Kapitel 1

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P.o.V. Armin

Es sind mittlerweile drei Jahre vergangen, seit wir Eren aus den Fängen von Reiner und Bertholdt befreien konnten. Seit diesem Tag waren die beiden zusammen mit Ymir verschwunden und sind nicht mehr wieder gesehen worden. Auch von diesem Biest war keine Spur zusehen und es war generell die ganze Zeit lang über sehr ruhig, ungewöhnlich ruhig. Es fühlte sich fast so an, als würde sich ein Sturm anbahnen, den wir jedoch erst bald zu spüren bekommen würden. Während wir versuchten die Mauer Maria zurück zu erobern, mussten leider auch dabei viele Menschen ihr Leben im Kampf zurücklassen, trotz dessen war es uns immer noch nicht gelungen, unser Territorium zu erweitern. Auch der Tod von Hannes hatte Eren, Mikasa und mich sehr mitgenommen. Er war immer für uns da gewesen und hatte sich um uns gekümmert und jetzt war er fort, gegessen von einem Titan. Ob uns dieses Schicksal auch irgendwann zukommen wird? Ich weiß es nicht, aber ich werde alles dafür tun, damit meine Freunde leben, selbst, wenn ich dafür mein eigenes Leben hergeben muss. Das bin ich bereit in Kauf zu nehmen... für sie. Das bin ich ihnen schuldig.

Bei unserer letzten Erkundungstour wurden wir von einer Horde von 10 bis 13 Meter-Titanen angegriffen. Wir sind noch gut davon gekommen, weil Eren uns in seiner Titanenform beschützt und gegen die Titanen gekämpft hatte. Bei diesem Kampf musste er jedoch einiges einstecken, weshalb es mehrere Tage gedauert hatte, bis er aus dem Bett aufstehen konnte. Natürlich waren Mikasa und ich rund um die Uhr bei ihm im Krankenzimmer, doch auch Hanji und Erwin hatten viele Fragen an ihn. Bei dem letzten Kampf hatte Eren es geschafft irgendwie seine Titanenkräfte zu verstärken, was Hanji natürlich sofort untersuchen musste. Gerade stand ich im Flur und musterte die drei von dort aus, da die Tür offen war. Ich wollte sie nicht stören, da ich so oder so nicht wirklich verstand, was sich an Erens Titan großartig verändert hatte. Erwin sah Hanji und Eren nachdenklich an und hörte ihnen zu, sagte aber nicht viel. Er hatte es auch nicht leicht, da ihm sein Arm von einem Titanen abgebissen wurde. Trotzdem verzog dieser Mann keine Miene, weshalb ich ihn wirklich sehr bewunderte. Ich würde auch gerne so stark sein wie er, jedoch...

 
"Sabber dir nicht auf dein Hemd, Arlert." "Hauptgefreiter Levi... Ich hab nicht- Ich war grad nur in Gedanken", erklärte ich nervös und versuchte die Röte in meinem Gesicht zu verstecken. Niemals würde ich in so einer Art von Kommandant Erwin denken. "Wie geht es Eren?", fragte mich Levi, während er sich seinen Umhang überzog. "Schon viel besser, Sir. Hanji untersucht ihn gerade." "Okay gut. Wo sind die anderen alle?", fragte er etwas abgelenkt. "Draußen, sie trainieren gerade." "Was machst dein Arsch dann hier drinnen und nicht auf dem Trainingsplatz?" "Ich war eigentlich gerade bei Eren, als Hanji und Erwin kamen. Ich bin raus aus dem Zimmer, damit sie in Ruhe reden konnten", erklärte ich überfordert, doch der Hauptgefreite sah nicht wirklich zufrieden aus mit meiner Antwort. "Ich hab danach auch noch ein paar Fragen an Eren, also kannst du zu den anderen gehen und auch trainieren." Widerwillig, aber ohne es abzustreiten, stand ich auf und lief zur Tür. Bevor ich den Raum verließ, ertönte nochmal Levis gelassene Stimme: "Du solltest aufhören das Training zu schwänzen." 

