Kapitel 1

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"Wir müssen mit der Chemo beginnen und sobald diese anschlägt den Meningeom operieren.", sagt meine Ärztin mit einem ernsten Ton. Mein Vater war total aufgebracht, man merkte es ihm an, doch er versuchte stark zu sein. Während an mir alles vorbeizog. Ich war wie erstarrt.
"Wann beginnt ihre erste Chemo?", fragte mein Vater, während er meine Hand fest in seine nahm.
"Wir beginnen direkt morgen. Je früher umso schneller können wir die Operation planen.", antworte die Ärztin, so wie sie wahrscheinlich jedem antworten würde, dem sie gerade diese Nachricht überbringen würde.
"Hast du noch Fragen, Edda?", wandt sie sich mir zu. Ich schüttelte den Kopf.
"Ich weiß, das ist eine schwierige Phase jetzt. Aber wir haben gute Chancen, den Tumor zu entfernen.", sagte sie aufmunternd. Doch mir war es egal. Ich hatte trotzdem etwas in meinem Kopf, das dort nicht hingehörte. Ich wollte einfach nur nach Hause....

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Zu Hause.

Ich war gerade auf dem Weg in die Küche, als mein Vater mich zu sich rief aufs Sofa.
"Schatz, komm doch Mal her zu mir.", Bat er mich, was ich auch gleich tat. Es ist genauso wenig leicht für ihn, wie für mich.
"Wir werden diesen Sommer nicht mit den anderen ins Strandhaus fahren können, dass weißt du oder?", Fing er sein ernstes Gespräch so ruhig wie möglich an. Mein Herz fing wie wild zu rasen an, daran hatte ich wirklich keine Sekunde gedacht, dabei freute ich mich die ganze Zeit so sehr, dass es in zwei Monaten schon soweit war. Doch diese Freude wandelte sich in den schlimmsten innerlichen Schmerz überhaupt um.
Aber ich nickte Verständnisvoll.
"Ich weiß, wie sehr du dich darauf freust, doch deine Gesundheit ist jetzt an erster Stelle. Ich werde morgen Sue anrufen und ihr bescheid gegeben...", setzte er fort.
"Dad? Ich will nicht, dass die anderen davon erfahren. Vorallem nicht Jeremiah und Conrad!", sagte ich mit ernsten Ton zu ihm. Woraufhin er mich fragend ansah.
"...Meinst du nicht, dass sie es wissen sollten?", fragte er vorsichtig nach.
"Ich werde es ihnen sagen, aber noch nicht jetzt. Nach der OP... Oder so. Du weißt wie es damals für sie war, als Susannah die Diagnose bekommen hatte. Ich will nicht, dass es ihnen wieder so geht. Vorallem Jeremiah...", erklärte ich meinem Vater.
"Okay. Es ist deine Entscheidung. Ich rufe Sue morgen an und sage ihr, dass sie den Jungs nichts sagt.", beendete er das Gespräch und gab mir einen Kuss auf den Kopf.
Als ich wieder in meinem Zimmer war, kreisten meine Gedanken nur noch um Sue und die Jungs.
Ich weiß, dass ich es ihnen sagen muss - vorallem Jeremiah. Aber ich kann nicht. Noch nicht.
Voller Gedankenchaos schlief ich irgendwann ein.
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Der nächste Morgen.

