Kapitel LIV

Depuis le début
                                    

Ich hielt mit das Telefon ans Ohr und ging auf einen Mann zu, welcher neben einem schwarzen Geländewagen stand. Das muss Cristiano sein, ein großer und gut gebauter Mann Mitte dreißig. Er hatte hellbraune Haare und trug eine Sonnenbrille auf der Nase.
"Ja?" Ich konzentrierte mich wieder auf das Telefon. "Luca, hier ist Anastasia, sag mir wo ihr seid. Ich bin auf dem Weg."
Cristiano öffnete mir eine der hinteren Wagentüren und ich stieg mit einem stupfen Danke auf dem Lippen ein.
"Was soll das heißen du kommst? Weiß mein Vater davon?" Ich schnallte mich an und hörte wie die Fahrertür aufging.
"Ja weiß er. Er hat mir Cristiano als Begleitschutz mitgegeben, also?" Kurz herrschte Stille und ich dachte schon Luca bräuchte noch mehr von meiner Überredungskunst, doch dann antwortete er.
"Wir sind an der Stelle, an der sie das Auto haben stehen lassen. Ich schicke Cristiano die Adresse." Danach legte er auf.

Cristiano beobachtete mich das ganze Telefonat über durch den Rückspiegel.
"Seniora, ich hab die Adresse erhalten. Wir wären bereit für die Abfahrt." Ich packte mein Handy wieder weg und nickte ihm zu.
"Ja fahren sie los." Ich nahm Blickkontakt mit Cristiano im Rückspiegel auf. "Und nennen sie mich bitte Anastasia." Dieser startet den Wagen und wir fuhren langsam vom Hof.
"Ich fürchte das kann ich nicht tun, Seniora." Ich verdrehte die Augen und guckte aus dem Fenster.
Wir waren mittlerweile in der Innenstadt angekommen. Wenn ich mich richtig an die Karte von Riccardo erinnere, dann müssen wir das Zentrum verlassen und zu einem kleinen Stadtteil im Westen fahren.
Die Sonne schien durch mein Fenster, aber leider war ich so in Eile aus dem Haus gestürmt, dass ich nichts als mein Handy dabei hatte.
Ich versuchte nochmal mein Glück und wählte Dantes Nummer, aber wieder ging nur die Mailbox ran.
"Seniora, wir brauchen noch 20 Minuten bis zu Luca." teilte Cristiano mir unsere verbliebende Entfernung mit.
"Danke."
Ich wählte Ivans Nummer, ich muss sicher gehen, dass ich mit meiner Annahme richtig liege und sie nichts damit zutun haben.
"Schwesterchen, deine Anrufe werden ja immer regelmäßiger. Wenn du so weiter machst glaub ich noch, dass du mich vermisst." Wann wird dieser Kerl endlich erwachsen?
"Ich gab jetzt keine Zeit für deinen Blödsinn. Ich muss wissen, ob ihr irgendetwas gegen die Italiener unternommen habt, oder es geplant habt."
Ich hatte gerade den letzten Buchstaben ausgesprochen, als mir Ivan bereits ins Wort fiel.
"Hast du sie noch alle? Wie stellst du dir das vor? Wir gefährden dich doch nicht, dass war doch der Sinn hinter dem Vertrag." Ich wechselte ins russisch, da ich Cristianos Blick auf mir merkte.
"ты нет, а папа?! поэтаму скажи мне, да или нет!" (Du nicht, aber Papa schon, also sag mir, ja oder nein)
Die Landschaft wechselte von der einer Stadt zu einer ländlicheren Gegend. Wir sollten bald da sein.
"Nein. Was auch immer passiert ist wir haben nichts damit zutun. Ich würde dein Leben niemals gefährden und es auch Vater nicht tun lassen." Erleichtert amtete ich einmal durch. Doch genauso schnell wie sie kam, so schnell verflog sie auch wieder. Wenn wir nicht dahinter stecke, dann haben wir keinen Verdächtigen, sollte ihnen wirklich etwas passiert sein.
"Okay gut, ich muss jetzt auflegen. Ich melde mich später wieder."
"Ja ist gut, bitte ruf an wenn du was brauchst." Ich legte auf und packte mein Handy wieder weg. Ich hatte immer noch nur eine Leggings und einen dünnen Sportpullover an, welche ich mit einem paar weißer adidas Sneaker kombinierte. Wir bogen von der Hauptstraße ab und fuhren in eine Seitenstraße.

