Elizabeth zitterte noch immer, als sie den Hinterhof der Wäscherei betrat. Vittorio hatte sich nach ihrem verzweifelten Anruf bei ihm einen wahren Hindernislauf ausgedacht, damit niemand ihre Spur verfolgen konnte.
Sogar neue Kleidung hatte er ihr hinlegen lassen, damit man sie im Auto schwerer wiedererkennen konnte.
Mit einem traurigen Lächeln hatte Elizabeth bemerkt, dass Vittorio sogar an eine fellbesetze, warme Jacke gedacht hatte.
Das letzte Mal hatte er sie ziemlich getadelt, weil sie nur eine leichte Stola über ihre nackten Schultern gelegt hatte.
„Elizabeth, Sie werden sich noch den Tot holen. Himmel, haben Sie denn keine Jacke für diese Temperaturen?"
Als sie kleinlaut zugegeben hatte, dass sie tatsächlich keine für Minusgrade besaß, zumindest keine vorzeigbare, hatte er nur mit den Augen gerollt, sie zum Kamin komplimentiert und für heißen Tee gesorgt.
Elizabeth' Magen krampfte sich unweigerlich zusammen, bei dem Gedanken, dass Vittorio sich das tatsächlich gemerkt hatte.
Unter normalen Umständen wäre sie in stundenlangen Tagträumen versunken, hätte den Zwischenfall auf dem Sofa stundenlang rekapituliert und hätte von seinen braunen Augen geträumt.
Aber Elizabeth wusste, dass Einzige was sie und Vittorio miteinander verband, war ein Geschäft.
Ein Geschäft, nämlich Francesco Juliano von dieser Welt zu tilgen.
Nino Ricci stand schon da und nickte ihr zu. Sein sonst so fröhliches Gemüt war gedrückt, trotzdem brachte er ein Lächeln zustande, während er ihr die Wagentür aufhielt.
„Guten Tag Miss Colvin."
Elizabeth konnte sich nur zu einem Nicken durchringen und nahm auf dem Beifahrersitz Platz.
„Wir werden jetzt erst mal ein bisschen rumfahren. Der Boss war ziemlich unruhig, weil wir länger nichts von Ihnen gehört hatten, aber Gott sei Dank geht es wenigstens Ihnen gut. Hoffen wir, dass die Sache einen baldigen Abschluss findet.", Nino warf Elizabeth einen Blick von der Seite zu. „Es ist nicht ihre Schuld. Juliano der Hund hat Leonardo auf dem Gewissen. Hätten Sie nicht geschossen, würden Sie jetzt neben Leonardo liegen."
Elizabeth spürte, wie der Klumpen in ihrem Magen immer großer wurde.
„Ich hab nicht mal hingesehen, er hat einfach meine Hände genommen, sie um die Waffe gelegt und geschossen. Ich konnte nichts tun. Er hat ihn einfach erschossen."
Sämtliche Mauern, die Elizabeth so mühsam um sich herum aufgebaut hatte, brachen ein. Hemmungslos fing sie an zu schluchzen, Tränen rannen über ihr Gesicht und hinterließen schwarze Spuren von der Mascara auf ihren Wangen.
Nino seufzte. „Miss Colvin, ich weiß. Der Bastard wird dafür bezahlen, glauben Sie mir. Machen Sie sich keine Sorgen. Der Boss wird schon für Gerechtigkeit sorgen. Juliano wird dafür bezahlen."
Ninos Griff um das Lenkrad wurde immer fester, ebenso wenig war Elizabeth sein inzwischen eiskalter Tonfall entgangen.
„Hatte Leonard eigentlich eine Familie? Ich hab mich bei unseren Fahrten nie nach seinem Leben erkundigt, aber..."
Doch Nino unterbrach sie.
„Machen Sie sich keine Sorgen. Für solche Fälle sorgen wir vor. Seine Mutter ist gut versorgt."
Elizabeth fühlte wie die Übelkeit in ihr aufstieg, ihr Blickfeld wurde immer kleiner und kleiner.
Sie hatte durch ihren Mangel an Aufmerksamkeit dafür gesorgt, dass Juliano auf Leonards Spur gekommen war. Sie hatte dafür gesorgt, dass eine Mutter ihren Sohn verlieren würde. Einen Sohn, den sie nicht einmal anständig begraben konnte. Der einfach so namenlos im nirgendwo verscharrt wurde.
ŞİMDİ OKUDUĞUN
Perhaps, Perhaps, Perhaps
Hayran KurguMit der Ermordung Leonards hat Elizabeth Colvin endlich das Vertrauen von New Yorks gefährlichstem Mafiaboss erlangt. Doch während Francesco Juliano mit Stadtrat Harris im Rücken seine Vormachtstellung gnadenlos ausbaut, muss sich Vittorio Puzo eing...
