontrolliert, während er die Waffe langsam zu seiner Schläfe führte.
Ein wunderschöner Sommertag. Der Wind, der ihre mitternachtfarbenen Haare aus dem Gesicht pustete. Ihr breites Lächeln, das noch heller als die Sonne strahlte und ihre tiefen, nachdenklichen Augen, von denen er seinen Blick nur schwer wegreißen konnte.
Aber sie war nicht für ihn bestimmt. Denn das Schicksal hatte ihm die Liebe verwehrt. Dies war sein Opfer.
Bevor er sie entdecken konnte, drehte er ihr mit großer Mühe den Rücken zu.
Diesmal drehte er ihnen nicht den Rücken zu.
Und er drückte ab.
Hey, so das ist der Anfang von meiner Geschichte. Bewertet mal und verbessert mich, falls etwas schlecht geschrieben ist. Und lasst Ideen da. Thx
DU LIEST GERADE
No Moral
RomanceIn einer Welt, indem man entweder als Held oder als Bösewicht abgestempelt, ist kein Platz für Gerechtigkeit. Und man wird erst recht nicht siegen, wenn es um die Liebe geht. Also kann es in diesem Buch ein Happy End geben oder ist das die traurige...