"Wir sind da Seniora." Aus dem Frontscheibe konnte ich bereits Leonardo sehen, wie er vor einem Auto stand und telefonierte.
Das war der Wagen mit dem ich Dante und Pablo hab wegfahren gesehen, als ich mit Luca auf dem Balkon war.
Unser Fahrzeug kam zum Stehen und ich öffnete meine Tür, um rauszuspringen. "Seniora, bitte warten sie."
Doch ich dachte erst gar nicht daran, sondern lief zu Leonardo und Dantes Auto rüber.
Der Wagen war wie erwartet leer, aber komplett intakt, einen Unfall hatten sie also nicht.
"Was machst du denn hier?" wandte sich Leonardo jetzt an mich, nachdem er sein Telefonat beendet hatte. "Was wohl? Shoppen gehen! Wo ist Luca?"
Schon der zweite heute, der mich dumm anmacht.
Ich sah mich um, konnte aber niemanden weiteres sehen.
"Er und Leonardo sehen sich in der Gegend um. Riccardo hackt sich in die Überwachungskameras in dieser Straße rein, aber das wird etwas dauern." Leonardo ging zu Cristiano rüber und die beiden reichten sich die Hände.

Ich beugte mich runter und guckte unter das Auto, doch dort war nichts auffälliges, kein Peilsender, kein auslaufendes Öl, nichts.
"Da haben wir zuerst nachgesehen, es gibt keinen offensichtlichen Grund, warum sie den Wagen verlassen haben." Ich richtete mich wieder auf und sah mich in der Seitenstraße um, in welcher wir standen. Der Stadtteil war ärmer als die, die ich bis jetzt hier in Palermo gesehen hatte. "Der Wagen wurde hier nur abgestellt, also entweder sie parkten ihn hier weil sie schnell weg mussten, oder aber jemand versuchte ihn hier zu verstecken." Ich sah Leonardo ungläubig an. "Verstecken? Hast du dir die Gegend angesehen? Der Wagen fällt hier auf wie ein Bunter Hund. Also war verstecken sicherlich nicht der Grund warum er hier abgestellt wurde." Nach meinen Worten sah sich auch Leonardo etwas um.

"Wenn man zur Lagerhalle fährt, würde man dann der Hauptstraße folgen von der wir gekommen sind?" Als Antwort bekam ich ein Nicken, also entweder sie verließen absichtlich den Weg, oder sie wurden abgedrängt. Luca und Lorenzo tauchten auf der anderen Straßenseite auf und kamen zu uns rüber, sie müssen ihren Rundgang beendet haben.

"Nichts, es gibt keine Spuren oder Hinweise darauf wo sie hin sind und das gefällt mir so gar nicht."
Ja da muss ich Lorenzo recht geben, denn wenn sie den Wagen nicht freiwillig verlassen haben, dann wurden sie entführt, oder schlimmeres. "Leonardo bring das Auto zu unseren Männern in die Werkstatt, sie sollen ihn auseinander nehmen." Luca warf ihm einen Schlüssel zu, was wohl das Ersatzpaar für den Wagen war. Augenblicklich folgte Leonardo dem Befehl seines Bruders und machte sich auf den Weg. Ich ließ meine Augen weiter die Gegend absuchen.
Wird Zeit meiner anfänglichen Theorie nachzugehen. Ich ging die Strecke zurück zur Hauptstraße, stetig begleitet von Cristiano, und suchte nach Spuren. Auch Luca und Lorenzo folgten uns.

Plötzlich blieb ich stehen, auf der Straße waren Bremspuren zu sehen. Ich holte mein Handy raus und machte ein Bild, um es Riccardo zu schicken, dazu schrieb ich ihm, dass er die Fotos mit dem Profil von Dantes Auto abgleichen soll.
Das schlechte Gefühl in mir wurde immer größer. Luca muss meinem Gedankengang gefolgt sein, denn eine Reihe von italienischen Flüchen verließ seinen Mund. Wenn ich recht habe und sie bereits auf der Hauptstraße abgefangen wurden, dann bringen uns die Überwachungskameras in der Seitenstraße auch nicht weiter.
"Riccardo soll die Muster abgleichen, vielleicht sind das nicht ihre Bremsspuren." Nur gut das ich Lorenzo bereits einige Schritte voraus bin.
"Ich hab ihm bereits ein Foto geschickt." Meine Stimme war etwas lauter als gewollt, denn mit jeder Minute wurde ich immer angespannter. "Wer könnte da hinter stecken, wer würde es wagen den zukünftigen Don der italienischen Mafia anzugreifen?" Luca umfasste meinen Arm und zog mich in Richtung der Seitenstraße. "Nicht hier!" Ich befreite mich aus seinem Griff, ging aber weiter neben ihm her. "Wir fahren zurück zum Kontrollraum." Diese Anweisung richtete er an Cristiano, welcher mir nicht ein einziges Mal von der Seite gewichen war.

Wir steigen in unsere Autos und fuhren zurück zum Haus. Die Fahrt über betete ich, dass Riccardo etwas gefunden hatte. Wir müssen sie finden, ich muss ihn finden.


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