Er hatte es bemerkt. Wie hätte er es auch nicht? Ich wollte einfach nicht mehr trainieren, da es bei mir doch sowieso nichts ändern würde. Die anderen waren alle so verdammt gut und ich hingegen einfach nur ein Schwächling. Wie sollte ein Training, daran denn noch etwas ändern können? Langsam schlurfte ich nach draußen, wo sich auch unteranderem Jean, Connie, Sasha und Mikasa aufhielten. "Du beehrst uns ja auch mal wieder mit deiner Anwesenheit", merkte Jean an und kassierte dafür einen Schlag auf den Hinterkopf von Sasha. "Spar dir deine Kommentare, Jean", sagte Mikasa ernst, woraufhin er natürlich sofort verstummte. "Es tut mir Leid, lasst euch nicht von mir stören", murmelte ich. "Wir wollten grade sowieso etwas essen gehen. Sasha fängt schon wieder an fast zu verhungern", erklärte Connie grinsend und legte seine Hand auf Sashas Schulter, bei der schon allein beim Gedanken an Essen der Sabber vom Mund lief. Sie war wirklich verrückt nach Essen. "Willst du mit?" "Nein danke, ich bleib noch etwas hier", antwortete ich ihm und sah dabei zu, wie Sasha, Connie und Jean den Trainingsplatz verließen.
"Hör auf mich so anzugucken, Mikasa. Ich brauche dein Mitleid nicht", meinte ich bedrückt. "Tu ich gar nicht. Komm mit, ich trainiere jetzt mit dir." Verblüfft sah ich sie an. "Du musst doch schon ganz fertig sein... Ich will nicht, dass du wegen mir deine freie Zeit opferst." Mein Blick senkte sich wieder. Mikasa nahm meine Hand und versicherte mir: "Ich will dir helfen. Zusammen macht das Training doch mehr Spaß, findest du nicht." "Wenn du mich nicht zu sehr rannimmst, dann vielleicht", entgegnete ich und lächelte sie an. Selbst Mikasa entging ein kurzes Lächeln. 

Wir beide verbrachten noch die nächste Stunde damit, um gemeinsam die verschiedensten Übungen durchzugehen. Ich war völlig am Ende und bettelte Mikasa schon vor einer halben Stunde an, dass wir früher aufhörten, doch sie blieb stur. Wie immer... Von meinen Kräften verlassen, lag ich am Boden und versuchte meine Atmung wieder in Ordnung zu bringen. "Wir machen morgen weiter. Heute bist du zu nichts mehr zu gebrauchen", sagte sie ehrlich. Ich war so kaputt, dass ich es noch nicht mal schaffte, mich über ihre Aussage aufzuregen. Erschöpft legte ich meinen Kopf zur Seite und bemerkte kurzdarauf dann den Hauptgefreiten Levi, der sich an das Gelände etwas weiter weg von uns angelehnt hatte und uns von dort aus beobachtete. Sein Blick war zwar wie immer recht ausdruckslos, trotzdem war da noch etwas anderes, was ich nicht ganz deuten konnte. Während ich Levi noch immer beobachtete, kam Mikasa zu mir und zog mich an meinen Händen auf die Beine. "Hoffen wir mal, dass Sasha uns noch etwas zu Essen übrig gelassen hat", meinte sie dabei und band sich bevor wir gingen ihren Schal enger um den Hals. 

Als wir in der Cafeteria ankamen, war fast niemand mehr da. Anscheinend haben wir zu lang trainiert. Hoffentlich war noch etwas zu Essen da. Auf dem Weg zur Theke, rief jemand nach unseren Namen. Um genau zu sein, war es sogar Levi. Er saß allein an einem Tisch saß, der jedoch für zwei Leute gedeckt war. "Dieses Essen wurde für euch vorbereitet. Das andere wurde schon alles aufgegessen, höchstwahrscheinlich von Sasha", erklärte er. Etwas zögerlich setzten Mikasa und ich uns zu ihm. "Das wurde nur für uns beide gekocht?", fragte ich erstaunt. "Ja. Nachdem ich dich trainieren gesehen hab, hab ich die Köchin dazu beauftragt noch zwei extra Portionen zu kochen." "Wow, danke", sagte ich und begann zu essen. "Danke", murmelte Mikasa ebenfalls. "Ich lass euch in Ruhe essen", meinte er, stand auf und verließ die kleine Halle. Verwirrt darüber, was gerade passiert war, sahen Mikasa und ich uns an. "Seit wann ist Levi denn so fürsorglich?", fragte ich sie leise. "Gewöhn dich nicht dran", entgegnete sie und sagte dann nichts mehr dazu. 

Der Stärkere von uns BeidenStories to obsess over. Discover now