Sechs Uhr morgens und schon wieder das wilde Geschrei der ganzen Kleinkinder im Ohr. Wahrscheinlich stritten sie sich wieder darum, wer an welchem Waschbecken seine Milchzähnchen putzen durfte.

Bei uns hier im Heim ging es jeden Tag so zu. Normalerweise gewöhnt man sich mit der Zeit an diese Zustände, dennoch war es jeden Tag aufs Neue schrecklich. Wir schimpften oft über die Kinder, denn es konnte doch nicht wirklich wahr sein, dass hier nie Ruhe war. Und mit nie meine ich auch nie. Keine einzige Sekunde ohne ein schreiendes Kind. Vielleicht konnten andere hier damit besser umgehen, doch für mich war Ruhe schon immer existenziell und auch am schönsten gewesen. Ich kam weder mit dem ständigen Lärm sonderlich zurecht noch damit, dass durchgehend irgendwelche Leute um mich herumwuselten.

Es ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich mal für kurze Zeit seinen Kopf auszuschalten. Aber mit viel Glück könnte all dies bald Vergangenheit sein.

Durch Kontakte von Bekannten wurde für mich eine Familie gefunden, die mich bei sich aufnehmen wollte. Irgendwo in Richtung Schwarzwald, also so ziemlich genau das richtige für mich. Natürlich bestand die Möglichkeit, dass ich nicht mit der Familie zurechtkam, aber was brachte es mir immer negativ zu denken?

Genau aus diesem Grund versuchte ich aus allem das möglichst Beste zu machen. Und wer weiß, vielleicht hatte ich ja sogar Glück.

Eine Stunde später, nachdem ich beschlossen hatte mich noch einmal schlafen zu legen, wagte ich den Weg in die Küche. Für die Kinder gab es noch gemeinsame Essenszeiten, aber für alle über 14 Jahren fiel diese Regel weg. Den Abend zuvor hatte ich mir bereits einen Plan für den heutigen Tag gemacht. Um elf Uhr würden wir losfahren, wobei ich mir noch nicht ganz sicher war, ob ich mich auf die Fahrt freuen sollte oder nicht. Insgesamt würde ich circa fünf Stunden im Auto sitzen nur war die Chance, dass wir nicht im Stau stecken blieben, mehr als gering. Denn heute war Freitag und somit Beginn der Herbstferien.

Wir konnten also nur darauf hoffen, dass wir so schnell wie möglich wieder dort rauskamen. Aber auch das würde ich überstehen. Ich hatte sogar einen genauen Plan, was ich alles an Essen, Trinken und sonstigem Kram für die Autofahrt mitnehmen wollte. Gutes Essen war für dieses Vorhaben am wichtigsten.

Nachdem ich das heiße Wasser auf den Couscous gab und die Schüssel beiseitegestellt hatte, machte ich mich an das Gemüse. Nebenbei suchte ich noch kurz auf meinem Handy meine Lieblings-Youtuberin her und startete eines ihrer Videos, das ich mir während meiner kleinen Küchenaktion. Als die Gurke, Tomate, Paprika, der Rucola und zuletzt noch die Frühlingszwiebel kleingeschnitten hatte gab ich das Ganze in die Schüssel und vermengte es mit dem Couscous. Am Ende mischte ich noch Kräuter, Zitronensaft, Salz sowie auch Pfeffer darunter. Zwischendurch hatte ich schon etwas von der Gurke und Paprika gesnackt. Jeder normale Mensch machte das doch, erst recht, wenn man Hunger hatte. Als nächstes fing ich an den Teig für mein Bananenbrot herzurichten.

Meine Mutter liebte das Backen. Genau deshalb versuchte ich so oft wie möglich zu backen und ihre Leidenschaft auszuleben. Es machte mir Spaß und ließ mich eine gewisse Art der Verbundenheit verspüren.

VincWhere stories live. Discover now