Kapitel 1: Vorgeschichte

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~~~ Rückblick: vor 10 Jahren ~~~

„Es beginnt.", sagt sie aufgeregt. „Oh Cassi! Bitte verlass mich nicht!", antwortet er den Tränen nahe.
„Tom, du wusstest es. Du wusstest, welche Last ich auf mir trage, als wir geheiratet haben.", sagt sie schluchzend. „Ja Cassi, ich weiß. Aber es tut so weh.", antwortet er wehmütig.
„Wir haben alles versucht. Es gibt keinen Ausweg. Du musst mir nur versprechen, dass du auf mein Baby aufpassen wirst. Beschütze sie, sei immer für sie da!", bittet sie ihn eindringlich. „Natürlich, Cassi! Immer.", bestätigt er.
„Ich liebe dich, Tom, hörst du? Und das werde ich immer tun!"
„Ich liebe dich auch!"

Der Raum füllt sich mit schwarzem Nebel.

„Cassi?? Ist das normal?", fragt er beunruhigt.
„Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung, was passiert!", antwortet sie und wird panisch.
„Mom? Dad?", fragt das kleine Mädchen verängstigt, das plötzlich im Raum steht. Bei dem Trubel haben die Eltern es gar nicht bemerkt.
„Schatz, geh sofort zurück in dein Zimmer!", befiehlt die Mutter.
„Mom? Was passiert hier?", fragt das Mädchen und versucht gegen seine Tränen anzukämpfen.
„Schatz, mach dir keine Sorgen alles ist gut. Versuch zu schlafen!", antwortet die Mutter und geht langsam auf das Mädchen zu.

Der Raum wird noch mehr von dem schwarzen Nebel erfüllt und dringt in Cassandra's Brust ein. Tom versucht seine Frau zu retten, indem er sich vor sie drängt, wird aber direkt von einer eisernen Kraft durch den Raum geschleudert, sodass er mit voller Wucht gegen den Kamin knallt. „Dad?!", schreit das kleine Mädchen verzweifelt. Dabei merkt es nicht, wie seine Mutter gänzlich von dem Nebel eingesaugt wird und nach einem Augenschlag weg ist. Eliminiert. Von der Existenz gelöscht. Voller Angst rennt das Mädchen zu seinem Vater, der blutend auf dem Boden liegt. „Dad? Bitte, lass mich nicht allein! Wo ist Mom?", versucht es verzweifelt den Vater zu fragen. „Josie, mein Engel. Geh weg von hier! Kämpf! Gib nicht auf! Sei immer klug und mutig, aber nie waghalsig. Ich liebe dich, mein Schatz. Vergiss das nicht.", sagt der Vater mit seinen letzten Atemzügen zu seiner Tochter und schließt daraufhin seine Augen für immer.
„NEIN!! Dad!!!", schreit das Mädchen weinend seinen Vater an. Die Tränen fallen auf das Gesicht des eben aus dem Leben getretenen Vaters. Er ist fort. Das Mädchen ist allein.

Das Mädchen ist aufgebracht und hektisch. Es kann nicht klar denken. Seine Eltern sind gestorben und es ist doch noch ein Kind!
Es rennt aus dem Haus. Es rennt einfach nur geradeaus. Ohne Ziel. Ohne Plan.
Es rennt und rennt und rennt bis es zur nächstgelegenen Stadt kommt.

Es rennt durch die kärglich beleuchteten Straßen und sucht nach Hilfe. Doch es ist niemand zu finden. Was ist das für eine Stadt? Keine Menschen? Das Mädchen stellt sich diese Fragen nicht. Es hat nur eins im Kopf. Rennen. Es bleibt nicht stehen und es dreht sich auch nicht um. Allerdings hat es nicht bemerkt, dass es doch nicht allein ist. Es ist noch jemand in der Stadt. Ein Mann. Ein Mann, bei dem sich viele wünschten, ihn nie getroffen zu haben. Ein Mann, der Leben nehmen und schenken kann innerhalb eines Fingerschnipsens. Er rennt dem Mädchen hinterher und hält es auf. Er betrachtet es.

„Wer bist du?", fragt er das Mädchen. Es antwortet nicht. Es ist außer Atem und immer noch sprachlos. Er kniet sich zu ihm runter. „Wie heißt du, Liebes?", fragt er nun etwas ruhiger und sieht dem Kind direkt in die Augen. „Josie.", antwortet es leise. Er lächelt. „Also Josie, warum erzählst du mir nicht, was passiert ist?", bittet er Josie. Sie nickt leicht.
Das Mädchen erzählt dem fremden Mann, was es vor wenigen Minuten erlebt hat. Der Mann hört aufmerksam zu und überlegt sich, was genau dies zu bedeuten hat. Er ist nicht überrascht oder verwirrt von dem, was das Mädchen erzählt. Er ist mit dem Übernatürlichen vertraut und nicht davon schockiert. Deshalb glaubt er dem Kind auch jedes Wort.

Nachdem das Kind so gut es ging versuchte die Situation zu schildern, beginnt es zu weinen. Es ist ganz aufgelöst, da es jetzt erst sein Schicksal realisiert. Es weiß, dass es seine Eltern nie mehr sehen wird und vermisst sie bitterlich. Der Mann nimmt das Kind in den Arm und versucht es zu trösten, doch es will einfach nicht. Er sieht dem Mädchen in die Augen und sagt ihm, es solle sich beruhigen und leise sein, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Das Kind tut dies sofort. Dann steht der Mann auf, nimmt das Mädchen an der Hand und nimmt es mit.

Er bringt es zu sich nach Hause. Das Mädchen staunt, als es das Haus des Mannes sieht. Es ist riesig und prunkvoll. Der Mann bringt das Mädchen in eines der vielen Zimmer. Es ist ein Königlich eingerichtetes Schlafzimmer, in das er das Mädchen ins Bett bringt. Er sagt ihm, es solle versuchen zu schlafen und zur Ruhe kommen. Morgen würden sie darüber reden, was mit ihm passieren soll. Dann schläft das Mädchen ein.

Der Mann verlässt das Zimmer und setzt sich im Wohnzimmer auf das Sofa. Er denkt nach. Das kleine Mädchen hat in ihm etwas ausgelöst, was er schon sehr lange nicht mehr gespürt hat. Mitgefühl. Es tat ihm so weh, ein kleines, unschuldiges Kind so verängstigt und allein zu sehen. Schutzlos, allem Bösen ausgeliefert. Von dem Moment an war es klar: Er würde das Mädchen von nun an vor allem und jedem beschützen und dafür sorgen, dass es ein sicheres und sorgenfreies Leben führen kann.

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