Prolog

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21. Juli, Italienische Provinz

Hochzeit von Aurelia, Schwester von Konstatin

"Anspruchsvoll wie immer", dachte ich mir, als ich meine Schwester Aurelia lautstark mit Ihrer Floristin über die zu kalte Tonlage der Lilien auf den Tischen diskutierte.  Sie hat seit dem sie ihren noch Verlobten Gabriele, auf einer Reise in die italienischen Alpen getroffen hat, verändert. Selbstsicher, charismatisch, laut und endlich kann sie sich selbst die ganze Zeit treu bleiben. Diese verrückte Seite, die sie wegen den Druck von außen aufgeben musste, passte ihr wie angegossen. Wie konnte ich da nur Gabriele nicht mögen. Er kann sie glücklich machen. 

Aus meinen Gedanken holte mich ein lautes Knallen der Tür. Der Raum wurde wieder klarer und mein Blick huschte zu meiner Schwester rüber. Die Floristin stand nicht mehr neben ihr, so habe ich mir ein einfaches Fazit geschlossen. 

"Bekommst du deine Lilien?", fragte ich vorsichtig. Da wie wir alle Wissen: Eine wütende Braut ist eine gefährliche Braut und ich wollte heute keine Vase in meinem Gesicht landen sehen. Aurelia, zu meinen Staunen, blieb ruhig. 

"Sie bringt wärmere. Die Ranunkeln...passen zum ganzen Thema nicht und müssen durch Rosen ersetzt werden. Die Hortensien sind Ihr gelungen und der Rest ist gut wie er ist", merkte sie."... Wer hat sich die verdammten schneeweißen Lilien ausgedacht! Ich sagte doch, dass ich champagner will."

Ich kam etwas näher zum Tisch an dem sie stand. Doch immer noch nicht nah genug, um von ihr als Boxsack benutzt zu werden. "Übermorgen wird sicherlich, alles perfekt werden", beruhigte ich sie sanft. Im gleichen Moment schaute sie zu mir hoch. Ihr Gesicht wurde sanfter und eine unbeschreibliche Verzweiflung schimmerte in Aurelias Augen auf. 

Leise murmelte sie vor sich hin:" Was wenn nicht? Etwas kann doch schiefgehen. ...Was wenn Gabriele nach der Hochzeit sich verändert, genau so wie Vater es getan hat? Was wenn-." In diesem Moment musste ich meine Schwester unterbrechen, da mein Herz sich zusammen krampfte, als eine Träne ihre Wange runterlief. Meine Arme legte ich um sie, so das ihr Kopf auf meiner Brust weilte. 

Sie war immer die große Schwester, die Rolle des Sündenbocks hat sie schon seit meiner Geburt angenommen. Unser Vater arbeitete von Zuhause aus, da unsere Mutter Diplomatin war. Natürlich konnten wir mit ihr mitkommen, doch wollten sie uns normal Aufwachsen sehen, ohne das ganze hin und her. So musste er das Haus, uns und seine Arbeit, in der Zeit in der Mutter abwesend war, unter einen Hut bekommen. Das hat er aber nicht und so hat er alle seine Unvollkommenheiten, in Aurelias Schuhe geschoben. Wenn ich etwas nicht konnte, wurde sie die Ursache meines Versagen. All die schlechten Noten die ich in der Schule erhalten habe, kamen, da sie mir nichts beibringen konnte. Dazu musste sie natürlich die Rolle des Vorzeigekindes annehmen, weil ich dazu nicht im Stande war. Als sie älter wurde, wurden auch die Probleme immer größer. Sie musste immer noch die Klassenbeste sein, sich um mich kümmern und eine enorme Zahl an Hauspflichten erledigen. Da kann man sich denken was passierte, wenn sie eine der Aufgaben nicht erledigen konnte. 

Sie konnte erst aus dem Haus fliehen, als sie ihr Studien in Zürich begann. Nicht mal ein halbes Jahr später begegnete sie Gabriele und ihr Leben veränderte sich. Wie schon vorher erwähnt, entdeckte sie eine ganz adere Welt mit ihm. Er sagte ihr, wie wertvoll sie ist. Das sie nicht immer die Probleme verursacht und wenn doch etwas passiert, muss man diese nicht alleine lösen. Als ihr Bruder konnte ich mir für eine Schwester niemanden besseren vorstellen. Doch Wunden die sie mit sich trägt, die Schuldgefühle, die in sie gepflanzt wurden, verschwinden nicht von einem Tag auf den nächsten. 

"Aurelia, ich weiß wie wertlos die Worte "Alles wir gut" klingen. Doch musst du dir veranschaulichen, wie sehr du dich verändert hast. Nicht immer sind Veränderungen gut. Allerdings war deine mehr als positiv. Man kann diese Freude die aus deinen Augen strahlte, als du mir Gabrielle vorgestellt hast, nicht in Worte fassen. Ich musste, als ich dich vor einem Jahr gesehen habe, mein Staunen aus den Gesicht wischen, um nicht mit offenen Mund dazustehen. Endlich hatte dein Name, dich perfekt beschreiben dürfen. Nie wusste ich warum Mutter dich so genannt hat. Deine Haare sind braun, deine Augen blau und nie hast du deine goldene Persönlichkeit  gezeigt. Hingegen strahlst du neben deinen Verlobten, genau wie Gold. Ich sag dir nicht, dass alles gut wird, da alles längst gut ist." Als ich mein Monolog beendet habe, schaute mich meine Schwester weiterhin mit Tränen an. Ihre Augen strahlten hingegen Hoffnung aus, die sie vor einigen Minuten noch nicht hatte. Schnell nahm sie mich in die Arme. 

Und so standen wir da. Lange dauerte die Umarmung nicht, da die Floristin mit einer Handvoll Blumen in den Saal kam. Aurelia löste sich von mir, gleichzeitig analysierte sie das Bukette aus Lilien und Rosen, welches sie gleich wieder kritisieren würde.

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⏰ Last updated: Feb 16, 2023 ⏰

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