"Es tut mir so leid Sue."hörte ich meinen Dad, als ich gerade auf den Weg ins Bad war. Er schien Sue wohl gerade zu sagen, dass wir nicht kommen werden diesen Sommer. So wie er es gestern angekündigt hatte. Ich setzte mich auf die Treppe und lauschte. Ich konnte nicht anders.
"...Wenn ich es ihr sage, dann wird sie kommen wollen und das geht nicht. Sie muss gesund werden.", hörte ich meinen Vater weiter zu. Was meint er bitte? Diese halben Zipfel von Sätzen einzufangen, machten mich nervös.
"Okay. Tu mir nur den Gefallen und sag den anderen nichts. Sie will es nicht.", Sprach er weiter.
"... doch. Nur wie sich jetzt herausstellt ist es erst Recht besser nichts zu sagen.", sagte mein Dad.
Weiter konnte ich nicht zuhören, da meine Aufmerksamkeit auf ein Video fiel, welches mir Conrad zukommen ließ. Es hatte die Unterschrift - Der Typ hat eine Vollmeise-.
Ich öffnete es und sah Jeremiah, wie er wie verrückt am rumtanzen war, zu lauter Musik und Rum schrie. Schwer verständlich, aber zwei Sätze bekam ich klar und deutlich mit.
"Ich freue mich, das wir in zwei Monaten wieder vereint sind.", War einer davon.
"...und Edda - ich bekomme noch ne Revanche.", war der zweite und warf einen Luftkuss in die Kamera zu. Dieser Idiot, dachte ich mir nur. Ich war so am Lachen, bis mir der ernst der Dinge wieder in den Kopf kam. Ich werde diesen Sommer nicht da sein. Tränen schossen mir bei diesem Gedanken in die Augen...
Scheiß Fremdkörper in meinem.Kopf! Wegen dir muss ich hier bleiben! Schrie ich innerlich. Als ich zwei Arme um mich rum merkte.
"Ich weiß gar nicht, ob ich dir das jetzt sagen soll... Du bist jetzt schon so aufgelöst, weil du nicht bei ihnen sein kannst. Aber Sue will es so...", Fing mein Vater vorsichtig an. Direkt wurde ich hellhörig und meine Tränen stoppten. Ich merkte wie mein Vater nervöser wurde.
"Was ist los, Dad?", forderte ich ihn auf zu sagen, was er sagen sollte.
"Sue will das du weißt, das du eine starke Person bist und sie deine Entscheidung akzeptiert. Sie hat dich unendlich lieb. Sie weiß, dass du es schaffst und den Kopf gewinnst...", stoppte er und ich hörte ihn schluchtzen.
"Dad?", fragte ich ihn, und nahm nun ihn in den Arm. Woraufhin er mich ansah und wusste er konnte wieder fortsetzen.
"...Erst verlässt uns deine Mutter, lässt dich alleine in dieser Zeit... Dann dieser scheiß Tumor... Und jetzt wird Sue sterben!!!!"
"Sue wird was???", war ich völlig fassungslos.
"Ihr Krebs ist zurück... Sehr aggressiv. Es wird ihr letzter Sommer sein. Genau deswegen will sie, dass du deine Therapie machst. Du hast noch eine Chance. Sie nicht mehr.", gestand mir mein Vater.
Ich konnte nicht mehr, meine Tränen fanden ihren weg über mein Gesicht. Dad und ich drückten uns immer fester aneinander und ließen unseren Gefühlen freien Lauf....

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Mitlerweile sind 4 Monate vergangen.
Die Chemo verlief gut. Der Tumor schrumpfte und bald stand die OP an. Der Sommer im Strandhaus der andere war vorbei und ich musste keine Videos mehr sehen, wie viel Spaß sie dort doch hatten. Es tat irgendwie weh. Es kamen viele Nachrichten von Belly, Steven, Conrad und Jeremiah - auf die ich nicht antwortete. Auch der ein oder andere Anruf kam rein, welche ich nie abnahm. Es wäre nicht so schlimm, wenn nicht jeden Tag etwas von Jeremiah dabei wäre. Es tat so unglaublich weh, das ich nicht antworteten konnte, weil ich mir eine Mauer aufgebaut hatte, die ihn und die anderen verschonen sollten. Sue war wichtiger. Sie liebten ihre Mutter so sehr. Wer weiß wie lange sie noch hatten mit ihr. Das wollte ich ihnen nicht nehmen. Deswegen entschied ich mich, keinen Kontakt zu haben. Vielleicht war es auch etwas Selbstschutz. Sie dachten, dass ich mich nicht melden würde, weil es mich belastet mit meinen Eltern. Die Trennung. Ja die Trennung war schlimm, zeitgleich mit meiner Erkrankung, doch meine Mutter war nie wie eine Mutter sein sollte, so wie Sue oder Laurel. Es war eher eine Erleichterung, das sie ging. Aber es spielte mir gut in die Karten, um keine ehrliche Erklärung abliefern zu müssen, wieso ich den Kontakt vermied...

Die verpassten Sommer, als wir schön wurden - sie kommt zurückStories to obsess over. Discover now