Die alte, viktorianische Standuhr im Raucherzimmer verkündete mit schwerem, dumpfen Gong, das es mittlerweile Mitternacht war, als eine kleine, unscheinbare Gestalt an ihr vorbeihuschte und durch den hohen, stuckverzierten Rundbogen in die Bibliothek eintrat.
Collin tapste in fast völliger Dunkelheit flink und beinahe lautlos über die Regale, während er angestrengt nach seiner Herrin suchte.
Erst vor ein paar Minuten war er von seinem Gang zur Toilette zurückgekehrt und hatte dabei einen kurzen Abstecher in ihr Schlafgemach unternommen. Nur um nach dem Rechten zu sehen. Doch seine Herrin war nicht dort und ihr Bett schien unberührt.
Es hatte ihn sehr gewundert warum sie in der Nacht vor dem großen Konvent nicht selig in ihrem Himmelbett schlummerte. Zurecht vermutete er, dass sie wieder etwas Unvernünftiges vielleicht sogar Gefährliches im Schilde führte.
Erfolglos hatte der besorgte Collin daraufhin den halben Ostflügel durchkämmt und begab sich, von einer dunklen Vorahnung geführt, schließlich in Richtung Laboratorium. Obwohl er ein sehr mulmiges Gefühl dabei hatte, mitten in der Nacht und ganz allein noch durch das weitläufige Haus zuschleichen, so machte er sich einfach viel zu große Sorgen um seine Herrin, als dass er sich hätte wieder ruhig in seinen Korb legen können um weiterzuschlafen.
Das alte Hollingsworth Anwesen war des Nächtens immer erfüllt von einer düsteren, fast schon bedrückenden Atmosphäre, so als würde man spüren welch absonderliche Rituale bereits seit mehr als einem Jahrhunderten in seinen Mauern praktiziert wurden.
Plötzlich lag der Geruch von Schwefel in der Luft und Collin sträubte sich das schießpulverschwarze Fell bei dem Gedanken an die fehlgeschlagene Beschwörung letzte Woche.
Es hatte Stunden gedauert bis seine Herrin, die betörend schöne Magierin Theodora A.Hollingsworth, kurz Dora, den extrem verärgerten Dämon wieder zurück in seine Domäne gezwungen hatte. Kaum auszumalen was passiert wäre, hätte es diese Kreatur tatsächlich geschafft Dora zu vernichten. Ein ungebundener Dämon wäre nämlich so ziemlich das Ende für die nahe gelegene Stadt Blackpool und viele seine Bewohner gewesen. Allein die Vorstellung ließ Collin erzittern und es breitete sich eine unangenehme Kälte in seinen Innereien aus, die er nur sehr langsam wieder von sich abschütteln konnte.
Bestimmte Nebeneffekte dieses verpatzten, arkanen Experiments ließen sich jedoch auch nicht durch Doras Sieg über dieses Ungetüm vermeiden.
Bevor der Dämon endlich in der stinkenden, feurigen Grube aus der sie ihn heraufbeschworen hatte, verschwunden war, ließ er es sich nicht nehmen den Westflügel des Hollingsworth Anwesens völlig zu verwüsten. Das einst prächtige Esszimmer sah danach aus, als ob dort ein mittelgroßer Tornado seine Runden gedreht hätte, die Schreibstube war bis auf weiteres nicht in Benutzung, da sich dort ein mysteriöser Portalriss geöffnet hatte und das Gewächshaus war zu einer wahren Todeszone geworden, die nun von einer Horde dämonoider Pflanzenwesen beherrscht wurde, die anscheinend eine beunruhigende Vorliebe für Menschenfleisch hegten.
Vorsichtig durchquerte Collin den versteckten Eingang in der Bibliothek –zwischen den beiden großen Bronzetigern – und schlich auf Samtpfoten die Stufen hinab ins Labor, welches sich Tief unter dem Anwesen verbarg.
Der Schwefelgestank wurde immer heftiger, so dass es ihn mit jedem weiteren Schritt nach unten ein kleines bisschen mehr schauderte. Angeekelt rümpfte Collin immer wieder die Nase und strich sich mit der Pfote überseine Schnauze, als wäre er damit in der Lage gewesen den Gestank zu vertreiben. Was natürlich nicht der Fall war. Der beißende Geruch hatte sich in seiner Nase festgesetzt und er wünschte sich, er hätte Hände gehabt um sich die Naselöcher zuhalten zu können.
Am Ende der breiten, steinernen Treppe lag eine große Doppeltür, die aus schwerem, dunklen Eichenholz gefertigt war und außerordentlich dicke, eiserne Scharniere an den Seiten besaß. Ins Holz waren unzählige Schutz-und Bannzauber geritzt, welche die physische Festigkeit der Tür um ein vielfaches erhöhten und zugleich eine arkane Barriere hinzufügten. War diese Tür verschlossen, so gab es nichts und niemanden, der in der Lage gewesen wäre sie ohne das richtige Zauberwort zu öffnen. Sie war zu Collins Glück, aber auch zu seiner Beunruhigung, einen kleinen Spalt geöffnet und gab einen Blick auf das Innere des Labors frei.
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Sinful Sourcery
FantasyEssenz ist der Ursprung aller magischen Kraft und der Orden der Sieben Goldenen Pforten ist trotz vieler Gefahren stets auf der Suche danach. So auch Theodra, eine junge Ringlose Schwester des Ordens, die mehr Glück als Verstand hat, wenn es darum g...
