Lene schlendert durch den Hafen der Stadt, in der sie seit heute wohnt. Ihre blonden Haare verheddern sich in ihrem Mund und sie schwört sich morgen früh als ersten Akt des Tages Haargummis kaufen zu gehen.
Es ist Abend und die Wolken verfärben sich durch die untergehende Sonne lila und orange. In den Restaurants, die sich aufgefädelt wie Perlen auf einer Kette an der Promenade entlangziehen, sitzen die Menschen in T-Shirt auf Plastikstühlen und Klappern mit ihrem Besteck.
Lachen und laute Kinderrufe vermischen sich in der warmen Luft mit dem Rauschen der sanften Wellen und dem Kreischen der Möwen zu einer wabernden Wolke von Geräuschen.
Lene hat das Gefühl sie wird von ihr aufgesogen und so ist es kein Wunder, dass sie fast das Auto übersieht, dass von links angerast kommt und mit quietschenden Reifen ein paar Millimeter vor ihr eine Vollbremsung hinlegt.
"Passen Sie auf! So ein unfähiger Menschenumfahrspezialist?!" schreit Lene und noch bevor der verdutzte und ebenso erschrockene Mann hinter dem Steuer ein Schimpfspruch erwidern kann dreht sich Lene um und rennt den Weg, den sie gekommen ist zurück.
Sie weiß nicht mehr, was es genau war, dass sie dazu bewegt hat ihre sieben Sachen zu packen, die Stadt in der sie gewohnt hat zu verlassen und nach Kopenhagen zu ziehen. Ihre Arbeit im Labor des "Forschungsinstitut für molekulare Pilzforschung" machte ihr Spaß und sie weiß, dass sie so schnell keine andere Stelle finden wird. Biologie zu studieren war keine Fehlentscheidung, allerdings auch nicht eine ihrer besten Ideen.
Lene hat Freunde, verbrachte ihre Abende selten allein und fühlte sich wohl damit nah an ihrer Familie zu wohnen.
Sie fühlte sich wohl aber das trostlose Gefühl der Gewohnheit wühlte sie innerlich auf und brachte schon seid ein paar Monaten das in sich gefügte, klar kontrollierte und bemessene Puzzle ihrer selbst durcheinander. Alles was ihr übrig blieb war das Bild, das andere von Lene hatten über den Haufen zu werfen, ihre Wohnung und den Job zu kündigen, ein letztes Mal in ihre Lieblingskneipe zu gehen und allen ihr bekannten Menschen Verabschiedungsfloskeln an die Brust zu werfen.
Die Sonne hat sich hinter dem Horizont verzogen und die Dämmerung verschluckt ein Boot auf dem Meer nach dem anderen. Große Menschen und kleine Menschen wuseln an Lene vorbei und suchen sich ihren Weg durch die langsam erwachende Nacht.
"Habt nur Spaß und wacht morgen mit einem Kater oder einer nackten, fremden Person im Bett auf. Fühlt die Reue, die eine Nacht gefüllt mit pseudonymer Leichtigkeit mit sich bringt.", denkt Lene, als sie eine Gruppe Jugendlicher beobachtet. Ihr Lachen macht Lene wütend. Überhaupt sorgt gerade alles an diesem Ort dafür, dass die Wut in ihr hochkocht.
"So eine Scheinwelt, pa." murmelt sie uns stolpert prompt über ihre eigenen Füße, kann sich aber gerade noch abfangen.
"So eine verflixt verfluchte Scheinwelt.", zischt sie frustriert und hätte fast, aber nur fast, ihren Kodex der Vermeidung schwerwiegender Schimpfwörter gebrochen.
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Wenn der Sommer sich schlafen legt
General FictionDas Buch behandelt psychische Erkrankungen wie Depressionen, Essstörungen, Alkoholismus, OCD und stark körperliche Erkrankungen. Wenn du gerade leidest und eine schwere Zeit durchmachst rufe einer dieser Nummern an und nehme die Hilfe an, die du ve...
