Die Treppe knarzt unter meinen Füßen, als ich hektisch nach unten gehe. Aus dem unteren Geschoss nehme ich den Geruch von Tomatensauce war. Als ich bei der letzten Stufe ankomme, kann ich direkt hören, wie meine Mama sich umdreht.
,,Gehst du etwa schon los? Ich dachte wir essen noch gemeinsam?", fragt sie mich etwas verdutzt, nachdem sie einen kurzen Blick auf die Uhr geworfen hat. Mit einem leichten Lächeln schüttel ich meinen Kopf.
,,Nein Mama. Luisa reißt mir den Kopf ab, wenn ich zu spät komme. Du weißt doch, dass ich um Neun da sein muss.", erwider ich ganz ruhig. Ihr Blick wandert zum Boden, und sie wirkt, als würde sie nachdenken. Dann lächelt sie kurz, und nickt mit dem Kopf. Das Lächeln war nicht echt. In dem Moment kommt das schlechte Gewissen in mir auf.
,,Ich komme aber nicht so spät wieder. Versprochen.", füge ich noch hinzu, in der Hoffnung, dass sie mir ein echtes Lächeln schenkt. Doch das bleibt aus.
,,Bis später Schatz. Pass auf dich auf.", erwidert sie nur, und widmet sich dann wieder dem Essen. Leicht bedrückt drehe ich mich zur Haustür, und laufe mit langsamen Schritten darauf zu. Als ich die Tür öffne, kommt mir ein kalter Windzug entgegen.
,,Bis später!", rufe ich meiner Mutter zu, bevor die Kalte Luft mich ganz umgibt, und die große Holztür hinter mir ins Schloss fällt. Die Sonne ist schon unter gegangen, und die Straße ist generell ziemlich leer. Kein Wunder. Bei dieser Kälte geht auch niemand freiwillig nach draußen. Keiner außer mir, und den anderen die heute auf Luisas Geburtstagsparty gehen. Mit großen Schritten mache ich mich auf den Weg zu Luisas Haus, welches keine 500 Meter von meinem entfernt ist.
Etwas unmotiviert trotte ich auf dem Gehweg entlang. Unter vielen Menschen fühle ich mich immer unwohl, weshalb ich Partys eigentlich lieber meide, aber da Luisa meine Beste Freundin ist, habe ich mich blöderweise doch dazu überreden lassen. Das ist die Strafe dafür, dass ich einfach nicht nein sagen kann.
Luisa ist das komplette Gegenteil von mir. Sie liebt Partys und soziale Kontakte.
Aus der Ferne ist eine Sirene zuhören, was mich aufhorchen lässt. Ein mulmiges Gefühl macht sich in mir breit, und lässt mir einen eiskalten Schauer über den Rücken jagen.
Luisas bunt beleuchteter Garten fällt in mein Blickfeld, was mich einen Moment ablenkt. Meine Lippen verziehen sich zu einem kleinen Lächeln, und mir entflieht ein leichtes Lachen. Wenige Schritte weiter dringt nun auch Musik an mein Ohr, und ich frage mich, was wohl die Nachbarn dazu sagen. In dieser Straße wohnen viele ältere Leute, die sich auch nur beim kleinsten Ton beschweren.
Als ich nun am kleinen Tor ankomme, schiebe ich den kleinen Riegel zur Seite, und verschaffe mir Zutritt zu dem hell erleuchteten Garten. Ballons in allen Farben hängen am Zaun, und eine Lichterkette zieht sich über den ganzen Eingangsbereich. Ich lasse mir noch etwas Zeit, um kurz meine Ruhe zu haben.
Nach wenigen Sekunden mache ich einen Schritt zur Tür, und drücke auf die Klingel. Drinnen poltert es, und Gelächter dringt nach Draußen. Nach einer Minute, in der mir niemand die Tür geöffnet hat, beschließe ich noch einmal zu klingeln. Doch bevor ich den Knopf nochmal drücken kann, wird die Tür mit schwung aufgerissen.
,,Hallo.", lallt mir ein gutaussehender Typ entgegen. Er lächelt, wobei er sich an der Tür festhält, und mich mit seinen Grünen Augen mustert.
,,Hi.", gebe ich ihm leise zurück.
Sein Blick macht mich nervös. Nach wenigen Sekunden, in denen er mich mit seinen Blicken durchbohrt, spüre ich die Hitze die sich in meinem Körper ausbreitet. ,,Ich bin Nick. Und du?", bringt er langsam über seine Lippen. Ein Geruch von Bier kommt mir entgegen, und ich zwinge mich zu lächeln. ,,Grace.", antworte ich ihm leise. Die Situation wird immer unangenehmer, und meine Beine wollen am liebsten den Rückwärtsgang einlegen.
