Kurz nach dem ich das Cafe verlassen und zurück in der Pension war, schlugen meine Systeme Alarm. Für einen Moment schloss ich die Augen und atmete tief ein und wieder aus.
Jetzt ist es also soweit.
Ich wusste, dass dieser Moment kommen würde, hatte aber gehofft, ich hätte... nein, wir hätten noch mehr Zeit. Ich war nicht bereit dazu und dennoch blieb mir keine Wahl. Zum Glück hatte ich die letzten Tage genutzt und alles vorbereitet. Die wichtigsten Sachen hatte ich in meinen Rucksack gepackt, der Rest bleibt hier. Selbst, wenn sie es finden sollten, sie werden an keinerlei Daten gelangen. Gleichzeitig bedeutet das, dass ich dir nicht mehr helfen kann. Alles was ich mitnehmen kann, ist mein Handy und mein Laptop. Ich werde mich bewegen müssen und kann nicht lange an einem Ort bleiben. In diesem Moment muss ich all meine Zugänge und Verbindungen aufgeben, um mich und DICH zu schützen.
Ich ziehe meine Jacke an, setze meine Kapuze auf, lasse einen letzten Blick durch das Zimmer schweifen. Dann setze ich meinen Rucksack auf und ziehe die Tür hinter mir zu.
Ich werde Duskwood verlassen. Ich werde DICH verlassen.
Vor mir liegt eine ungewisse Flucht. Ich weiß, was mein nächstes Ziel sein wird. Dort werde ich für ein paar Tage untertauchen können. Ich weiß auch, dass der Weg zum Bahnhof in Duskwood nicht das Schwerste sein wird, was ich in den nächsten Tagen machen werde. Auch, wenn es sich gerade so anfühlt als wäre jeder Schritt ein Verrat an DICH. Als hätte ich dich hier her geführt, um nun zu verschwinden und dich deinem Schicksal zu überlassen.
Hannah zu finden, muss oberste Priorität haben. Ich darf mich nicht fassen lassen. Das bedeutet auch, dass ich mich nicht mehr von DIR verabschieden kann. Nicht jetzt. Ich habe keine sichere Verbindung mehr.
Ich wusste, dass es so kommen würde. Ich wusste aber nicht, dass es...
Meine Gedanken werden von dem Vibrieren meines Handys unterbrochen.
‚Jake?'
‚Jake, bist du da?'
‚Jake?'
Ich lese jedes deiner Worte. Ich verschlinge sie regelrecht. Aber ich kann nicht. Ich hoffe, DU wirst es irgendwann verstehen und mir verzeihen. Es tut mir leid. Ich wollte dich beschützen. Und jetzt bleibt mir nichts anderes übrig als dich allein zu lassen. Ich weiss, dass du mit den neusten Erkenntnissen auch alleine vorankommst. Du brauchst mich dafür nicht, das hast du mir ein ums andere Mal eindrucksvoll bewiesen. Es tut mir leid, aber ich kann dir aktuell nicht helfen.
Es kann kein Zufall gewesen sein, dass ich deine Nummer bekommen habe. Du schliesst den Kreis der Gruppe perfekt und hast dir deinen Platz bei ihnen mehr als verdient. Sie werden auf dich achten. Das haben sie die ganze Zeit gemacht.
Auch, wenn ich mir wünsche, dass DU niemals nach Duskwood gefahren wärst, dann weiß ich, dass die anderen für dich da sein werden. Du bist längst ein Teil von ihnen und sie werden dich beschützen. Vielleicht sogar besser als ich es je gekonnt hätte.
Ein Stich in meinem Herzen verrät mir, wie sehr ich diesen Gedanken hasse. Ich wollte nichts mehr als Hannah finden und dich beschützen, wissen, dass es DIR gut geht und jetzt bin ich es, der dir den Schaden gebracht hat. Jeder Schritt führt mich weg von DIR und alles in mir schreit danach umzudrehen.
Mit all meiner Kraft muss ich mich auf den Weg, der vor mir liegt, konzentrieren. Am Busbahnhof angekommen, stelle ich mich in eine unauffällige Ecke. Ich weiß, dass es nur noch ein paar Minuten sind bis der Bus, in den ich steigen muss, da ist. Jede Kleinigkeit habe ich im Vorfeld geplant und ich darf mich nicht ablenken lassen, denn jeder noch so kleine Fehler könnte meine Verfolger auf mich aufmerksam machen.
Für diesen Moment musst du aus meinem Kopf verschwinden. Ich brauche all meine Sinne.
Mein Handy vibriert erneut. Ich sollte es ignorieren und auf keinen Fall aus meiner Jackentasche zie...
'Schade.'
Du bist enttäuscht. Ich hätte niemals gedacht, dass mir 6 Buchstaben so wehtun würden. Ebenso wenig wie ich gedacht hätte, dass ich so überhaupt kein Durchhaltevermögen besitze.
Ob du dich wohl fragst wo ich bin?
Warum ich dir nicht antworte?
Machst du dir Sorgen?
Jake, du bist eine Witzfigur.
Ich kann nicht anders. Es geht nicht und glaube mir, es macht mich wahnsinnig zu sehen, dass da Worte von dir an mich sind. Worte, die DU in einen leeren Raum rufst.
Aber dieser Raum ist nicht leer.
Deine Worte sind nicht verloren.
Ich hüte sie wie einen Schatz. Meinen ganz persönlichen.
Mein Name aus deinem Mund. Ich wünschte...
NEIN! Jake! STOP!
Du hast Dinge zu erledigen.
DU musst dich fokussieren.
Und ich habe angst.
Angst davor Hannah nicht zu finden.
Angst davor, dich zu verraten.
Aufzufliegen.
Ins Gefängnis zu kommen.
Ich habe Angst, dass wir nicht rechtzeitig sind, dass es längst zu spät ist und Hannah...
Ich weiss, ich darf so etwas nicht denken.
Du kennst Hannah nicht mal.
Und trotzdem hilfst DU uns. Hilfst mir.
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Background
Fanfiction'Ich könnte hinschmeissen. Alles zu den Akten legen und zurück in mein altes Leben. Könnte euch euch selbst überlassen. Einfach verschwinden und mich um meine Sicherheit kümmern, darum Job's zu erledigen und tief im Untergrund verschwinden. Aber al...
