„Mami, ich will noch nicht schlafen", quengelte Juliette mit einer Stimme, die fast brach.
Ich lächelte sie an. „Mein Schatz, es ist Zeit. Morgen musst du fit für den Kindergarten-Ausflug sein."
Sie schaute trotzig zu mir hoch. Ich erwiderte ihren Blick streng – doch ihr Trotz war stärker.
Mit einem entschlossenen Griff zog sie mich in ihr Zimmer.
Sie legte sich ins Bett, hob die Decke hoch und sah mich erwartungsvoll an.
„Juliette...", sagte ich wissend.
„Nur bis ich einschlafe, Mami."
Ihr unschuldiges Gesicht ließ mein Herz weich werden. Ich gab nach und legte mich neben sie.
Ihre kleine Gestalt war warm wie die Sonne – meine Prinzessin.
„Aber es wird nicht geredet."
Sie kuschelte sich sofort an mich.
Wie schnell die Zeit vergeht – schon fünf Jahre alt.
„Mami... erzählst du mir eine Gute-Nacht-Geschichte?"
Ich seufzte. „Aber nur eine."
Sie nickte eifrig. Ich strich über ihre süßen Erdbeerwangen.
„Mhm, welche nehmen wir heute?"
„Die mit dem Bären!"
Ich schüttelte den Kopf. „Die kennst du schon auswendig. Willst du nicht eine ganz neue hören? Eine, die du noch nie gehört hast?"
Ihre Augen weiteten sich. „Eine neue Geschichte?"
„Ja. Eine, die wirklich passiert ist."
Juliette riss mich vor Aufregung an sich.
„Bitte, Mami, erzähl!"
„Na gut."
Sie wurde ganz still.
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🌸 Die Geschichte der Regenbogenblume
„Es war einmal eine kleine Blume, die schimmerte in allen Farben. Mal leuchtete sie gelb, dann fast weiß, dann schien sie alle Farben in sich zu tragen. Niemand verstand, wie das möglich war.
Man sagte: ‚So etwas gibt es doch gar nicht.'
Und doch stand sie da – ohne Wasser, ohne Sonne – und lebte.
Sechzehn Jahre lang blühte sie voller Pracht. Doch eines Tages begann sie ihre Farben zu verlieren. Erst kaum merklich, dann immer deutlicher. Die Menschen sahen es, aber sie achteten nicht darauf.
Die Blume krümmte sich, verlor ihre Stärke. Schließlich war von ihrer Magie nichts mehr übrig.
Und erst, als sie fast zerbrach, bemerkten die Menschen es – doch da war es zu spät. Niemand schenkte ihr Zuwendung, und so erlosch das Staunen über die Regenbogenblume."
Ein leises Schluchzen unterbrach meine Worte.
Ich sah zu Juliette hinunter. Ihre kleine Stupsnase zitterte.
„Mami, die Geschichte ist traurig."
Ich wischte ihre Tränen weg. „Ja, in dem Moment war sie das auch."
„In dem Moment?" Sie sah mich fragend an. „Heißt das, die Geschichte geht weiter?"
Ich lachte leise. „Vielleicht."
Hoffnung glitzerte in ihren Augen. „Bitte, Mami, erzähl weiter!"
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🌱 Wiedergeburt
„Alle Menschen hatten die Blume vergessen. Niemand glaubte mehr an sie. Doch was keiner wusste: Ihre Seele lebte noch. Man konnte sie nicht sehen – aber sie war da.
Eines Tages warf ihr Besitzer sie fort, achtlos aus dem Fenster. Sie fiel auf den harten Zementboden. Regen peitschte auf sie herab. Alle gingen an ihr vorbei, ohne sie zu beachten.
Bis auf eine Person.
Ein junger Mann sah sie, hob sie auf.
‚Warum fasst du diesen Müll an?' fragte sein Freund.
Doch der Junge antwortete nur: ‚Sie ist... interessant.'
Er nahm die gebrochene Blume mit nach Hause. Er stellte sie auf seinen Schreibtisch. Er aß nicht, er trank nicht, er starrte sie nur an – ohne zu verstehen, warum.
Er gab ihr Wasser. Nichts geschah.
Er gab ihr Sonne. Nichts geschah.
Monate vergingen. Er wollte schon aufgeben.
Doch eines Morgens – ein kaum wahrnehmbares Leuchten.
Die Blume regte sich. Ganz langsam.
Mit der Zeit kam ihre Form zurück. Ihre Kraft. Ihr Duft.
Und schließlich – ihre Farben.
Sie lebte wieder. Noch strahlender als zuvor.
Von da an lebten die Blume und ihr neuer Hüter zusammen – als wären sie eins."
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Juliette kicherte, und wir sagten gemeinsam:
„Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute."
Sie schmiegte sich an meine Seite.
„Mami... woher kennst du diese Geschichte?"
Ich gähnte. „Das bleibt mein Geheimnis."
„Bitteee!" Sie schmollte, doch ich deckte sie liebevoll zu.
„Schlaf jetzt, Prinzessin. Du hast es versprochen."
„Aber Mami... nur noch eine Frage."
Ich blieb in der Tür stehen. „Ja?"
„Wie konnte die Blume ohne Wasser und ohne Sonne leben? Grandma sagt, das geht nicht."
Ich setzte mich wieder zu ihr.
„Das stimmt, mein Schatz. Aber die Blume brauchte etwas viel Wichtigeres."
„Was denn?"
Ich lächelte. „Das musst du selbst herausfinden."
Sie gähnte. „Ich verspreche, ich finde es heraus. Und dann sage ich es dir."
Ich strich ihr durchs Haar. Meine Tochter... du wirst Zeit brauchen, doch ich glaube fest daran, dass du es schaffst.
„Gute Nacht, Prinzessin."
„Gute Nacht, Mami. Ich hab dich lieb."
„Ich dich auch, meine kleine Blume."
Ich machte das Licht aus.
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Anekdoten einer Blume
Short StoryAnekdoten einer Blume - Willkommen zu einem Ort, der einem Himmelsgarten erscheint.