,,Nick lass sie in Ruhe!", höre ich plötzlich eine vertraute Stimme. Luisa erscheint im Türrahmen, und schaut in strafend an, bevor sie sich in meine Richtung dreht. ,,Du bist da!", quitscht sie laut, und zieht mich in eine Umarmung.
,,Ich habe es dir doch versprochen.", murmel ich in ihre roten Locken und erwidere die Umarmung. Ich bemerke, dass Nick noch immer im Türrahmen steht, und uns amüsiert mustert. Luisa löst sich aus unserer Umarmung, und nimmt mich an der Hand.
,,Los lass uns reingehen.", höre ich sie sagen, während sie anfängt mich hinter sich herzuziehen. Vorbei an Nick, und rein in die Menge. Das Haus ist total überfüllt, und man kann kaum einen Meter laufen, ohne gegen jemanden zu stoßen. Es fühlt sich ein wenig so an, als würde ich Slalom laufen. Nur Schlimmer. Zu meiner Überraschung stelle ich fest, dass ich kaum jemanden hier kenne. Einige aus unsere Schule sind da, aber der Großteil ist mir völlig fremd.
Wir kommen zu der großen Couch, wo Luisa und ich immer unsere Filmabende verbringen. Der ganze Couchtisch steht voller Shotgläser und Bierflaschen. Erleichtert sehe ich, dass unsere Freunde auf dem Sofa sitzen, und es sich gemütlich gemacht haben.
Eigentlich sind es eher Luisas Freunde. Sie hat mich in die Gruppe gebracht, und manchmal fühle ich mich auch als ein Teil von ihnen.
,,Hi Grace. Was geht.", ruft mir Taylor über die laute Musik zu, und winkt und klopft neben sich auf einen freien Platz. Zögernd setze ich mich neben ihn, und atme tief durch.
,,Hi Leute. Hier ist ja richtig was los.", stelle ich fest, und schaue in die Runde. Ronja lächelt mir zu und setzt sich eine Imaginäre Krone auf. Sie hat die Party organisiert, und auch alle Besorgungen gemacht. Das muss man ihr lassen. Die Party ist riesig.
,,Wie viele sind denn hier?", rufe ich ihnen fragend zu. Taylor zuckt nur mit den Achseln.
,,Viele würde ich sagen.", antwortet er mir, und schaut mich mit einem frechen Grinsen an. Das Blut bahnt sich wieder einen Weg in meine Wangen, und ich versuche mein Gesicht hinter meinen Haaren zu verstecken.
,,Ja, sehr viele. Ich habe den Überblick verloren.", antwortet Luisa, die sich neben mich auf den weißen Plüschhocker gesetzt hat. Stolz grinst sie mich an, was ich sofort erwidere.
Meine Blase macht sich bemerkbar, weshalb ich beschließe kurz zu verschwinden. ,,Ich bin gleich wieder da.", rufe ich in die Runde und stehe vorsichtig auf. Die anderen Nicken nur, und sind schon wieder in ein Gespräch vertieft. Langsam bahne ich mir einen Weg durch die Menge, und versuche keine Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Was mir auf jeden Fall gelingt. Alle paar Sekunden stößt jemand gegen mich. Als ich mich nach einer gefühlten Ewigkeit zur Toilette durchgekämpft habe, ist sie zu meiner Überraschung nicht besetzt. Schnell eile ich hinein und schließe die Tür hinter mir ab.
Als ich fertig bin schaue ich noch einmal in den Spiegel. Meine Haare sind von dem Slalom da draußen ziemlich durcheinander. Die Locken sind auf der einen Seite etwas stärker, als auf der anderen. Enttäuscht versuche ich die glattere Seite etwas zu kneten, um noch etwas zu retten. Ohne Erfolg. Seufzend drehe ich mich zur Tür und öffne sie vorsichtig.
Etwas genervt will ich mich wieder in das Gedränge stürzen, wobei ich von einer Stimme hinter mir aufgehalten werde.
,,Grace?"
Hey seid bitte nicht zu streng zu mir. :D Viel spaß beim Lesen.!
ŞİMDİ OKUDUĞUN
Schuldig
Genç KurguAls Grace nach einer Party aufwacht ist plötzlich alles anders. Sie soll in der Nacht einen Mord begangen habe, doch ihre Erinnerungen sind verschwunden. Auch ihre Freunde wissen von nichts. Wird sie herausfinden, was in dieser Nacht wirklich passie...
